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Alexandra Cousteau im Gespräch : Können wir das Meer noch retten?

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Man sollte die Lieferketten zurückverfolgen können. Mit Scancodes ist das einfach möglich. Manche Supermärkte bieten das schon an, auf diese Angebote sollte man zurückgreifen. Nur so können illegale Fischflotten bekämpft werden. Die Öffentlichkeit ist unser wichtigster Partner, das bedeutet, dass jeder uns bei diesem Kampf unterstützen kann.

Kürzlich hieß es, 2050 soll es mehr Plastik als Fische im Meer geben.

Das Meer hat deutlich größere Probleme als „nur“ Plastik. Wenn das Thema Menschen dazu bringt, etwas zu ändern, wunderbar! Aber auch ohne Plastik sterben die Ozeane: Überfischung, Zerstörung, Klimawandel und die Veränderung der Ozeanchemie sind leider nicht so gut sichtbar wie Plastikflaschen.

Was will Ihre neugegründete Stiftung und Kampagne „Oceans 2050“?

Unsere These ist, dass mit den richtigen Maßnahmen in 30 Jahren die Meere nicht nur gesunden, sondern zu ihrer originären Vielfalt und Fülle zurückfinden können. Ich möchte meinen Kindern nicht erzählen, was wir einst alles hatten und verloren haben. Sondern wie wir den einstigen Überfluss wiederherstellen konnten. Sonst hat die nächste Generation der Cousteaus nur noch die Aufgabe, den Nachruf auf die Meere ihres Urgroßvaters zu schreiben.

Wie wollen Sie den Urzustand wiederherstellen?

Die Artenfülle ließe sich wiederherstellen durch die Aufforstung der natürlichen Unterwasserwälder, Korallenriffe und Mangrovenwälder. Seegras und Kelp könnten in einer regenerativen Aquakultur angebaut werden, fast wie beim Ackerbau, nach dem Prinzip der Permakultur. Und das sind nur einige von vielen Optionen. Nachhaltigkeit reicht längst nicht mehr aus! Das Wort besagt, dass wir uns einschränken müssen, um nicht noch mehr zu verlieren. Wir müssen das Prinzip der Nachhaltigkeit durch das Prinzip der Wiederherstellung ersetzen.

Alexandra Cousteau wirft einen Spinnerhai zurück ins Wasser, der auf einem Forschungsschiff vor der Küste Alabamas zuvor mit einem Chip getaggt worden ist.
Alexandra Cousteau wirft einen Spinnerhai zurück ins Wasser, der auf einem Forschungsschiff vor der Küste Alabamas zuvor mit einem Chip getaggt worden ist. : Bild: Oscar Durand / Blue Legacy

Was schlagen Sie vor?

Bei „Oceans 2050“ werden Technologie und Innovation eine wichtige Rolle spielen. Man könnte Fischereiflotten digital koordinieren, um Überfischung zu vermeiden, Korallenriff-Strukturen lassen sich bald am 3D-Drucker aus Calciumcarbonat herstellen und im Meer mit lebenden Korallen bestücken. Die Aufforstung von Seegras, Mangroven, Seetang, Kelp und Algen ist das Dringlichste. Ein Beispiel: Hotels reißen die Algen aus, weil Touristen keine Algen im Wasser wollen. Das aber hat massive Folgen, denn diese sind die „Kinderstuben“ der Meeresfauna und bremsen zudem bis zu 90 Prozent der Wellenenergie. Strände entstehen unter anderem, weil Fische Korallen fressen und Sand ausscheiden. Fehlen die Algen, hat der Sand keinen Anker mehr. Dann wundern sich die Hotels, wenn die Strände schwinden! Aber es ist erstaunlich einfach, Algen in Algenfarmen anzubauen, und sie sind phantastisch fürs Klima, sie ziehen Kohlenstoff aus der Atmosphäre und bringen mehr Sauerstoff ins Wasser, was wiederum dem Fischbestand hilft. Das alles ist möglich, wir müssen es nur in gigantischen Dimensionen tun. Wir wollen nicht knappe Güter umverteilen oder jemandem etwas wegnehmen. Wir wollen dafür sorgen, dass einfach mehr für alle da ist.

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