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Herbst in Corona-Zeiten : Ist der Heizpilz die Rettung?

Vom Umweltsünder zum Retter in den Corona-Not: Kann der Heizpilz uns noch retten? Bild: Picture-Alliance

Das Ende des Sommers ist oft mit einer gewissen Wehmut verbunden, doch die Vorstellung eines kühlen Herbstes unter Corona-Bedingungen ist in diesem Jahr ein regelrechtes Schreckensszenario. Hat nun die Stunde des Heizpilzes geschlagen?

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          Noch tragen wir unsere Sonnenbrillen zur Schau, blinzeln in das flirrende Licht, während wir auf dem Fahrrad durch die Stadt fahren. Wir mähen unsere Rasen, gießen unsere Pflanzen, trinken Rosé auf unseren Terrassen. Und doch liegt schon ein Schatten über uns. Die Tage werden kürzer, die ersten Blätter welken, und morgens sticht uns der Geruch feuchter Erde in die Nase.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Für viele ist der Herbst in diesem Jahr ein Schreckensszenario. War die nasskalte Jahreszeit bislang mit einer gewissen Wehmut verbunden, die uns Rilke-Gedichte zitieren ließ, so herrscht jetzt die nackte Angst. Wie wird unser Alltag aussehen, wenn es nass, kalt und dunkel ist? Wenn das Leben sich von draußen nach drinnen verlagern wird?

          Es gibt Alternativen

          So viel ist sicher: Auch ohne Lockdown wird sich der Herbst wie ein Lockdown anfühlen. Deshalb ist neuerdings ein Gebrauchsgegenstand in den Blickpunkt gerückt, der nicht nur grob hässlich ist, sondern auch in der Vor-Corona-Zeit ziemlich in Verruf geraten war. Der Gas-Heizstrahler, besser bekannt als Heizpilz, bläst, wenn er 40 Stunden pro Woche im Einsatz ist, rund vier Tonnen Kohlendioxid in die Luft. Er ist so etwas wie ein tragbares Kohlekraftwerk, weshalb ihn einige Städte in Deutschland als Terrassenwärmer in der Gastronomie verboten haben.

          Jetzt soll er uns retten, weil er den Herbst – wenigstens gefühlt – zum Sommer macht. Plötzlich reden alle gut über ihn, auch die einstigen Kritiker. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter erinnert zwar politisch korrekt daran, dass seine Partei aus „klima- und umweltpolitischen Gründen“ Heizpilze ablehne. Aber in dieser „speziellen Ausnahmesituation“ sei er dafür, die „Verbote zeitlich befristet auszusetzen“.

          Demnächst dürfte es also einen Run auf Heizpilze geben. Wer keine mehr ergattert, kann sich in seinem Garten mit einem Elektro-Heizpilz wärmen, einer Feuerschale oder einem Snuggie. Was das ist? Eine besonders in Amerika beliebte Fleecedecke mit zwei Ärmeln. Wem das zu sehr nach Fernsehabend aussieht, der kann die Outdoor-Variante wählen: den Ansitzsack, eine Mischung aus Schlafsack und Latzhose, besonders beliebt bei Jägern. Schön sieht er nicht aus. Andererseits: Im Dunkeln sieht es eh keiner.

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