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Glanzvolle Jahre des Kinos : Once upon a time in Weilmünster

  • -Aktualisiert am

In der Nachkriegszeit versprachen Kinos eine bessere Zukunft. Und Rudi Czech arbeitete mit an der schönen Illusion. Bild: Rumpenhorst, Frank

Rudi Czech kennt noch den alten Glanz der Lichtspielhäuser. Er war Filmplakatemaler im ältesten Kino Hessens und erzählt, wie er nach 1945 die Boomjahre des Kinos in Deutschland erlebte.

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          Bei „Bares für Rares“ wurde neulich eines seiner Werke versteigert. Herr Czech, der in diesem Jahr 94. Geburtstag feiern wird, kann sich nicht mehr genau an den Preis erinnern, den das handgemalte Kinoplakat aus den fünfziger Jahren erzielt hat. 2400 Euro, meint er. „Mehr!“, sagt Herr Schäfer senior, an 2600 kann sich dessen Sohn Schäfer junior noch erinnern. Herrn Czech hingegen, der einst Tausende solche Plakate im Format zwei mal vier Meter gegen Stundenlohn in Kaseintempera auf echtes Nesseltuch gemalt hat, ist das alles recht. Es ist im Grunde nicht zu fassen.

          Wie so vieles in seinem Leben, das ihn von außen betrachtet – oder wie es in der Filmersprache hieße: aus der Totale – durch eine Folge von Glücksfällen zum Beruf des Filmplakatemalers geführt hatte. Obwohl er eigentlich Lehrer werden wollte. Schauen wir näher hin, gehen wir also ins sogenannte Close-up, wird es in der Nachkriegszeit vielen jungen Menschen Anfang 20 so oder so ähnlich wie Rudolf Czech ergangen sein: Man musste halt nehmen, was kommt.

          Busse fahren Weilmünster nur noch selten an

          Wenn in diesen kritischen Tagen die Jahre nach 1945 als Vergleich für eine Zeit des Aufbaus herangezogen werden und sich viele Deutsche nur noch anhand von Fernsehfilmen eine Vorstellung von dieser Zeit machen können, lohnt es sich, einem Protagonisten jener Aufbaujahre zuzuhören. Vor allem, wenn es sich um einen unterhaltsamen Menschen mit filmreifer Lebensgeschichte handelt, die dazu noch viel über die von Hand gestrickten Boomjahre des Kinos in Deutschland erzählt. Auch wenn das hessische Taunusgebirge in punkto Legende nicht an die Hügel von Hollywood heranreichen mag, beginnen wir mit einem „Once upon a time in Weilmünster“.

          Vorführsaal im „Historischen Lichtspielgasthaus Pastori“: Blick ins dienstälteste Kino Hessens.
          Vorführsaal im „Historischen Lichtspielgasthaus Pastori“: Blick ins dienstälteste Kino Hessens. : Bild: Rumpenhorst, Frank

          Hier, in einem zeitgenössischen Anbau des dienst-ältesten Kinos in Hessen, sitzen die Herren Schäfer junior und senior mit Rudi Czech, der gleich nebenan wohnt. Und zwar noch immer in dem Haus, in dem einst seine Eltern Fuß fassen konnten, in der kleinen Gemeinde am Hügel, damals vor allem bekannt für ihre Nervenheilanstalt. Wieso wurde ausgerechnet hier in Weilmünster ein Teil der deutschen Kinogeschichte geschrieben?

          Es liegt an einer Eisenbahnlinie und einem Viadukt über das Tal, also einer Verbindung zur Außenwelt, die es längst nicht mehr gibt. Selbst Busse fahren Weilmünster heute nur selten an. Wie vielerorts in der Provinz geht nichts ohne Individualverkehr. Die Herren Schäfer, mittlerweile Betreiber des Kinos, haben früher, in der Ära fossiler Brennstoffe, ihr Geld mit Autohäusern gemacht. Durch einen Umbau wurde die Gastwirtschaft des 1899 erbauten „Haus Buchholz“ modernisiert und erweitert. Bloß noch im Kinosaal ist ein historischer Hauch zu spüren. Das liegt vor allem an den im Foyer ausgestellten Plakaten von Czech, der in den goldenen Zeiten der deutschen Filmindustrie in einem angegliederten Ateliergebäude malte, das im Zuge des Umbaus abgerissen wurde.

          „Wir kehrten um und wanderten ziellos durch Deutschland“

          Rudi Czech ist zwar Vorsitzender des Heimatvereins von Weilmünster, aber geboren wurde er 1926 in der ehemaligen Tschechoslowakei, im sogenannten Sudetenland. Wie sein Bruder wurde er vor seinem Abitur eingezogen und als Luftwaffenhelfer verwendet. Im Lager für Kriegsgefangene in Bad Kreuznach hatte er zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder Glück, als er dort unter den 180.000 Mitgefangenen seinen Bruder wiederfand. Gemeinsam überstanden sie die Zeit vom Beginn ihrer Gefangenschaft im April 1945 bis zum Tag ihrer Entlassung, dem 1. August im selben Jahr.

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