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Namaqualand in Südafrika : Einmal im Jahr erblüht die Wüste

Fest der Farben: Die Blumenpracht lockt Insekten und Touristen an – und diese Oryx-Gazelle. Bild: Ullstein

Das Namaqualand ist eine der trockensten Regionen Südafrikas. Doch für zwei Monate im Jahr wird die ausgedörrte Landschaft zu einem Blütenmeer. Ein Wunder in der Wüste, das Botanik-Professor Richard Cowling erklärt.

          Herr Professor Cowling, Blumen, Blumen, Blumen, und das jedes Jahr aufs Neue. Kann man sich daran satt sehen?

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Nein, auf keinen Fall. Ich weiß nicht, wie oft ich schon zur Blütensaison dort war. Jedes Mal ist es wie ein Wunder zu sehen, wie sich eine sonst ausgedörrte Landschaft verwandelt. Es ist aber nicht nur ein ästhetischer Genuss.

          Warum interessieren sich Wissenschaftler für die Blumen?

          Im Namaqualand finden wir die mit Abstand größte Vielfalt von Sukkulenten auf der Welt: ungefähr 2000 verschiedene Arten, teils winzige Kreaturen. Hinzu kommen mehr als 1500 andere Pflanzenarten. Auch die Vielfalt an Insekten ist immens. 60 bis 70 Prozent der Pflanzen und Tiere sind nirgendwo sonst auf der Welt zu finden. Da gibt es jede Menge zu erforschen.

          Auch in anderen Teilen der Welt gibt es blühende Wüsten.

          Ja, das stimmt. Das Besondere an dieser Wüste ist, dass sie so gut wie jedes Jahr erblüht. Sehr selten gibt es gar keine Blumen. Das liegt an äußerst verlässlichen Regenfällen. Wir haben eine sehr geringe Regenmenge, weniger als 250 Millimeter im Jahr, und fast die komplette Menge fällt in den Wintermonaten, also im Juni und Juli. Sie reicht genau aus, um die Vegetation zum Leben zu erwecken.

          Also fängt der Blüten-Wahnsinn schon im Winter an?

          Das liegt daran, dass die Temperaturen im Winter nicht so stark sinken und Insekten weiter aktiv sein können. Die Blumen müssen also nicht wie in anderen Wüsten auf den Frühling warten. Sie brauchen auch keine langen Wurzeln, um das Wasser tief aus der Erde zu ziehen. Der Regen fällt, wird von den Pflanzen aufgenommen, die Blumen erblühen, sie werden bestäubt und verschwinden wieder.

          Das klingt erstaunlich effizient.

          Genau. Die Blumen haben auch nicht viel Zeit, bevor wieder alles vertrocknet. In dieser kurzen Zeitspanne tobt ein harter Wettbewerb um die Insekten. Jede Blume muss quasi ein Werbeplakat für sich aufstellen. Und nur diejenigen mit den extravagantesten Plakaten in den kräftigsten Farben kommen zum Zuge. Auffällig ist auch, dass sich alle Blütenkelche gen Norden neigen, um so viel Sonne wie möglich zu erhaschen. Wenn man auf eine Blumen-Safari geht, sollte man daher die Sonne im Rücken haben. In umgekehrter Richtung sieht man nur die Rückseiten der Blütenkelche. Das ist nicht spektakulär.

          Die Blumenteppiche sehen so dicht aus, dass man meinen könnte, alles blühe gleichzeitig. Stimmt das?

          Nein, die verschiedenen Blumenarten beginnen zu unterschiedlichen Zeiten zu blühen und blühen auch unterschiedlich lang. Einjährige Pflanzen, die nur einmal blühen und Samen entwickeln, fangen schon früh an. Dickblättrige Pflanzen mit Wasserspeichern können sich mehr Zeit lassen.

          Sind die meisten Blüten nachts geschlossen?

          Als Faustregel gilt: Zwischen 10 und 16 Uhr sind die meisten Blüten zu sehen. Erst wenn die Temperaturen ein bestimmtes Niveau erreicht haben, öffnen sie sich. Anders als bei einer Tiersafari lohnt sich frühes Aufstehen hier nicht.

          Steinböckchen in einer Ringelblumenwiese Bilderstrecke

          Für welche Insekten geben sich die Blumen so viel Mühe?

          Bienen, aber auch viele andere Insekten: Wespen, Schmetterlinge, Fliegen oder Käfer. Eines der interessantesten Exemplare ist eine Fliege der Gattung Prosoeca (Nemestrinidae) mit einem extrem langen dünnen Saugrüssel. Es gibt sie nur in Südafrika. Dank eines ausgeklügelten Pumpmechanismus schafft es die Fliege, Nektar aus langen, röhrenförmigen Blüten zu saugen. Das ist nicht einfach, aber die Fliegen sind erstaunlich geschickt und schnell.

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