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Haus von Dolce und Gabbana : Eine Villa wie ein Mantel

  • -Aktualisiert am

Die Villa liegt am Hang der Vulkaninsel Stromboli und befindet sich schon seit den neunziger Jahren im Besitz von Stefano Gabbana und Domenico Dolce. Bild: Lionard

Wenn Stefano Gabbana und Domenico Dolce ihre sizilianische Villa verkaufen, lohnt ein genauerer Blick. Was von außen noch fast untypisch schlicht wirkt, offenbart im Inneren die Kernelemente des Dolce & Gabbana-Designs.

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          Stefano Gabbana und Domenico Dolce verkaufen ihre Villa auf der sizilianischen Vulkaninsel Stromboli. Das Maklerunternehmen „Lionard Luxury Real Estate“ hatte die entsprechende Anzeige in dieser Woche veröffentlicht und auch an die Presse geschickt – wahrscheinlich, um den Verkaufspreis in die Höhe zu treiben. Der war auf der Website der Makler zunächst mit rund 6,5 Millionen Euro angegeben. Dabei handelte es sich aber angeblich um einen Serverfehler. Der genaue Preis ist nun Gegenstand von individuellen Verhandlungen.

          Spätestens die Aussicht aus den Fenstern der sieben Suiten der Villa auf das Mittelmeer wird die sicherlich horrende Summe schnell vergessen machen. Auch die Villa selbst ist, wenn nicht das Geld, zumindest aber einen Blick wert. Mit der weißen Fassade und der klaren Linienführung erinnert sie nicht nur an die eleganten Kostümentwürfe der Herbstkollektion des Modehauses, sondern fügt sich auch nahtlos in die malerische Küstenlandschaft Siziliens ein. Wie bei den Kleidern von Dolce & Gabbana wird die lokale Ästhetik im Design aufgegriffen – und erweitert durch überbordenden barocken Mustermix. Tatsächlich besteht die Villa aus ehemals drei klassisch sizilianischen Küstenbauten, die von riesigen wild blühenden Gärten umgeben sind. Was von außen noch fast untypisch schlicht wirkt für die beiden Italiener, offenbart im Inneren die Kernelemente des Designs von Dolce & Gabbana.

          Die sieben Suiten changieren farblich im Spektrum des Regenbogens. Bilderstrecke

          Lila, gelb, grün und türkis, einem extravaganten Innenfutter gleich, sind die Wände gestrichen. Jeder Raum hat eine andere Farbe, ein anderes Konzept. Auffallend dabei sind der Sonnenblumendruck und das Zitronenmuster, das sich auch auf Kleidern, Handtaschen und Schuhen einiger Kollektionen findet. Kombiniert wird das hier nicht mit auffälligen Ohrringen und Sonnenbrillen, sondern mit Gründerzeitmöbeln und Mosaik-, Muster- und Materialmix auf den Böden, an den Fenstern, den Tisch- und Bettdecken. Das alles ist inklusive, die Villa wird als Gesamtkunstwerk verkauft.

          Obwohl auf den ersten Blick beinahe der Eindruck eines westeuropäischen Hipster-Hostels im Stile der Villa Kunterbunt entsteht, offenbart die längere Betrachtung doch die zugrundeliegende Harmonie, die die Kunstwerke lokaler Künstler, die ausgesuchten und teils exotischen Motive, die wilde Vielfarbigkeit und das mondäne Außen in Einklang bringen. Ein Mikrokosmos, der nicht nur die Essenz des Stils des Designerduos verdichtet, sondern auch die kulturelle Vielfalt Siziliens, der Heimat Dolces, abbildet.

          Über das „Warum?“ wird viel spekuliert

          Die beiden Designer und früheren Lebenspartner hatten die Villa in den neunziger Jahren gekauft und umgestaltet, um fortan dort ihre Sommer zu verbringen. In den Gärten, Suiten und Terrassen veranstalteten die beiden Italiener zudem wilde Partys mit illustren Gästen wie Madonna, Emilia Clark und Naomi Campbell, die auf der Insel schwimmen gelernt haben soll.

          Die gewünschte Exklusivität verspricht allein die Lage, die Insel ist nur mit dem Schiff oder Hubschrauber zu erreichen. Die Kulisse, keinesfalls nur Hintergrund, vielmehr Grundlage, ist „Iddu“ – er, der Vulkan Stromboli. Die Villa schmiegt sich an seine felsigen, von Lava geformten Hänge und immer, momentan aber besonders, lässt sich hier ein beeindruckendes Naturschauspiel beobachten. Der Vulkan ist noch aktiv und hat zuletzt Anfang Juli gewaltige Rauchwolken und Lavaströme ausgestoßen. Ein Wanderer war dabei ums Leben gekommen.

          Dieser bislang heftigste Vulkanausbruch sei auch ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen, sich von der Immobilie zu trennen, behaupteten einige und zum Schluss so viele, dass sich Stefano Gabbana und Domenico Dolce selbst dazu äußerten. Die Aktivität des Hausvulkans „Iddu“ sei keinesfalls ein Grund, die Insel zu verlassen, vielmehr einer, sie zu besuchen. Auch Geldnöte und finanzielle Schwierigkeiten wurden vermutet, insbesondere nach Boykotten wegen einer als rassistisch empfundenen Werbekampagne in den wichtigen asiatischen Absatzländern.

          Angesichts eines geschätzten Privatvermögens von insgesamt drei Milliarden Dollar und wiederholt abgelehnten Verkaufsangeboten der Marke, erscheint dies aber unwahrscheinlich. Gegenüber italienische Medien kündigten die beiden an, sie wollten stattdessen eine neue Sommerbleibe auf der benachbarten Insel „Salina“ beziehen, diese sei gemütlicher. Auch nach dem Ende ihrer langjährigen Liebesbeziehung bleiben die Gründer von Dolce & Gabbana Partner und werden wohl auch die neue Villa, wie das Stadthaus in Mailand, gemeinsam bewohnen. Italien werden sie wohl nie verlassen.

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