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Einrichtung fürs Kinderzimmer : Besser klug geplant als perfekt durchgestylt

  • -Aktualisiert am

Platzsparendes Mobiliar zahlt sich aus. Bild: Picture Press/Jeanette Schaun

Kinder brauchen ihr eigenes Reich. Doch so groß und bunt, wie die Werbung uns weismachen will, muss es nicht sein.

          Kaum war das Baby unterwegs, prasselte es auf die werdenden Eltern ein. Möbelkataloge, Farbvorschläge, Gestaltungsideen wurden angeschleppt – und fast jeder Besuch brachte auch gutgemeinte Ratschläge zur künftigen Raumaufteilung der Dreizimmerwohnung mit. Bis dahin lebte das junge Ehepaar in der kleinen Hamburger Wohnung klassisch: großes Wohnzimmer, etwas kleineres Schlafzimmer, und der kleinste Raum des 60er-Jahre-Baus - im Grundriss als Kinderzimmer bezeichnet -, wurde als Arbeitszimmer genutzt. Das sei nun nicht mehr angemessen, so die fast einhellige Meinung von Freunden und Verwandten. Die Eltern sollten ihr Schlafzimmer räumen.

          Der Umgang mit den Wohnbedürfnissen von Kindern hat sich geändert. Noch bis Ende des vergangenen Jahrhunderts standen bei der Einrichtung von Wohnungen fast allein die Wünsche der Eltern im Vordergrund. Kinder bekamen nicht nur die kleinsten Zimmer, diese wurden oftmals auch mit Möbeln ausgestattet, die andernorts aussortiert wurden. Inzwischen jedoch geht die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung.

          Zwar werden im normalen Wohnungsbau die Grundrisse auch heute noch größtenteils nach Schema F geplant. Immer mehr Eltern verzichten jedoch nicht nur auf Raum, sie investieren auch sonst viel in das wohnliche Wohlbefinden ihres Nachwuchses. „Manchmal könnte man meinen, die Einrichtung eines Kinderzimmers ist ein Wettbewerb“, wunderte sich nicht nur die werdende Mutter in Hamburg.

          Diese Einschätzung drängt sich auch auf, wenn man die einschlägigen Einrichtungszeitschriften und Werbekataloge studiert. Kaum eine Abbildung dort, auf der das Kinderzimmer nicht als Gesamtkunstwerk erscheint. Von der Bettwäsche über die Vorhänge bis zur Wandgestaltung und Dekoration alles aufeinander abgestimmt und kindgerecht - also vor allem bunt und niedlich.

          Lieber alle gemeinsam statt jeder für sich

          Eine Entwicklung, die von Wohn- und Kinderpsychologen allerdings bestenfalls mit gemischten Gefühlen betrachtet wird. Was viele Fachleute daran stört, bringt Jens Wendland auf den Punkt. Der Mitinhaber des Düsseldorfer Innenarchitektur-Büros „raumkontor“ plant seit mehr als zwanzig Jahren schwerpunktmäßig Wohnungen. Seine Kritik: Viele Gestaltungsideen für den Nachwuchs gehen davon aus, „dass Kinder sozusagen eine andere Sorte Mensch sind“, dass sie also tatsächlich ganz andere Bedürfnisse an Wohnen haben als ihre Eltern.

          Immer wieder, erzählt Wendland, komme er in Häuser oder Wohnungen, die insgesamt durchaus stilvoll und zurückhaltend gestaltet sind. „Aber im Kinderzimmer ist alles schrill und bunt.“ Dabei bestreitet der Innenarchitekt nicht, dass Kinder eigene Bedürfnisse haben und natürlich Bewegungsmöglichkeiten und Rückzugsmöglichkeiten brauchen. Aus seiner Sicht ist dies aber letztlich ein Bedürfnis, das alle Menschen haben. Die Aufgabe ist demnach nicht, größere und buntere Kinderzimmer zu gestalten, sondern intelligente Wohnkonzepte für alle Familienmitglieder zu finden.

          Im Mittelpunkt von Wendlands idealer Familienwohnung steht der sogenannte „All-Raum“. Eine großzügige Begegnungsstätte, die so gestaltet ist, dass sie sowohl gemeinsame Freizeit erlaubt, aber die Familienmitglieder auch bei Alltagstätigkeiten zusammenführt. Morgens ein gemeinsames Frühstück. Später sitzen die Eltern am Computer, die Kinder machen Hausaufgaben, einer kocht, andere basteln, lesen ...

          Ein Konzept, dass ganz offensichtlich auch den Träumen von Eltern und Kindern entspricht. Rund drei Viertel (73 Prozent) der Eltern und fast die Hälfte (49 Prozent) der Jugendlichen würden zu Hause gern mehr Zeit mit der Familie verbringen. Das zeigt beispielsweise auch eine groß über zwölf Länder angelegte Studie, die vom Möbelhersteller Ikea in Auftrag gegeben wurde.

          Die 2014 bereits zum zweiten Mal durchgeführte Untersuchung basiert auf Interviews mit mehr als 16.000 Eltern und Kindern. Dabei besonders interessant und vielleicht für manche Eltern überraschend: Sieben von zehn Kindern unternehmen lieber etwas mit ihren Eltern, als sich im Internet zu beschäftigen. Sogar zwei Drittel der Jugendlichen sagen, ihnen sei Familie wichtiger als Freunde.

          Eigenes Zimmer nicht entscheidend

          Die Realität in deutschen Wohnungen sieht oft anders aus. Viele Kinder bekommen zwar tatsächlich das größte Zimmer der Wohnung, dieses dient aber eher als Abstellfläche für viel zu viel Spielzeug – und am Ende hocken die Bewohner einsam vor Spielekonsole oder Fernseher. Eine Entwicklung, die auch Dietrich Schultz, Kinderarzt, Familiencoach und Psychotherapeut in München, zunehmend beobachtet. Dass immer mehr Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten in seine Praxis kommen, führt er auch darauf zurück.

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