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Glanzvolle Jahre des Kinos : Once upon a time in Weilmünster

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Da Fritz Buchholz als einziger in der Familie kein Parteimitglied geworden war, wurde er nach dem Abzug der Amerikaner von seinen Geschwistern dazu gedrängt, die Führung des Familienunternehmens zu übernehmen. Ein paar Plakate brachte er mit aus Auerbach, wo er vor dem Ausbruch des Krieges mit seiner Frau schon mal ein Kino betrieben hatte. „Kino war damals der Ort, wo alle hin konnten“, sagt Rudi Czech. „Es gab ja kaum andere Lustbarkeiten. Im Kino konnte man sich für billiges Geld ein bisschen zerstreuen. Und niemand ist auf Kredit ins Kino gegangen. Das war der große Vorteil für die Betreiber.“

Kunststudenten malten seine Plakate

Fritz Buchholz, sein Nachbar in Weilmünster und bald auch schon sein Chef, hatte zudem eine Methode gefunden, diesen Vorteil noch weiter auszubauen, heute würde man sagen: Er hatte sich breit aufgestellt. Noch in den Vorkriegsjahren hatte er eine Firma gegründet, eine Gesellschaft zur Produktion und zum Verleih von Filmplakaten. Die Idee dazu war ihm Anfang der zwanziger Jahre gekommen, als 1923 ein Autorennen von Bad Homburg durch den Taunus veranstaltet worden war. Für dieses Rennen, das auch durch Weilmünster geführt wurde, waren 85 Kilometer Strecke mit Schutzzäunen verkleidet worden.

Die waren an den publikumsträchtigen Stellen mit Bandenwerbung versehen worden. Fritz Buchholz, damals 23 Jahre alt und Hedonist, hatte sich, ohne das hierfür notwendige Geld zu besitzen, einen französischen Sportwagen bestellt, um an dem spektakulären Rennen teilzunehmen. Allerdings kam er noch nicht einmal bis nach Weilmünster, er baute seinen Unfall schon vorher. Sein Wagen, noch nicht bezahlt, war schrottreif. Der Vater wurde für den entstandenen Schaden haftbar gemacht, immerhin 16.000 Mark. Er verstieß seinen Sohn Fritz, den Rudi Czech einen leichten Vogel nennt, aus dem Haus und behielt den Bann bis zu seinem Tod im Jahr 1946 bei. Heimatlos geworden, zog Fritz Buchholz mit einem Wanderkino übers Land. Die strahlenden Gesichter auf den Plakaten der Bandenwerbung entlang seiner Schmach-strecke behielt er im Hinterkopf.

Dann kam der Krieg. Auch Fritz Buchholz wurde eingezogen und überlebte. Bis der unversöhnliche Vater gestorben war und er endlich zurück nach Weilmünster konnte, ließ Buchholz sich in Bensheim-Auerbach nieder, wo er die Kunststudenten aus dem nahen Worms mit billigem Wein bewirtete – und bald auch Plakate für sich malen ließ. Weil andere Kinobesitzer Interesse an seinen Plakaten bekundeten, verlieh er diese gegen Gebühr. Bald hatte er daraus dank der kostengünstig malenden Studenten ein starkes Nebengeschäft entwickelt: Der Filmplakat-verleih war geboren. Weil damals, und nicht nur in der Filmwirtschaft, Abkürzungen in Mode waren: FPV.

Von hier aus nach ganz Deutschland: Die Filmplakate wurden per Zug zu den Lichtspielhäusern gebracht.

In dieser Zeit, in der so gut wie alles möglich war, weil es kaum noch etwas gab, das gegen irgendetwas sprechen konnte, wurde Rudi Czech als Filmplakatemaler angeheuert. Ganz einfach aus Personalmangel. Sein Freund, der Sohn des Bahnhofsvorstehers Loew, hatte schon vor ihm bei Buchholz angefangen. Und auch ein gewisser Herr Löhrke, ehemaliger Soldat, folgte dem Ruf zu den Pinseln. „Komischerweise haben sich die Leute irgendwie zusammengefunden“, sagt Czech.

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