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Star der Gärtner : Geordnetes Durcheinander

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Die Arbeit eines Perfektionisten

So leicht, spielerisch und natürlich die Gärten wirken mögen, sie sind Produkt der Arbeit eines Perfektionisten, der kaum etwas dem Zufall überlässt. Gleichzeitig empfindet es der 52-Jährige als größtes Kompliment, wenn ein Garten aussieht, als wäre er gar nicht designt. Doch warum überhaupt gestalten und nicht alles der Natur überlassen?

Star-Gärtner Dan Pearson über seine Arbeit: „Design erhöht den Geist des Ortes und ermöglicht dem Menschen, Teil davon zu werden.“
Star-Gärtner Dan Pearson über seine Arbeit: „Design erhöht den Geist des Ortes und ermöglicht dem Menschen, Teil davon zu werden.“ : Bild: Jason Ingram

„Design erhöht den Geist des Ortes und ermöglicht dem Menschen, Teil davon zu werden.“ Dan Pearson, ein zurückhaltender Mensch, ist sehr ernst, wenn er über seine Arbeit spricht. „Die Natur heißt uns nicht immer willkommen“, sagt er. „Wir sind domestizierte Tiere, wir fühlen uns nicht immer wohl an Orten, die nicht für uns geschaffen sind. Der Designprozess ermöglicht, dass wir uns wohl fühlen.“ Als Designer adaptiere, zähme er die Natur, schaffe einen Platz darin. Mal ist der Eingriff größer, wie im Hausgarten, mal reicht eine ganz leichte Hand - etwa, wo Ländereien in die Umgebung übergehen.

„Ich reagiere intuitiv sehr schnell auf einen Ort und weiß, wie er gestaltet werden soll.“ Die Kunst sei dann, aus den Vorgaben des Klienten, des Budgets und der Umgebung das Bild zu erschaffen. „Mein Arbeitsprozess ist wie Kampfkunst. Ich finde eine Bewegung, die die vorhandene Energie verwandelt. Ich suche die Pflanzen, die dort richtig sind, so dass sie nicht kämpfen müssen.“

Ein Auge für Schönheit wilder Pflanzen

So etwas kann nur gutgehen, wenn man sich mit der Flora auskennt, denn die Balance, die bei solchen Prozessen entsteht, ist zart und darf nicht gestört werden. Und man braucht ein Auge für die Schönheit wilder Pflanzen.

„Als ich zehn Jahre alt war, zogen wir in ein Haus mit einem alten, verwilderten Garten. Das war für mich eine sehr wirkungsvolle Umgebung.“ Der Junge versuchte dort zu gärtnern: „Ich habe schnell gemerkt: Wenn man die Wildnis zu stark bekämpft, schlägt sie umso stärker zurück.“ Eine ins Laubdach geschlagene Schneise führte dazu, dass sich Brennnesseln und Brombeeren umso stärker vermehrten. „Der vernünftigste Ansatz für mich war: Pflanzen auszusuchen, die gerne im Schatten wachsen.“ Es gelte, eine Balance zu finden zwischen dem Gärtnern und der Natur. „Dieser Garten war verloren, aber immer noch schön. Er hat mich gelehrt, auf die Zwischentöne zu achten.“

Dan Pearson Millennium Forest auf der japanischen Insel Hokkaido
Dan Pearson Millennium Forest auf der japanischen Insel Hokkaido : Bild: Ryogo Oizum

Das verbindet ihn mit Beth Chatto, der großen Gärtnerin, die schon in den 1970er Jahren vehement ihr Credo „right plant, right place“ vertrat. Pearson begegnete ihr 1976 auf der Chelsea Flower Show. „An ihrem Stand bei der Chelsea Flower Show sah ich eine blassgelbe Butterblume, ich glaube es war Ranunculus acris ,Citrina‘. Nur eine Butterblume, aber in einer hellgelben Version, was sie vom bloßen Unkraut abhob.“ Manchmal sind es die subtilen Unterschiede, die eine große Wirkung haben.

Über die Jahre hat sich Pearsons Stil verändert, verfeinert. Sein Interesse verschiebt sich vom Gärtnerischen immer mehr hin zur natürlich gewachsenen, nur wenig vom Menschen beeinflussten Umgebung. Sein liebstes Projekt ist der Millennium Forest in Japan: Auf 240 Hektar Land ist ein Park entstanden, der den Menschen die Natur, den Wald zugänglich machen soll. Der Initiator, ein Zeitungsmagnat, ließ hier den Sekundärwald, der durch Abholzung von Bäumen im 20. Jahrhundert entstanden war, auf höchst künstlerische Weise renaturieren. Pearson entfernte Bambus, der sich dort ungehemmt ausgebreitet hatte, woraufhin wieder andere einheimische Pflanzen zu sprießen begannen. Von diesen ließ er sich zu einem Wiesengarten inspirieren. „Wir haben Einheimisches neben Stauden wie Wasserdost oder Rutenhirse gepflanzt. Diese Stauden sind ein Werkzeug, das ermöglicht, auch das einheimische Unkraut wieder mit anderen Augen zu sehen. Es wird aufgewertet.“

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