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Einrichten Spezial : Werkbank gegen Küchenblock

Indes hört von den Küchenbauern selbst nicht jeder das Hohelied auf die neue Technik gerne - auch wenn unbestritten ist, dass diese, sowohl, was den Planungs- als auch den finanziellen Aufwand angeht, einen Großteil ausmacht. Allein der Installationsplan ist weit ausgefeilter als in der Vergangenheit. Vor wenigen Jahren benötigte eine moderne Küche nur für Spüle und Spülmaschine einen Wasseranschluss. In Zeiten, in denen mehr und mehr doppeltürige Kühlschränke mit Wasserspender und Eiswürfelmacher gefragt sind, muss ein weiterer Anschluss her. Für seinen Geschmack werde das Thema Küche zu sehr auf die Technik reduziert, kritisiert Marc O. Eckert, Geschäftsführer des Edelküchenanbieters Bulthaup. Dem Thema „Boys and Toys“ kann er nicht viel abgewinnen. Technik sei steril, klagt er. Die moderne Küche zeichne sich aber dadurch aus, dass sie mit dem Wohnraum verschmelze.

Eine Küche wie Tim Mälzer

Tatsächlich schließen sich moderne Technik und ein wohnliches Umfeld weit weniger aus, als es zunächst den Anschein hat. Das liegt nicht zuletzt daran, dass im Zuge der zunehmenden Fusion die Küchengeräte deutlich leiser geworden sind. Früher bestand der Klang der Küche aus Rauschen, Klappern und einem dröhnenden Dunstabzug. Heute ist es eher ein Surren. „Die Zulieferindustrie holt die Kunden eben ab“, kontert Küchenbranchen-Vertreter Mangels Kritik aus den eigenen Reihen an der Technisierung. Alle 14 Jahre leisten sich die Deutsche sich im Schnitt eine neue Küche: „Zeit genug, dass Nachholbedarf besteht.“ Die Kochshows im Fernsehen hätten einen nicht zu unterschätzenden Anteil an dieser Entwicklung, sagt er und spielt damit auch auf die vielen kochenden Männer an.

Längst schon sind Rote-Beete-Carpaccio, Ochsenbäckchen mit Zwiebelmus und Tarte Tatin keine Fälle mehr, an deren Zubereitung sich nur Fernsehpromis und Kochprofis wagen. Den letzten Zweifel daran, dass Kochen eine sehr handfeste Angelegenheit sein kann, hat Tim Mälzer dem männlichen Publikum ausgetrieben. Der „Küchenbulle“ im Karohemd und mit hochgekrempelten Ärmeln könnte geradewegs aus der Werkstatt an den Herd gewechselt sein.

Ärmel hoch und los: Profikoch Tim Mälzer als Vorbild

Ungekünstelt, puristisch, handfest und vor allem perfekt verarbeitet - dieses Image pflegen denn auch jene Küchenanbieter im hochpreisigen Segment, die aus der Handwerkstradition kommen, bevorzugt mit Holz arbeiten und gezielt auch eine männliche Kundschaft im Blick haben. Auf der Homepage von Team 7 etwa ist derzeit die „Loft Küche“ der Hingucker schlechthin: Die schlicht-schöne Landhausküche aus Nussbaum oder Eiche hat der Anbieter vor einer Ziegelwand und auf grauem Estrich inszeniert. Am Herd steht ein junger Mann, Frau und Tochter tummeln sich um den Küchenblock.

Unterschiedliche Lebenswelten, unterschiedliche Anforderungen

Tischlerei Sommer, die „Massivholz Manufaktur“ aus dem Westerwald, treibt die Verbindung von Mann und Küche optisch auf dezente Art noch weiter. Den formschönen, gar nicht klobigen Kochtisch „k 13“ aus Apfelbaumholz mit einer Platte aus Sandstein, in dem die komplette Technik sitzt, hat der Anbieter fürs Fotoshooting in einer kahlen Werkstatt aufgestellt - im Hintergrund der Motorradklassiker Royal Enfield Bullet. Zufall ist das nicht. „Etliche unserer Kunden lieben alte Autos und Motorräder“, erzählt Inhaber Gregor Sommer. Materialität sei für diese Zielgruppe extrem wichtig, sagt der Tischlermeister. „Für diese Männer ist Kochen Handwerk, sie bauen ihr Essen“, hat Sommer beobachtet. Klar, dass dann in der Küche so etwas wie Werkstatt-Feeling aufkommen soll, mit dem Küchenblock als Werkbankersatz.

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