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Hotelier gegen Influencer : „Gehen Sie einfach arbeiten!“

  • -Aktualisiert am

Alles fürs perfekte Bild: Touristen posieren an einem Strand auf den Philippinen (Archiv). Bild: Reuters

Ein Hotelbesitzer auf den Philippinen wollte nichts mehr mit „selbsternannten Influencern“ zu tun haben, die nach einer kostenfreien Übernachtung fragen. Kurze Zeit später rudert er aber schon wieder zurück.

          Sonne, Strand – und viele Touristen. Die kleine Insel Siargao im Osten der Philippinen hat sich in den letzten Jahren zum beliebten Urlaubsziel für Surfer entwickelt. Mit ihnen kamen junge Reiseblogger aus der ganzen Welt, die ihre Reisen am liebsten via Instagram dokumentieren.

          Hotelbesitzer Gianlucca Casaccia ist das offenbar zu viel geworden. In einem Facebook-Post teilte er vergangene Woche mit: „Wir erhalten viele Nachrichten über eine Zusammenarbeit mit Influencern. Wir würden gerne höflich bekanntgeben, dass das White Banana nicht daran interessiert ist, mit selbsternannten Influencern zusammenzuarbeiten.“ Und weiter: „Wir würden [Ihnen] vorschlagen, andere Möglichkeiten zu suchen, um kostenlos Essen, Getränke oder Übernachtungen zu bekommen. Oder Sie gehen einfach richtig arbeiten." Etwa 100 Mails habe Casaccia seit der Eröffnung seines Hotels im Mai erhalten, in denen „Möchtegern-Influencer“ nach einer Gratisbeherbergung fragten. Das sagte er der „New York Times“ am Mittwoch.

          In den sozialen Netzwerken ging der Facebook-Post viral. Viele Nutzer unterstützen den öffentlichen Vorstoß des „White Banana“, einige kritisieren ihn hingegen scharf: „Ich bin Bloggerin. Aber ich habe auch einen Vollzeitjob und ich arbeite hart, um mir die vielen Reisen leisten zu können. Schließlich brauche ich Motive für meine Posts. Was ist falsch daran?“, fragte eine Facebook-Nutzerin.

          Tatsächlich ruderte das Hotel kurze Zeit später zurück: „Wir möchten klarstellen, dass wir nicht gegen Influencer sind, nur gegen Schnorrer.“ Mit „wahren“ Influencern hätten sie bereits kooperiert. „Sie brauchen nicht uns. Wir brauchen sie“, heißt es in dem Post.

          Gegenüber der „New York Times“ präzisierte Hotelbesitzer Casaccia, „wahre“ Instagrammer hätten etwa eine halbe Million Follower oder mehr. Wenig später hieß es auf der Facebook-Seite des Hotels gar: „Wer weiß, vielleicht werden wir eines Tages auch mal Influencer.“

          Die Reaktion des Hotels zeigt einmal mehr, wie sehr die Tourismusbranche auf Werbung in sozialen Netzwerken angewiesen ist. „Influencer sind mittlerweile sehr wichtig, weil sie eine jüngere Zielgruppe effektiv abdecken können“, sagt Alina Chien, Social-Media-Chefin der Tourismusagentur KPRN. Die Zielgruppe von Bloggern auf Instagram sei zwischen 18 und 30 Jahre alt. Die Philippinen und Asien insgesamt lägen bei jungen Menschen im Trend – entsprechend relevant sei das Land für junge Blogger, sagt Chien.

          Aber wie dreist sind die Anfragen der Influencer wirklich? Laut Hotelbesitzer Caraccia laute eine typische Anfrage eines „Möchtegern-Influencers“: „Ich komme vom 25. bis 27. August. Wir brauchen drei Betten, Essen und eine Unterkunft.“ Alina Chien bestätigt: „Es ist wirklich so, wir bekommen ständig Anfragen dieser Art.“ Teilweise ergebe es aber für Hotelbesitzer trotzdem Sinn, darauf einzugehen: „Wenn Influencer gut vernetzt sind, dann lohnt sich eine kostenlose Übernachtung durchaus.“ Ein gewisses Maß an Professionalität müsse aber gewährleistet sein.

          Die äußere sich übrigens nicht primär durch die Zahl der Follower, denn „je größer die Reichweite, desto fragmentierter ist das Publikum“, erklärt Chien. Ein kleinerer Publikumskreis sei oft interessierter, aktiver – und damit werberelevanter.

          Hotelbesitzer Casaccia dürfte das nur allzu bekannt sein. Trotzdem ist er nicht der einzige, der von Influencern genervt ist: Bereits im Januar 2018 erregte ein Hotelbesitzer aus Dublin weltweit Aufsehen, als er der Bloggerin Elle Darby eine kostenlose Übernachtung öffentlich verwehrt hatte. Daraufhin erteilte er allen Bloggern Hausverbot in seinem Luxushotel.

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