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Früherer Puma-Chef Jochen Zeitz : Der Alphawolf und sein Traum vom Ökotourismus

  • -Aktualisiert am

Vom Sportartikel-Manager zum Ökotourismus-Stifter: Jochen Zeitz. Bild: Frank Röth

Jochen Zeitz brachte den angeschlagenen Konzern Puma auf Kurs. Heute will er die Erde bewahren und zertifiziert mit seiner Stiftung Luxuslodges mit Ökoanspruch.

          Luxuriöse Träume von Afrika sehen genau so aus: im Hintergrund ein majestätischer Berg, davor eine Landschaft, die dem Paradies gleicht, mit Elefantenherden - und sieben exklusiven Pavillons auf Stelzen. Segera heißt dieser Luxustraum, am Fuße des Mount Kenia ist er wahr geworden. Das Retreat gehört dem ehemaligen Puma-Chef Jochen Zeitz, der dort Gäste beherbergt, aber auch seine eigene Afrika-Sehnsucht stillt. Die Hälfte des Jahres verbringt der 50-Jährige dort.

          Ein Alphawolf in der Abgeschiedenheit des Laikipia-Plateaus? Zeitz wiegelt ab. Das Bild vom knallharten Manager sei doch ein Klischee. Vor fast zwei Jahrzehnten brachte Jochen Zeitz - damals gerade 30 Jahre alt - den angeschlagenen Konzern Puma wieder auf Erfolgskurs. Heute ist er noch Verwaltungsratsvorsitzender bei Puma, aber nicht mehr Chef. Stattdessen will er die Erde bewahren.

          Ein Modellprojekt für Nachhaltigkeit

          Eigentlich wollten wir Zeitz in Kenia treffen, aber dann musste er nach Paris, und so wird aus dem Treffen ein langes Telefonat, in dem Zeitz mit sachlicher Stimme und emotionaler Sprache für seine Ideen wirbt. 2009 gründete er eine Umweltstiftung, die seinen Namen trägt und dazu den Anhang: „For International Ecosphere Safety“. Eine Stiftung zur Bewahrung der Ökosphäre weltweit also. Das ist ein gewaltiger Titel, mit dem man sich leicht verheben kann. Zur Erläuterung gibt es Sätze wie: „Die Ökonomie der Zukunft braucht eine hohe soziale und ökologische Kompetenz.“ Früher hätten das nur die Grünen und die Ökos gesagt und wären dafür verlacht worden. Doch auf die Ökobank will Zeitz keinesfalls gesetzt werden. „Ökologie interessiert mich nicht nur aus humanen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen“, sagt er. Ihn interessiere: Wie können Unternehmen noch produzieren, wenn wir kein Wasser oder keine saubere Luft mehr zur Verfügung haben?

          Die Zeitz-Stiftung hat ihren Sitz in Nairobi, und an der Sicherung der Ökosphäre arbeiten dort fünf Leute, weitere neun auf Zeitz’ Ranch Segera. Diese ist inzwischen zu einem Modellprojekt für Nachhaltigkeit geworden. Wie hoch der vom Gründer gespendete Stiftungsanteil ist, gibt die Stiftung nicht preis. 2011 betrug das Stiftungskapital 600 000 Euro. Dazu beigetragen haben Privatspender, Organisationen und die deutsche Botschaft in Kenia.

          Die Bevölkerung in die Projekte einbinden

          Um die gestörte Beziehung zwischen Mensch und Natur zu heilen, setzt Zeitz auf einen Domino-Effekt. Einer fängt an, begeistert andere. „The Long Run“ nennt er das. Damit sollen Massen bewegt, Veränderungen herbeigeführt und die Welt schließlich in einen intakteren Ort verwandelt werden. Unterstützt wird Zeitz zum Beispiel von der Designerin Vivienne Westwood, dem Sportler Usain Bolt und von anderen Unternehmen, die in Nachhaltigkeit investieren. Was konkret bedeutet: In Luxusresorts mit Ökoanspruch, die „Ecosphere Resorts“. Sie sind das Flaggschiff der Stiftung. Aufgenommen in die Liste wird nur, wer deren Leitlinien erfüllt: Natur- und Umweltschutz, Stärkung der Gemeinschaft, Erhalt der kulturellen Werte und wirtschaftliches Handeln.

          Zehn Häuser haben es bislang geschafft, die Zertifizierung zu erhalten, allesamt in hochpreisigen Regionen angesiedelt. Das Interesse ist nach Auskunft der Stiftung groß, nicht jeder, der wolle, dürfe sich mit dem Label schmücken. „Der Prozess der Zertifizierung ist rigoros“, sagt Stiftungsdirektorin Liz Rihoy.

          Arbeitsplätze für Menschen geschaffen, lokale Traditionen bewahrt und den Artenschutz unterstützt zu haben - es gibt viele Erfolge, die sich die Ökolodges auf ihre Fahnen schreiben. Dazu gehört auch die Wiederverwertung von Materialien. Die Luxusresort-Kette Six Sense zum Beispiel hat eine Lodge, die aus alten Holzpaneelen gebaut wurde. Andere Projekte binden die Bevölkerung ein, wie die Bulungula Lodge in Südafrika, die von den lokalen Xhosa geleitet wird. Sie sind auch Miteigentümer. Oder das Damaraland Camp in Namibia, in dem ein Ziegenhirte zum Management gehört.

          „Endlichkeit der natürlichen Ressourcen berücksichtigen“

          Selten sind Ökolodges zum Budget-Preis zu haben, Nachhaltigkeit kostet eben. Und die Bereitstellung ökologischer Rahmenbedingungen an entlegenen Orten steht nicht immer im Verhältnis zum Ergebnis. Manchmal sind die Kosten hoch, der Nutzen für die Umwelt aber eher gering. Wie viel Augenwischerei bisweilen mit dem schon abgegriffenen Begriff der Nachhaltigkeit betrieben wird, zeigt einer der Werbesprüche des Unternehmens Wilderness Safaris: „Wir verstehen uns zuerst und am allermeisten als ein Unternehmen zur Bewahrung“, heißt es. Das ist natürlich Unsinn, adelt aber den Safari-Tourismus zur guten Tat.

          Zeitz sieht im nachhaltigen Tourismus dennoch das einzig zukunftsfähige Konzept. „Ein Geschäftsmodell, ob es nun das eines Tourismusunternehmens oder das eines Industriekonzerns ist, kann nur dann langfristig Erfolg haben, wenn die Knappheit und Endlichkeit der natürlichen Ressourcen berücksichtigt und in die Wirtschaftsprozesse integriert werden.“ Dafür aber braucht es individuelle Verantwortung. Jeder, so sein Appell, soll einen Beitrag leisten, nicht nur persönliche Ziele, sondern auch soziale und umweltbewahrende zu erreichen. „Dann wird die Welt ohne Zweifel eine bessere werden.“

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