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Ende von Segway : Verkehrsmittel, die auch weg können

  • Aktualisiert am

Ist Geschichte: der Segway Bild: Getty

Die Firma Segway stellt die Produktion ihrer Zweiräder ein. Unsere Autoren wünschen dieses Schicksal auch anderen Verkehrsmitteln – zum Beispiel der Tram, dem E-Roller und den Inlineskates. Ein paar persönliche Problemfälle.

          6 Min.

          Das Bedauern hielt sich in Grenzen, als die Firma Segway jetzt bekanntgab, die Produktion ihrer gleichnamigen Stehroller einzustellen. Populär sind die Gefährte nie geworden, die mit ihrer Haltestange zwischen zwei nebeneinander montierten Rädern aussehen wie nur halb fertiggebaut. Wenn man jemanden auf diesen Dingern gesehen hat, dann waren es meist Touristengruppen, die brav hintereinanderher zockelten wie die Waggons einer Spielzeugeisenbahn. Nein, wir werden es ertragen, wenn die Segways nun bald aus dem Stadtbild verschwinden. Andere Verkehrsmittel hingegen bleiben, obwohl wir auch auf sie getrost verzichten könnten – und damit meinen wir nicht die üblichen Elektro-Tretroller und SUVs.

          Die Tram

          Während meines Studiums in München wäre ich einmal fast zu spät zu einem Referat gekommen. Die Straßenbahn – oder Tram, wie man sie in Bayern nennt – war auf halbem Weg durch die engen Straßen im Lehel stehen geblieben. Ein SUV-Fahrer (natürlich) hatte seinen Wagen so ungünstig geparkt, dass die Tram nicht vorbeikam. Das Klingeln des Fahrers nützte nichts, der rücksichtslose Einparker war nicht aufzutreiben. Endstation für die Tram, Sporteinheit für mich: Die restlichen zwei Kilometer legte ich im Laufschritt zurück, das Referat hielt ich mit roten Flecken im Gesicht und Schweißflecken unter den Achseln.

          Vereint die Nachteile von U-Bahnen und Bussen auf sich: die Tram
          Vereint die Nachteile von U-Bahnen und Bussen auf sich: die Tram : Bild: Reuters

          Die Straßenbahn vereint die Nachteile von U-Bahnen und Bussen auf sich: Signal- und Weichenstörungen halten sie genauso auf wie starker Verkehr und Unfälle auf der Strecke – wobei der Bus bei Letzteren immerhin einen Umweg fahren kann. Wo die Schienen in der Mitte der Straße verlaufen, legt die haltende Straßenbahn wiederum den restlichen Verkehr lahm, bei einspurigen Straßen werden die Schienen zur Falle für Radfahrer. Nachts weckt ihr Rumpeln die Anwohner. Straßenbahn-Fans sagen: Die Tram ist nachhaltig. Stimmt, sage ich: Schlägt mir die ÖPNV-App die Straßenbahn vor, nehme ich inzwischen das Rad.

          Julia Anton

          Das Motorrad

          Ich gebe zu, ich habe auch mal auf einem gesessen. Und: ja, ich fand es toll. Damals war ich noch an der Uni und interessierte mich für einen Architekturstudenten. Bei einem unserer ersten Dates holte er mich mit seiner Motocrossmaschine von zu Hause ab. Ich fühlte mich wie im Film: wie er da so vor der Tür stand, mir einen Helm gab, ich mich hintendrauf setzte und wir, während ich die Arme um ihn schlang, über die Landstraßen fuhren, den Wind im Gesicht . . . Jetzt bin ich ein paar Jahrzehnte älter, Mutter von zwei Töchtern und sehe das Thema Motorrad ähnlich humorlos wie meine Eltern damals.

          Das Motorrad: Gibt es keine andere Möglichkeit, seine Männlichkeit zu beweisen?
          Das Motorrad: Gibt es keine andere Möglichkeit, seine Männlichkeit zu beweisen? : Bild: dpa

          Bei der Vorstellung, eine meiner Töchter wäre als Fahrerin oder Beifahrerin mit dem Motorrad unterwegs, läuft ein innerer Film bei mir ab: Bei 180 km/h verlieren sie die Kontrolle in der Kurve, schleifen ungeschützt über den Asphalt, und was bleibt, ist ein Holzkreuz, an das ich regelmäßig Blumen lege. Außer der romantischen Erinnerung an den Architekturstudenten kann ich Motorrädern nichts mehr abgewinnen. Auch wenn sie durch die Stadt heizen und beim Überholen mit einem Höllenlärm noch mal richtig aufdrehen, denke ich nur: Gibt es keine andere Möglichkeit, seine Männlichkeit zu beweisen?

          Anke Schipp

          Die Rikscha

          Natürlich reden wir hier nicht von der fernöstlichen Urform der Rikscha, bei der ein barfüßiger Laufbursche einen höhergestellten Fahrgast durch die Straßen zieht, sondern von der Velotaxi genannten Fahrrad-Variante, bei der beide sitzen. Das Grundprinzip aber ist geblieben: Einer lehnt sich zurück, der andere strampelt. Selbstverständlich ist so unser gesamtes kapitalistisches System aufgebaut, aber den Armen und Ausgebeuteten in den Schlachthäusern müssen wir wenigstens nicht dabei zusehen, wie sie sich die Gesundheit ruinieren – während wir dem Rikschafahrer permanent auf den gekrümmten Rücken starren. Und wenn es wenigstens richtiger Luxus wäre, den man sich da leistete!

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