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Gartengestaltung : Ganz großer Budenzauber

Für dieses gläserne Luxusgartenzimmer „360“ braucht man Geld und ein Grundstück mit perfektem Ausblick nach allen Seiten. Bild: Glas Marte

Größer, edler, teurer: Am Gartenhaus wird nicht gespart. Gleich, ob seine Besitzer es als Schuppen oder Lounge nutzen. Wir stellen Ihnen einige Modelle vor.

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          Im Garten wird aufgerüstet. Nicht bloß was die computervernetzten High-Tech-Werkzeuge anbelangt. Auch am Gartenhaus ist nur noch wenig einfach. Offenbar sind die Zeiten vorbei, in denen es ein kleiner, zusammengezimmerter Verschlag für die Gerätschaften oder eine liebevoll improvisierte Laube für romantische Stunden tat. „Gartenhäuser sind heute Eyecatcher, die man nicht mehr in einer Ecke versteckt“, sagt Jack Baschton. Für die Fabrikate seines Unternehmens, das den programmatischen Namen „Gartenhauptdarsteller“ trägt, kann das selbstredend nicht anders sein.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch Baschton ist mit dieser Einschätzung nicht allein. Hört man sich in der Branche um, dann heißt es: Jenseits des Baumarktangebots wird die Kundschaft immer anspruchsvoller und inszeniert ihren Garten aufwendig. Selbst ein Gerätehäuschen muss vorzeigbar sein, sagt Andrea Krautter von der Fellbacher Metall- und Holzbau GmbH (FMH). Dass die Nachfrage steigt, hat ihrer Ansicht nach einen einfachen Grund: Vielen Neubauten fehlt Abstellfläche. Doch all die vielen Gerätschaften müssen verstaut werden, und das nicht irgendwo, sondern - im Fall von FMH - in individuell gefertigten Stahlkuben oder einer Stahl-Holz-Kombination, die jahrzehntelang halten soll.

          Architektur, Qualität und Ausstattung

          „Die puristische Form ist in“, hat Krautter beobachtet. Auch andere Anbieter wie Hummel Blockhaus sprechen vom Trend zur klaren Linie. „Das Gartenhäuschen muss zum Wohnhaus passen, da machen die Kunden heute weniger Kompromisse“, berichtet Geschäftsführer Josef Hummel. Der Bau wird immer mehr zum Bindeglied zwischen Haus und Garten. Denn das Gartenhaus ist längst mehr als nur ein praktischer Zweckbau, in dem man Werkzeug, Gartenmobiliar und Torfballen verstaut. Zunehmend errichten sich Gartenbesitzer ein Minihaus, um ihren Wohnraum zu erweitern.

          Gerade auf diesem Gebiet „haben wir in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung erlebt“, heißt es bei „Gartenhauptdarsteller“. Selbständige nutzen den Bau als Büro, für Treffen mit Geschäftspartnern oder zum Kundenempfang, berichten die Hersteller. Vor allem als ausgelagertes Wohnzimmer oder als Wellnessobjekt mit Sauna und Whirlpool sind Gartenhäuser gefragt. Entsprechend viel Wert legen die Käufer neuerdings auf Architektur, Qualität und Ausstattung. Galt früher der Pool im Garten als Luxus pur, gesellt sich heute oft noch ein architektonischer Edelkleinbau mit Kamin hinzu und droht in manchem Fall dem Wohnhaus die Show zu stehlen.

          Kreuzung zwischen Outdoor-Schrank und Schutzhüttchen

          Darauf legt es ganz eindeutig der stützenlose Glas-Pavillon „360“ des österreichischen Herstellers Glas Marte an. Der rundum transparente Baukörper müsse 36 Quadratmeter messen, damit man sich darin in einer kleinen Gruppe wohl fühle, mindestens, sagt Glas Marte-Geschäftsführer Bernhard Feigl. Der Pavillon zelebriert die hohe Kunst der Leichtigkeit, denn tatsächlich ist er ein ausgetüfteltes Bauwerk, das den dahinter- steckenden technischen Aufwand aber geschickt verbirgt. Das hat seinen Preis. Ob er über den reden müsse, will Feigl wissen und spricht dann doch von etwa 60.000 Euro - und mehr. In diese Preisregion sei auch schon mancher Kunde von FMH vorgestoßen, berichtet Andrea Krautter. „Insgesamt lassen sich die Käufer das Gartenhaus mehr kosten“, sagt sie. Und Josef Hummel nennt einen Basispreis von 1000 Euro je Quadratmeter.

          Die Gebäude legen nicht nur preislich zu, sie werden - was in unmittelbarem Zusammenhang steht - auch größer. Vor zehn Jahren habe sich der Durchschnittskunde noch mit zirka 16 Quadratmetern beschieden, erinnert man sich bei Hummel Blockhaus, heute müssten es schon 25 Quadratmeter sein. Die misst das nicht mehr ganz neue, aber immer noch eigenwilligste Modell unter den Gartenhäusern nicht. „Walden“ von Nils Holger Moormann ist eigentlich eher Objekt denn Haus. Exakt 6,5 Meter lang und nur 1,10 Meter tief, ist es mit seinen Öffnungen, Fächern und Modulen eine Kreuzung zwischen Outdoor-Schrank und Schutzhüttchen. Raffiniert nutzt Moormann aber die Raumhöhe von knapp 4 Metern. Platz in der Höhe zu gewinnen, ist im Wohnungsbau wieder angesagt. Vielleicht setzt sich das demnächst auch im Garten durch.

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