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Fotograf Wolfgang Volz : In Christos Mission

Seine Bilder geben den Werken des Verpackungskünstlers Dauer: Der Fotograf Wolfgang Volz ist das Auge Christos – auch bei seinem neuen Projekt am Lago d’Iseo.

          Ursprünglich dachte Wolfgang Volz, eines Tages Architekt zu werden. Oder Rockmusiker. In beiden Disziplinen hatte er schon einiges vorzuweisen, als er einen befreundeten Fotografen bat, Bilder von einem seiner Hausmodelle aufzunehmen. Damit wollte er sich probehalber an einer Hochschule bewerben. Doch als er den Freund in dessen Dunkelkammer begleitete, änderte sich sein Lebensentwurf in einem Augenblick.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Zart schälten sich im roten Licht des Labors die ersten Schemen aus dem weißen Bogen des Fotopapiers, und Wolfgang Volz wusste: Das will ich fortan immer wieder erleben. Wer je in einer Dunkelkammer zugeschaut hat, wie in der Wanne des Entwicklerbads auf fast magische Weise ein Bild erscheint, wie es sich entwickelt, buchstäblich, allmählich kontrastreicher wird und Gestalt annimmt, vom ersten gespenstischen Hauch zur fertigen Fotografie, kann ihn gut verstehen.

          Bilder, in denen man spazieren geht

          Wolfgang Volz schnappte sich einen Fotoapparat, kaufte zwei Schwarzweißfilme und zog los. Die Aufnahmen machte er mit Bedacht. Hier ein Bild, da ein Bild, die Motive waren ihm so wertvoll wie das Material. Dann brachte er die Aufnahmen zur Post. Ein Bündel schickte er an die staatliche Lehranstalt für Film und Fotografie in München, ein zweites an die Folkwangschule in Essen. Beide nahmen ihn an. Er entschied sich für Essen, belegte Kurse bei Otto Steinert und machte, nach einer „Uneinigkeit“ mit dem Meister, sein Examen bei Erich vom Endt. Das ist jetzt mehr als 45 Jahre her.

          Heute ist Wolfgang Volz ein berühmter Fotograf. Die Dunkelkammer betritt er kaum noch, dafür hat er sich einen Drucker ins Haus gestellt, mit dem er wandfüllende Abzüge herstellen kann. Bilder, in denen man als Betrachter spazieren geht, in denen man sich verliert und vor denen man alles um sich herum vergisst.

          Denken groß: Wolfgang Volz (links) und Christo.

          Auf den meisten dieser Abzüge sind Arbeiten von Christo und Jeanne-Claude zu sehen: Tausende Schirme vor der Küste Kaliforniens, ein schier endlos langer Zaun aus Stoff, mitten durch eine Wüste gespannt, eine Schlucht, zugehängt mit einem Vorhang, Inselchen, um die herum rosa Gewebe im Wasser treibt, Tore in einem Park, ein goldener Gehweg in Kansas City und vorsichtig ummantelte Bäume. Wo immer, was immer, wann immer Christo und Jeanne-Claude einen ihrer Einfälle verwirklicht haben – Wolfgang Volz hat ihn in seinen Fotografien festgehalten und damit über dessen kurze Lebensdauer von zwei, drei Wochen gerettet. Länger hatte kaum eine der Verpackungen und Verfremdungen Bestand. An Christo zu denken heißt deshalb, Bilder von Wolfgang Volz wachzurufen.

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          Dabei hat er sich nie als Hoffotograf von Christo und Jeanne-Claude verstanden. Er habe nie für sie, sondern stets mit ihnen gearbeitet, sagt Volz. Er ist Künstler in fremder Mission, so könnte man sagen, mit einer eigenen Vision. „Die Arbeit ist vielschichtig“, sagt er, und es wird nicht ganz deutlich, ob er die vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten des Werks von Christo und Jeanne-Claude meint oder die vielen handwerklichen Ansprüche, die an ihn und seine Arbeit gestellt werden.

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          Schon ein halbes Menschenleben lang sucht er mit Christo – und bis zu deren Tod auch dessen Frau – nach geeigneten Orten für deren Werke. Er hilft, die immensen Arbeiten der Vorbereitung und des Aufbaus zu koordinieren, besorgt Material, vergleicht Angebote von Bauunternehmen, wählt Mitarbeiter aus und regiert am Ende über das Geschehen. Mal erhält er dafür den Titel des Projektmanagers, mal des Projektdirektors. Vor allem jedoch fotografiert er – permanent, so muss man meinen. Er macht die Aufnahmen der in Frage kommenden Orte, die den Künstlern als Grundlage für ihre Skizzen und Entwürfe dienen. Er dokumentiert die Entstehung der Plastiken, von den ersten Verhandlungen mit Bürgern, Politikern und Grundstückseigentümern bis zum Festzurren des letzten Seils. Und er interpretiert die Kunstwerke. Aus allen Perspektiven. Zu allen Tages- und Nachtzeiten. In Farbe und in Schwarzweiß. Im klassischen Format und in den Proportionen des schier endlos weiten Panoramablicks.

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