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Gregor Mendel : Bis zur letzten Hülse

Vom Mendel-Dankmal verschwand die Inschrift

Der führende Biologe der UdSSR, Trofim Denissowitsch Lyssenko, lehnte die Existenz von Genen ab und damit die Erkenntnisse von Genetikern wie Mendel, Charles Darwin, August Weismann und Thomas Hunt Morgan. Lyssenko glaubte, dass erworbene Eigenschaften vererbt würden. Die Mendelschen Regeln wurden verboten, selbst in Brünn sollte die Erinnerung an den berühmten Mann getilgt werden. Die Stalinisten verjagten daher 1950 nicht nur die Augustiner aus ihrem Kloster. (Erst 1989, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, bekamen sie die heruntergekommenen Gebäude zurück.) Auch ein Mendel zu Ehren gestiftetes Denkmal, das seit 1910 auf dem Platz vor dem Kloster gestanden hatte, wurde abgebaut und hinter den Mauern seiner Abtei verborgen.

Dort, im Garten, steht es noch heute. Den Auftrag für das mehr als lebensgroße Werk hatte der Wiener Bildhauer Theodor Charlemont bekommen. Es zeigt den jungen Priester im einfachen Ordenshabit vor rankenden Erbsen. Am Sockel reichen sich zwei nackte Kniende, ein Junge und ein Mädchen, ihre rechten Hände. Der Reliefschmuck deute „in zarter Allegorie die große allgemeine, auch auf das menschliche Leben sich erstreckende Bedeutung der Mendelschen Vererbungsgesetze aus“, heißt es in einer 1924 in Prag veröffentlichten Biographie. Auf dem Sockel stand damals noch zu lesen: „Dem Naturforscher P. Gregor Mendel 1822 -1884. Errichtet 1910 von Freunden der Wissenschaft.“ Die Inschrift wurde später verkürzt, der Naturforscher, der Pater und die Freunde der Wissenschaft wurden gestrichen. Irgendwann verschwand selbst der schlichte Schriftzug „Gregor Mendel 1822 -1884“.

Mendel kam erst spät zu verdienter Ehre

Auch Mendels Garten erlebte einen Bilder sturm - und das schon kurz nach seinem Tod. Anselm Rambousek, der ihm 1868 bei der Wahl zum Abt unterlegen war und ihm nun, 1884, als Souverän über die Abtei folgte, ließ das Gewächshaus abreißen. Nur eine Kiesfläche, auf der heute Kinder spielen, erinnert noch an den gläsernen Bau, in dem Mendel mit Messer und Pinsel die Blüten zu öffnen pflegte, um sie zu bestäuben. Mit Besuchern scherzte er: „Meine Aufgabe ist eben zu kopulieren.“ Rambousek vernichtete auch Briefe sowie persönliche und wissenschaftliche Aufzeichnungen seines einstigen Rivalen.

„Versuche über Pflanzen-Hybriden“: Original der Mendelschen Regeln, veröffentlicht 1866.

Für die Mendel-Forschung ist das eine Katastrophe, und es ist auch eine Erklärung dafür, dass erst im frühen 20. Jahrhundert die „Mendelschen Gesetze“ und mit ihnen der „Vater der Genetik“ wieder entdeckt wurden. Unverstanden allerdings fühlte sich Mendel schon zu Lebzeiten. Seine „Versuche über Pflanzen-Hybriden“ stießen kaum auf Interesse. Von ihm ist der Satz überliefert: „Meine Zeit wird noch kommen!“ Nur 13 von ihm veröffentlichte Artikel sind erhalten, alleine neun beschäftigen sich mit Meteorologie. Mendel war, nachdem er seine Erbsenversuche zwischen 1856 und 1863 abgeschlossen hatte, ein begeisterter Atmosphärenforscher. Unter anderem gelang es ihm am 13. Oktober 1870, einen Tornado in Brünn zu beobachten. Drei Wochen später hielt er einen Vortrag über den Wirbelwind, lange bevor Alfred Wegener eine Luftwirbel-Definition zu Papier brachte, und veröffentlichte seine Erkenntnisse in den „Verhandlungen des naturforschenden Vereines in Brünn“.

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