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Gregor Mendel : Bis zur letzten Hülse

Vom Ziel, Bienen ohne Stacheln zu züchten

Heute findet sich im hinteren Teil des Klostergartens wieder eine kleine Wetterstation. Sie steht dort, wo einst die Orangerie, Mendels „Gartensalon“, an die Mauern der Klosterbrauerei stieß. In der Orangerie hielt sich der Abt besonders gerne auf und empfing Gäste. 1972 brannte sie nieder und wurde trotz vieler Bestrebungen wohlmeinender Brünner Bürger nicht wieder aufgebaut. Für 30 Kronen (1,20 Euro) lässt sich das Bienenhaus besichtigen, das Gregor Mendel weit abseits der eigentlichen Abtei 1871 errichten ließ. 15 Bienenstöcke fanden in ihm Platz. Es sei nicht auszuschließen, dass er an seinen Bienen auch die Ergebnisse seiner Pflanzenstudien erproben wollte, heißt es im Kloster.

Unverkennbar Mendels Garten: Blick auf die Abtei St. Thomas in Alt Brünn, gegründet 1323 als Zisterzienserinnenkloster „Aula Sanctae Mariae“ von Königin Elisabeth, der Witwe Rudolfs von Habsburg.

Tatsächlich widmete er sich auch hier „dem Kopulieren“, aber mit wenig Erfolg für den Honig-Ertrag. Ihm soll es auch gelungen sein, ein stachelloses Volk heranzuzüchten, das umgehend von einem Volk mit Stachel ausgerottet wurde. „Wichtig ist, dass jeder Bienenzüchter etwas ausprobiert, was mit der Bienenzucht in Verbindung steht, da man nur auf diesem Wege zu nützlichen Erkenntnissen gelangen kann“, schrieb Mendel 1875 in der Zeitschrift „Die Honigbiene von Brünn“, einem „Organ der Bienenfreunde in Mähren und Oester. Schlesien“.

Mendel war nicht ohne Hintergedanken in die Augustinerabtei nach Brünn geholt worden. Er sollte dort genau solche Untersuchungen betreiben. Der mährische Ort war im 18. Jahrhundert zu Reichtum gelangt, da Kaiserin Maria Theresia in Brünn den Stoff für die Uniformen ihrer Soldaten herstellen ließ. Die Industriellen in „Österreichs Manchester“, wie Brünn wegen seiner Textilproduktion genannt wurde, investierten schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts viel in die Forschung, mit der sie den landwirtschaftlichen Ertrag auf ihren Gütern erhöhen wollten.

Mendel stammt aus armen Verhältnissen

Mit gewinnbringenden Ergebnissen, die die „Mährisch-Schlesische Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Naturund Landeskunde“ regelmäßig veröffentlichte. Experimentiert wurde zum Beispiel mit den Samen verschiedener Kleearten, mit Frühkartoffeln, aber auch mit Bienen. Langjähriges Mitglied der Gesellschaft und ihr späterer Direktor war Franz Napp (1792 bis 1867), der als Augustiner den Ordensnamen Cyrill trug. Napp, seit 1824 Abt des Alt-Brünner Stiftes, war es auch, der den hochbegabten Johann Mendel 1843 als Novizen ins Kloster holte. Dort sollte der 1822 in Heinzendorf (Hyncice) geborene Bauernsohn landwirtschaftliche Untersuchungen anstellen.

Es ist bis heute umstritten, warum Johann Mendel, der sich den Ordensnamen Gregor zulegte, Mönch und Priester geworden ist. Seine Eltern waren arm. Nur unter widrigsten Umständen und mit Unterstützung seiner Schwestern konnte der einzige Sohn den ihm vorgezeichneten Weg verlassen und studieren. Er selbst schrieb in seiner in der dritten Person verfassten Biographie: „Mit dem Aufwande aller seiner Kräfte gelang es demselben, die beiden Jahrgänge der Philosophie zu absolviren.“ Danach habe er sich gezwungen gesehen, „in einen Stand zu treten, der ihn von den bitteren Nahrungssorgen befreite. Seine Verhältnisse entschieden seine Standeswahl.“

Direktor Dostál bezweifelt, dass Mendel dem Kloster nur beitrat, um sich seiner materiellen Sorgen zu entledigen. „Mendel muss mit ganzem Herzen Ordensmann gewesen sein.“ Zudem ließ er sich 1868 sogar zum Abt wählen, was bedeutete, dass er viel weniger Zeit für seine Studien hatte. Dostál ist davon überzeugt, dass die große Verantwortung und nicht zuletzt der Streit mit den Behörden um eine Klostersteuer, die das reiche Stift arg beutelte, zum frühen Tod Mendels mit 61 Jahren beitrugen.

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