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Wohnen in Rotterdam : Drei Zimmer, Küche, Käsestand

Auf der Dachterrasse wandert der Blick über die Stadtmitte, von der nahen Laurentiuskirche zu den mächtigen Glastürmen am Hauptbahnhof. Am Horizont grüßen, soeben noch sichtbar, die Ministerialtürme von Den Haag. Im Apartment ist vom Verkehr nichts zu hören, aus der Markthalle dringen auch keine Geräusche. Der Weg zum Einkaufen dauert nur zwei Minuten. „Ich schaue jeden zweiten Tag im Markt vorbei“, sagt Van der Vliet. Nur eines stört ein wenig: „Das Internet ist nicht so gut, weil das hier ein bisschen wie ein Bunker ist.“

250.000 Euro für die günstigste Wohnung

102 Miet- und 126 Eigentumswohnungen füllen das Hufeisen. Nummer 76 ist eine der ganz exklusiven, die normalen sind 80 bis 110 Quadratmeter groß. Die teuerste war dem neuen Besitzer 5500 Euro je Quadratmeter wert, aber auch für 2500 Euro war schon etwas zu haben, die günstigste Wohnung kostete 250.000 Euro - und das in zentraler Lage. Im etwas größeren Amsterdam wäre das ein Schnäppchen: Wenigstens mit billigerem Wohnraum schlägt die zweitgrößte niederländische Metropole Rotterdam den Städterivalen, der in der Öffentlichkeit immer im Mittelpunkt steht. Jede der Wohnungen hat einen Balkon nach außen, die Hälfte Blick auf den Markt. Die Fenster zur Markthalle sind nicht zu öffnen - wegen der Versicherung, kein Blumentopf solle auf den Kopf eines Marktbesuchers fallen, sagt Knikker.

In der Halle ist der Strom der Besucher inzwischen etwas angeschwollen. Aber es könnten mehr sein, denn der Markt beginnt in diesen Minuten, seinen ersten Geburtstag zu feiern: vier Tage Fest, mit Käseverkostung hier, Musikkapelle dort. Die Händler geben sich dennoch zuversichtlich. „Am Samstag ist noch mehr los“ sagt Anne Overbeek, die für „Joost Noten“ die Nüsseliebhaber versorgt. „Das ist die beste Markthalle der Welt“, schwärmt Käse-Frau Marika Melling vom „Rotterdamsche Oude“. Morgens kommen vor allem Stammgäste, später dann „busseweise Touristen“.

Zur Hallen-Eröffnung vor einem Jahr machte Königin Máxima am Stand halt. Heute greifen stattdessen Corinne Konings und Peter van Oorschot zu. „Regelmäßig“ kommen die beiden in die Halle, sagt Van Oorschot. „Käse kaufen, lecker was essen.“ Die Händler zahlen 45 Euro Tagesmiete, einen Tick weniger als auf dem etablierten Markt draußen, der weiterhin zweimal die Woche den Vorplatz belegt. Aber: Um die Halle mit Leben zu füllen, verpflichten sie sich, jeden Tag zu öffnen; sonst drohen 250 Euro Strafe. Nicht jeder Familienbetrieb kann das leisten. Erste Läden haben schon aufgegeben, was der Marktbetreiber aber als normal ansieht.

Jugendherberge im Würfelhaus

Ein originelles Experiment ist die Markt-Wohn-Halle allemal, aber wird sie auch zeitlos sein? Ein kleiner Abstecher 300 Meter nach Osten und 30 Jahre zurück. Aus der Markthalle heraus, durch eine Drehtür, die die riesige Glasfront im Osten durchbricht. Der Abstecher führt über einen Platz zu einem anderen unkonventionellen Wohnprojekt: den „kubuswoningen“, den Würfelwohnungen. Der Architekt Piet Blom kippte die Würfel auf eine Ecke und setzte sie auf Betonsäulen. Seit 1984 überspannen sie, aneinandergereiht auf einer Passage, den Blaak, eine der großen Verkehrsadern der Stadt.

Bild: F.A.Z.

Die Adresse lautet denn auch „Overblaak“. Touristen mäandern zwischen den Würfeln mit ihren Zinkdächern und gelben Faserzementplatten. Ein paar Lädchen versuchen der Passage ein wenig Großstadtleben einzuhauchen. Eines bietet Waxing an, Pediküre und Maniküre. „Samniengs Art&Treasure-House“ legt Halsketten aus und Saphire in Gelb und Blau. Ein kleines Schachfigur-Museum öffnet nachmittags die Tür: Bauern und Springer, Läufer und Türme warten dort, aus Holz und Porzellan und sogar im Schlumpf-Design.

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