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Mikro-Apartment : „Ich habe mich gut sortiert“

  • -Aktualisiert am

Eng: In Katharinas Wohnung passt alles hinein. Bild: Privat

Wohnen auf 25 Quadratmetern: Eine Berliner Studentin spricht über das Leben in einem Mikro-Apartment und die Kunst der Reduktion.

          Katharina, seit Anfang September leben Sie in Berlin, in einem ehemaligen DDR-Verwaltungsgebäude, das Investoren in einen Apartmentkomplex für 438 kleine und günstige Wohnungen umgewandelt haben. Wie klein ist Ihr Zuhause?

          Meine Wohnung misst 25 Quadratmeter. Dafür zahle ich gerade mal 305 Euro. Es ginge aber auch größer: Andere Wohnungen hier im Haus haben 35 Quadratmeter.

          Was führt Sie nach Berlin?

          Ich komme ursprünglich aus Hannover. In Berlin studiere ich seit Oktober Hotel- und Touristikmanagement.

          Berlin ist nicht gerade für die entspannte Lage auf dem Wohnungsmarkt bekannt. War die Suche nach einer günstigen Bleibe schrecklich?

          Ziemlich. Ich habe eine kleine Leidensgeschichte hinter mir. Als Studentin ist mein Budget überschaubar. Eine WG wollte ich nicht. Die Wohnungsbesichtigungen waren ernüchternd. In den zentralen Stadtteilen waren die Wohnungen total überteuert. Das Einzige, was ich mir hätte leisten können, war weit draußen, wo ich mich nicht wohlgefühlt hätte, oder ohne funktionierende Anbindung. Dann fand ich im Netz dieses Haus. Jetzt wohne ich hier in Lichtenberg, bin schnell am Alexanderplatz und habe alles, was ich brauche, vor der Tür.

          Und, wie ist das Leben in der Platte?

          In den Fluren und im Foyer erinnert es an ein Hotel. In den Gängen hängen aber noch die Bilder, wie es in der Umbauphase aussah. Das ist schon lustig, wenn man zu seiner Wohnung läuft und sich vorstellt, dass das alles einmal Büroräume waren.

          25 Quadratmeter wären damals auch kein Großraumbüro gewesen. Sie leben jetzt darin. Das hört sich ziemlich eng an.

          Am Anfang musste ich mich tatsächlich umgewöhnen. In Hannover habe ich mit meiner Familie in einem Haus gewohnt. Aber eigentlich habe ich alles, was ich brauche. Einen großen Raum, der Küche, Wohn- und Schlafzimmer ist. Und dann noch ein separates Badezimmer. Ich habe zum Glück eine große Fensterfront und recht hohe Decken, deshalb wirkt das Zimmer viel größer. Die Wände habe ich weiß gelassen, und der Boden ist hell, das vergrößert optisch.

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          Vor dem Umzug mussten Sie dann aber bestimmt erst einmal ausmisten.

          Als Studentin mit der ersten eigenen Wohnung habe ich nicht so viele Möbel. Aber natürlich: Bevor ich eingezogen bin, habe ich erst einmal ausgemistet und überlegt, was ich wirklich brauche. Und dann landet man automatisch beim Wesentlichen: Bett, Kleiderschrank, Schreibtisch, Garderobe. Eine Einbauküche war zum Glück schon drin.

          So einfach geht das mit dem Minimalisieren?

          Man muss einfach ehrlich zu sich selbst sein und sich fragen, was man wirklich zum Leben und für ein gemütliches Zuhause braucht. Auf Schnickschnack - hier noch ein Stühlchen, da noch eine Kommode - muss man natürlich verzichten. Ich habe mich einfach auf das Wesentliche konzentriert und mir es lieber mit Bildern an den Wänden gemütlich gemacht als mit vielen Möbeln. Und ich muss jede Möglichkeit ausnutzen: Der Kleiderschrank ist noch Stauraum für andere Sachen, und mein Bett ist tagsüber das Sofa. Außerdem ist man die meiste Zeit des Tages sowieso nicht zu Hause, sondern in der Uni, arbeiten oder mit Freunden unterwegs.

          Fehlt Ihnen denn überhaupt nichts?

          Auf einen Balkon muss ich leider verzichten. Ich wohne in der siebten Etage. Wenn ich an die frische Luft will, muss ich erst einmal mit dem Aufzug fahren. Aber ansonsten habe ich mich gut sortiert. Die Atmosphäre unter den Bewohnern des Hauses trägt auch dazu bei.

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