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Namaqualand in Südafrika : Einmal im Jahr erblüht die Wüste

Fragt sich, wer zuerst da war: die Fliegen oder die Blumen mit den tiefen Kelchen?

Gute Frage. Im Namaqualand gibt es viele Beispiele, wie sich Pflanzen und Tiere über Millionen Jahre hinweg optimal aneinander angepasst haben. Viele Kelche oder Blütenblätter sind so geformt, dass nur eine Insektenart zum Nektar gelangen kann. Die Diascia wird beispielsweise nur von einer bestimmten Bienenart bestäubt, die Öle für ihre Larven sammelt. Die Bienen haben außer gewöhnlich lange behaarte Vorderbeine entwickelt, um an das Öl heranzukommen. Die Länge der Beine ist genau an die Blütenkelche angepasst.

Auf Fotos sieht man immer wieder riesige Blumenflächen, die fast einfarbig sind, und dann wieder bunt gemischte Flecken. Gibt es dafür einen Grund?

Das liegt am Boden. Wenn der Boden schon ausgelaugt ist, siedelt sich oft nur noch eine Spezies dort an. In unberührten Ecken ist die Farbenvielfalt größer. Insgesamt ist der Boden nicht besonders nährstoffhaltig. Es handelt sich großteils um einen Sandsteinboden mit recht hohem Säuregehalt. Die Pflanzen, die hier wachsen, müssen wirklich das Beste aus dem machen, was sie haben.

Gibt es auch Herausforderungen, denen die Blumen wehrlos ausgesetzt sind?

Es gibt große Bedrohungen, zum Beispiel durch den Bergbau. In der Gegend sind in Flussbetten Diamanten zu finden. Auch Überweidung stellt ein Problem dar. Weil sich das Land nicht für den Ackerbau eignet, halten Landwirte große Herden von Schafen und Ziegen. Aber fairerweise muss man sagen, dass auch viel für den Naturschutz getan wird. In jüngerer Zeit wurden mehr geschützte Flächen ausgewiesen. Dahinter stecken natürlich auch wirtschaftliche Erwägungen. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in der Region. Ohne Blumen kämen kaum noch Urlauber.

Touristen sind ja nicht immer ein Segen.

Die Auswirkungen halten sich eigentlich in Grenzen. Es kommen nicht so viele Touristen wie in die großen Nationalparks. Der Tourismus nimmt zu, aber von einer niedrigen Basis aus. Das ist letztlich ein Tummelplatz für Liebhaber mit sehr speziellen Interessen. Ärgerlicher sind die Machenschaften von Pflanzenräubern. Sie haben es vor allem auf die vom Aussterben bedrohten seltenen Arten abgesehen.

Auch in Südafrika ist der Klimawandel ein wichtiges Thema. Könnten die Blumen im Namaqualand irgendwann einer extremen Dürre zum Opfer fallen?

Ein Klimawandel hätte schlimme Auswirkungen, weil er zu einer Verschiebung der Kaltfronten gen Süden führen könnte. Dann gäbe es noch weniger Regen im Namaqualand, und vom Regen hängt alles ab. Einige Indikatoren deuten schon auf einen Wandel hin. Wir stellen fest, dass die Bestände einiger Pflanzenarten, beispielsweise der Aloen, abnehmen.

Also schnell aufbrechen, wenn man eines der Naturwunder noch sehen will?

So rasch ist der Wandel auch wieder nicht. Wissenschaftler entdecken dort auch jedes Jahr drei bis vier neue Pflanzen- und Tierarten. Vor zwei Jahren beispielsweise hat ein Wissenschaftler eine neue Froschart entdeckt - in einer ziemlich unwirtlichen Gegend, in der fast 100 Jahre lang Diamanten abgebaut wurden. Wer glaubt, dass sich das Wunder nur auf die Blumen beschränkt, der irrt sich gewaltig.

Entlang der Blumenstraße

Die Namaqualand Flower Route ist fünf Autostunden von Kapstadt entfernt und erstreckt sich in nördlicher Richtung bis nach Namibia. Auf der Strecke liegen wenig bekannte Orte wie Garies, Kamieskroon, Springbok und das Diamantenschmuggler-Nest Port Nolloth. Auch in der Nähe von Citrusdal, Clanwilliam, Lamberts Bay, Nieuwoudtville und Vredendal werden Hobby-Botaniker fündig. Für einen Ein-Tages-Ausflug von Kapstadt aus und einen ersten Eindruck bietet sich der Postberg im West Coast National Park an. Eine Fahrt in die Blumen lohnt sich nur bei Sonnenschein, zum Beispiel zur Zeit der Wüstenblüte ab Ende August. Die Tourismusbüros geben Hinweise, wo aktuell die meisten Blumen blühen. An Unterkünften wie Bed & Breakfasts und Pensionen besteht kein Mangel. Weitere Informationen gibt es hier.

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