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Gelungene Gartenplanung : Alles zu seiner Zeit

Formale Strenge trifft üppigen Bewuchs: In diesem Garten in Erlangen haben die Planer das abschüssige Gelände in Szene gesetzt. Bild: Gertude Heider

Ein großer Garten unter hohen Bäumen, ein kleiner begrünter Hof inmitten der Stadt - beide haben erst nach Jahren zu ihrer Form gefunden. Dank guter Planung, die herausholt, was in einem Ort und seiner Umgebung steckt.

          5 Min.

          Für den Moment scheint alles erreicht. Wenn Anja Hermann in ihren Garten blickt, sieht sie ein durchkomponiertes Bild: Da ist der langgestreckte Pool mit seinen klaren Konturen und dem angrenzenden Deck aus warmem Holz. Heller Kelheimer Dolomit pflastert Wege, formt Treppen, Mauern und schafft Pflanzterrassen auf dem abschüssigen Gelände. Anderswo zeichnen Bänder aus Cortenstahl die Form der Beete nach, in denen Duftnesseln, Sonnenhut und Prachtkerzen der große Auftritt im Laufe des Jahres noch bevorsteht. Der Lauch wird dann auf langen Stielen seine prächtigen lilablauen Blütenbälle als Farbtupfer zwischen den weiß-cremefarbenen und gelb-grünen Tönen der Gehölze balancieren.

          Birgit Ochs
          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Anja Hermann, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sieht den Bambus, der den Pool vor fremden Blicken schützt, die Efeuwände, die Eiben und die portugiesische Lorbeerkirsche - treue, zuverlässige Begleiter auch im Winter, wenn andere Pflanzen von der Bildfläche verschwunden sind. Für einen Moment könnte man denken, dass der Garten nun vollendet sei. Aber die Erlangenerin muss nicht erst durch die hohen, mehr als vierzig Jahre alten Kiefern der Waldsiedlung daran erinnert werden, dass Gärten wachsen. Langsam und nicht immer vorhersehbar. Was nicht nur an den Pflanzen liegt, die sie bevölkern, sondern auch an den Menschen, die sie gestalten - und verändern.

          Zunächst war es als Spielplatz für den Nachwuchs gedacht

          Vor vierzehn Jahren zogen die Hermanns ins Waldviertel. Zum Haus gehört ein 870 Quadratmeter großer Garten. Für die damals fünfköpfige Familie, zu der bald noch ein viertes Kind hinzukam, war es ein Glücksgriff. Hier hatten sie reichlich Platz und lebten zugleich stadtnah in einer gewachsenen Nachbarschaft. Dass das damals völlig verwilderte Grundstück so wenig einsehbar gewesen sei, hätten sie gleich als besonderen Vorzug empfunden, erzählt Anja Hermann. Die Stadt genehmigte es den neuen Eigentümern, einige der Nadelbäume zu fällen. „Sonst hätte man eher von einem Wald denn von einem Garten sprechen können“, erzählt Hermann. „Die Bäume gehören andererseits aber dazu, sie prägen die ganze Siedlung.“

          Schon damals engagierte die Familie eine Landschaftsarchitektin, um das Grundstück zu gestalten. Aber eine Vorstellung, wie ihr Garten aussehen sollte, hätten sie eigentlich nicht gehabt, sagt die Erlangenerin im Rückblick. Man pflanzte einige Sträucher, Büsche und Rosen. Das Übliche eben. „An ausdrucksstarke Staudenbeete habe ich gar nicht gedacht“, sagt die Gartenbesitzerin. Dafür gab es dort, wo heute der Grillplatz liegt, einen riesigen Sandplatz für die Kinder. Hauptsache, die konnten sich richtig austoben. „Dafür war der Garten in erster Linie da“, sagt Hermann.

          „Irgendwann aber verschieben sich die Prioritäten“, weiß auch Manon Scholtissek aus eigener Erfahrung. Anfang der neunziger Jahre hatten die Landschaftsarchitektin und ihr Mann Andreas, der ebenfalls vom Fach ist, ein kleines Fachwerkensemble im Herzen von Eltville im Rheingau gekauft. Auch ihr im Vergleich zum Hermannschen Anwesen sehr kleiner Hof mit seinen 75 Quadratmetern diente damals vor allem als Kinderspielplatz. Den Boden hatte das Planerehepaar der Einfachheit halber mit Kies aufgefüllt. Im Hof stand ein Walnussbaum. Und auch Scholtisseks pflanzten Bambus als Sichtschutz (selbstverständlich mit einer sogenannten Rhizomsperre, damit er nicht ungebremst wächst) und ließen es, was die Gestaltung anging, damit für einige Jahre gut sein.

          Im Zeichen des Bambus

          Als das Ehepaar dann aber in einem kleinen Nebengebäude des Grundstücks sein eigenes Büro eröffnet, nutzt es die Gelegenheit, den Hof, zu dem noch eine 20 Quadratmeter große Terrasse und ein 15 Quadratmeter großer Balkon gehören, in eine Oase zu verwandeln. „Je kleiner die Gartenfläche, desto wichtiger ist ein ganzheitliches Konzept und die konsequente Durchführung der Idee bis ins kleinste Detail“, stellt Manon Scholtissek klar. Gerade die Einschränkungen, die sich aus der innerstädtischen Lage ergeben, empfanden die Planer als Ansporn. „Blickbeziehungen zwischen den Gebäuden, Mauern, Lage - wer im innerstädtischen Umfeld plant, muss auf viele Gegebenheiten Rücksicht nehmen. Das aber macht die Sache eigentlich erst spannend und führt zu einem individuellen Ergebnis“, formuliert die Landschaftsarchitektin. Bei einem Stadtgarten dient das Umfeld als Kulisse und bestimmt somit zum großen Teil die Atmosphäre. „Das muss man erkennen und entsprechend nutzen“, sagt die Planungsfachfrau.

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