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Alexandra Cousteau im Gespräch : Können wir das Meer noch retten?

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Tauchen – hier vor den Philippinen – konnte sie bereits mit sieben Jahren. Heute verzichtet Alexandra Cousteau meist lieber darauf, weil sie den Anblick toter Meeresböden nicht erträgt. Bild: Danny Ocampo / Oceana

Alexandra Cousteaus Großvater drehte spektakuläre Filme über die Schönheit der Ozeane. Nun tut die Französin selbst alles für den Schutz der Meere. Im Interview spricht sie über ihre Stiftung, „unfassbar bescheuerte“ Menschen – und größere Gefahren als „nur“ Plastik.

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          Das Interesse am Meer hat Alexandra Cousteau geerbt: Ihr Großvater Jacques-Yves Cousteau war ein weltweit bekannter französischer Meeresforscher, dessen spektakuläre Filme die überwältigende Schönheit der Ozeane der Öffentlichkeit nahebrachten. Seine Enkelin konnte schwimmen, bevor sie lief, ihr Großvater brachte ihr mit sieben das Tauchen bei. Sie studierte International Relations an der Georgetown University und trägt zwei Ehrendoktortitel. Die Mutter zweier Kinder wurde als Young Global Leader beim Weltwirtschaftsforum in Davos ausgezeichnet und engagiert sich seit Jahrzehnten für den Schutz der Meere.

          War es als Enkeltochter von Jacques-Yves Cousteau eine Verpflichtung, eine Tradition oder eine bewusste Entscheidung, Meeresaktivistin zu werden?

          Im Herzen war ich immer schon Aktivistin, das ist meine Natur. Bei meiner ersten Expedition zu den Osterinseln war ich drei Monate alt, seitdem hat dieser Weg für mich nie aufgehört. Meine Eltern pendelten mit uns zwischen L.A. und Paris, den beiden Basisstationen meines Großvaters. Seit 30 Jahren halte ich öffentliche Vorträge, berate und arbeite mit einflussreichen Organisationen wie Oceana und habe eigene Projekte in die Wege geleitet.

          Worauf konzentrieren Sie sich heute?

          Unsere Ozeane sind nicht die gleichen wie zu Zeiten meines Großvaters. Die weltweiten Fangquoten für die Fischerei und die Verhinderung von Beifang sowie die Erweiterung der Schutzzonen sind wichtige Themen. Wenn allein die EU und 28 weitere Länder etwas verändern würden, könnten wir schon jubeln – das beträfe 90 Prozent des globalen Fischfangs!

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          Was setzen Sie dem Thema Überfischung entgegen?

          Die Regierungen entscheiden nicht nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten, sie geben dem Druck der Wirtschaft nach. Aber das führt zu großen Problemen. Mit Oceana sammeln wir weltweit so viel wissenschaftliches Basismaterial wie möglich. Es geht nicht darum, Fischfang zu verbieten, Wildfisch hat einen phantastischen CO2-Fußabdruck, und die Nährwerte sind grandios. Die Meere müssen so geschützt werden, dass weiterhin Fischfang überhaupt möglich ist. Dafür muss man viele Leute an den Tisch kriegen, von Universitäten über Konzernlenker bis hin zu kleinen Gemeinden in Küstennähe.

          Welche Auswirkungen hat die globale Fischpraxis auf uns als Konsumenten?

          Dem Konsumenten wird teilweise schlechtester Fisch untergejubelt. Was die Leute als teuren Red Snapper kaufen, ist oft nur Tilapia, ein Buntbarsch. Billiger Zuchtlachs aus schrecklichen Haltungsbedingungen wird als teurer Wildlachs verkauft ...

          Was sind das für Haltungsbedingungen?

          Bei den besten Züchtern sterben etwa zwei Prozent der Fische, etwa genauso viele wie in der freien Natur. Bei miesen Züchtern sind es bis zu 40 Prozent. Möchten Sie Fische dieser Zucht essen? Der Industrie bringt das unglaubliche Gewinne ein. Und der Fisch, der bei uns im Supermarkt landet, ist oft genug auch illegal gefangen.

          Was fordern Sie?

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