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Goldrausch in der Sahara : Das gelbe Fieber

  • -Aktualisiert am

Auch wenn der größte Teil der Profite an dubiose Investoren, Milizen und korrupte Beamte geht, bleibt manchen Arbeitern doch genug fürs kleine Wirtschaftswunder in den Dörfern. Bild: Désirée von Trotha

Ein Goldrausch hat die Sahara erfasst: Die Goldsucher riskieren Leben und Gesundheit, die ökologischen Schäden sind irreparabel. Und die Profite gehen an Milizen, kriminelle Netzwerke – und an korrupte Beamte und Politiker.

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          Verwegene Gestalten auf der Suche nach dem Glück. Der Traum vom Gold scheint zum Greifen nah zu sein. In der Sahara wütet ein Fieber, und Horden von Infizierten strömen aus allen Ecken und Enden des afrikanischen Kontinents in die letzten Winkel der größten Wüste der Welt. Sie überfluten die Ebenen, drängen sich in engen Tälern und erklimmen höchste Berge. Es sind Hunderttausende: Nomaden und Sesshafte, Arme und Reiche, die Zentimeter um Zentimeter Boden nach dem Edelmetall durchwühlen. Ganz egal, ob die Sonne sticht, ein eiskalter Wind über die Wüste fegt oder Covid-19 die Welt in Atem hält.

          Was vier Räder und Geländegang hat, ist unterwegs. Fahrzeuge brausen Tausende von Kilometern durch einsame Wüste in noch einsamere Wüste, wo Wasser manchmal so weit entfernt liegt, dass jedes 200-Liter-Fass davon bis zu fünf Gramm Gold kostet. Familien werden verlassen, Häuser und Grundstücke verkauft, letzte Polster eingesetzt, nur um dabei zu sein. Selbst afrikanische Auswanderer, voller Hoffnung, ihre Reisekassen für den Weg nach Europa aufzufüllen, legen Zwischenstopps als Goldarbeiter ein.

          Eine Viertelmillion Glücksritter allein in Mauretanien

          Das gelbe Fieber, wie der Goldrausch in der Sahara von Nomaden genannt wird, begann 2012 in der sudanesischen Darfur-Region, wo die Minen des Dschebel- Amer-Gebirgszugs erste Massen anlockten. Die wurden schnell von Milizen vertrieben oder gerieten unter die Knute der Djandjawid. Bis heute landet der größte Teil des Amer-Goldes in den Taschen ihres Anführers. Das macht Hemetti oder Mohammed Hamdan Daglo, wie der gewaltbereite General (dem Kriegsverbrechen nachgesagt werden) mit vollem Namen heißt, zum reichsten und mächtigsten Mann im Staat.

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          Die Darfur-Vorkommen bewirkten, dass die Nomaden auch in den Nachbarländern nach Gold zu suchen begannen. Mit Erfolg. Bald zogen weite Gebiete im Norden Nigers und Tschads und später auch im Norden Malis und Mauretaniens immer neue Heerscharen an. Momentan soll allein in Mauretanien gut eine Viertelmillion Glücksritter unterwegs sein. Die wenigsten erwerben ordentliche Schürflizenzen. Man begibt sich lieber illegal auf die Suche und spielt mit staatlichen Verfolgern Katz und Maus. In Burkina Faso und im Süden Libyens wird ebenfalls gesucht und trotz drakonischer Abwehrmaßnahmen selbst in Algeriens Grand Sud. Vor allem in den Grenzgebieten graben dort neben Einheimischen auch Malier und Nigrer, die mit Einbruch der Nacht heimlich einreisen und im Morgengrauen wieder verschwinden. Erwischt sie eine Patrouille, wird ihnen bis auf Hemd und Hose alles abgenommen. Es drohen bis zu zehn Jahre Haft. Allerdings sollen algerische Gefängnisse inzwischen so mit Goldsuchern überfüllt sein, dass man in flagranti ergriffene Ausländer ohne Wasser und Brot im Niemandsland aussetzt, sie also im Wortsinn in die Wüste schickt.

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