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Wohnungsmarkt : Verkannte Champions

Mehr als nur zweite Reihe: Darmstadt hat viel zu bieten. Bild: Helmut Fricke

Alle Welt will in Berlin wohnen. Von Wolfsburg weiß sie nicht einmal, wo das liegt. Und doch steigen dort die Hauspreise und Mieten - wie auch in Darmstadt und Ingolstadt. Das ist kein Zufall.

          5 Min.

          Als vor ein paar Wochen die Fans von Darmstadt, Ingolstadt und Wolfsburg durch die Straßen zogen, um den Erfolg ihrer Stadt zu feiern, ging es in erster Linie um Fußball. Wolfsburg hat in dieser Saison den DFB-Pokal geholt, Darmstadt und Ingolstadt spielen nun in der Ersten Bundesliga. Doch diese drei Städte sind nicht nur in der Fußballtabelle Aufsteiger und Champions, sondern auch im wirklichen Leben: Neue Arbeitsplätze entstehen, immer mehr Menschen ziehen hin, guter Wohnraum wird knapp. Während alle immer nur über die neue Attraktivität der deutschen Metropolen sprechen, den Boom Berlins, Hamburgs, Münchens und Frankfurts bestaunen, blühen in deren Schatten die Städte aus der zweiten Reihe. Städte, die bis vor kurzem bestenfalls für solide Autos standen oder mit der Nähe zu einem Großflughafen punkten konnten, haben sich zu den heimlichen Stars auf dem Immobilienmarkt gemausert.

          Judith Lembke
          Redakteurin im Ressort „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie können viel von dem bieten, womit auch die ganz Großen locken: interessante Jobs, gute Schulen und vielfältige Freizeitangebote. Die Städte wachsen, und das hat Folgen für Mieten und Hauspreise. Yannick Stark kann davon ein Lied singen. Vor einem halben Jahr wechselte der Fußballprofi aus München zum SV Darmstadt 98 und wurde Teil des südhessischen Sommermärchens. Der gebürtige Darmstädter freute sich über die Rückkehr: „Die Stadt ist nicht zu groß, durch die Uni gibt es viele junge Leute, und wenn man die Großstadt braucht, ist Frankfurt direkt um die Ecke“, beschreibt er die Vorzüge seiner Heimatstadt. Stark hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass es so schwer werden würde, eine Wohnung zu finden. „Ich war aus München einiges gewohnt, aber die Suche war in Darmstadt nicht viel einfacher“, sagt er. Auch wenn die Preise „noch humaner“ seien als in der bayrischen Hauptstadt, hätte es viel länger gedauert als zunächst angenommen.

          Südhessisches Sommermärchen

          Nicht viel anders sieht es in Wolfsburg aus. Volkswagen, dem mit Abstand größten Arbeitgeber, geht es glänzend. Das strahlt auf die ganze Region aus. Schon seit fünf Monaten ist Ralf Beil Direktor des renommierten Wolfsburger Kunstmuseums - eine feste Bleibe für sich und seine Familie hat er noch nicht gefunden. „Es gibt einen hohen Zustrom von hochqualifizierten Akteuren in diese Region, aber kaum Immobilien, die diese Nachfrage bedienen.“ Die Folge sei, dass die Leute bis nach Berlin pendelten.

          Jugendstil und Wissenschaft: Darmstadt hat ein Image, das vielen kleineren Städten fehlt. Bilderstrecke
          Jugendstil und Wissenschaft: Darmstadt hat ein Image, das vielen kleineren Städten fehlt. :

          Denn immer mehr Immobilienkäufer nehmen die Regionalstädte in Augenschein - professionelle Investoren ebenso wie private Bauherren. „Die Metropolen sind schon zu teuer, die Städte aus der zweiten Reihe sind viel interessanter“, sagt Thomas Meyer, Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft Wertgrund, und spricht damit vielen Anlegern aus dem Herzen. In Ingolstadt gibt es heute 20 Prozent mehr Bürojobs als noch vor fünf Jahren - viele von ihnen gut bezahlt. Kein Wunder, dass das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) davon ausgeht, dass die Wohnfläche bis 2030 um 12 Prozent steigen muss. Damit nimmt die Stadt an der Donau auf Immobilienmarkt-Ranglisten regelmäßig eine Spitzenposition ein. Die besagten Studien loben, dass die Häusermärkte in Regionalstädten nicht so anfällig für Schwankungen seien wie in den Metropolen und zudem „bessere Renditepotentiale“ böten. Nicht nur, weil die Preise in den „Großen Sieben“, also Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Köln und Düsseldorf, schon so stark gestiegen sind, dass es kaum noch Luft nach oben gibt, die Gefahr einer Blase aber umso größer ist. Die Immobilienmärkte der Großstädte werden auch viel stärker reguliert, Stichwort Mietpreisbremse, was die Gewinnaussichten von Anlegern trübt.

          Die zweite Reihe wird oft verkannt

          Doch die zweite Reihe ist vielschichtig. Das zeigt sich, wenn man Offenbach und Darmstadt vergleicht: Beide Städte liegen im Rhein-Main-Gebiet, sind gerade einmal 35 Kilometer voneinander entfernt. Doch während Darmstadt boomt, kann Offenbach deutlich weniger von der hohen Anziehungskraft des Ballungsraums profitieren.

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