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Digitale Raumplaner : Einrichten per Wisch

  • -Aktualisiert am

Ein neuer Sessel fürs Wohnzimmer? Anstatt Möbel zu rücken und mit Zollstock zu hantieren, reicht zum Ausprobieren das Tablet. Bild: F.A.S. Montage / Frank Röth

Dank neuer Apps kann sich jeder als Innenarchitekt versuchen. Doch halten die zahlreichen Programme, was sie versprechen? Ein Selbstversuch.

          Sie heißen Roomle, Roomplanner oder Home Design 3D, und ihr Versprechen ist magisch: Ruck, zuck entwirfst du auf deinem Tablet-Computer einen Grundriss, platzierst darin Möbel, Leuchten und Teppiche und schaust dir das Ganze als Animation in Farbe und 3D auf dem Bildschirm an. So kann deine Wohnung bald aussehen, und wenn’s nicht gefällt, werden die Möbel in der Darstellung einfach ausgewechselt.

          Was bis vor kurzem noch das Handwerkszeug weniger Spezialisten war, erscheint auf einmal massentauglich. Mit den passenden Apps können auch Hausfrauen, Studenten oder Journalisten mit zwei linken Händen sich als Interior Designer fühlen. Wo gestern mit Zollstock und Wasserwaage hantiert wurde, soll nun ein Tablet-Computer das Werkzeug sein: Mit ein paar Fingerwischs entstehen nicht nur neue Wohnwelten, sondern auch noch die passenden Visualisierungen.

          Doch wer einmal versucht hat, seine neue Windows-Version mit alten Grafikkarten zu synchronisieren oder sich mit unausgereifter Software auf seinem Smartphone herumgeschlagen hat, weiß, dass gegenüber den Verheißungen auch Misstrauen angebracht ist: Famose Demo-Videos zeigen allzu oft eine geschönte Version der Wirklichkeit.

          Augmented Reality überzeugt

          Also ausprobieren. Wir haben uns einige der gängigen Einrichtungs-Apps auf einem iPad Pro angeschaut. Dieselben oder vergleichbare Programme gibt es auch für Android-Smartphones und Tablets. Neben beschränkten Basisversionen gibt es meist Versionen mit deutlich erweitertem Funktionsumfang für Preise zwischen 10 und 20 Euro.

          Das Heim stilvoll einrichten: Verschiedene Apps sollen dabei helfen.

          Die bestechendste Funktion der Programme heißt Augmented Reality und funktioniert folgendermaßen: Man richtet aus der entsprechenden App heraus die Kamera in einen Raum, zieht aus der Randspalte die Abbildung eines Möbelstücks in den Raum und - voilà - da steht dann der neue Stuhl im eigenen Wohnzimmer. Und nicht nur das. Man kann - weil es sich bei der Abbildung nicht um ein Foto, sondern um einen Datensatz zur dreidimensionalen Darstellung handelt - das Modell drehen und so im Raum ausrichten, wie man möchte.

          Anschließend kann man mit dem iPad als Sichtfenster um das Objekt herumgehen und es samt seiner neuen Umgebung von allen Seiten betrachten. Das ist spektakulär und funktioniert zum Beispiel gut mit der App „Pair“. Zwar fliegen die ausgewählten Möbel in unserem Test zunächst wie Luftballons durch den Raum, doch mit ein bisschen Übung hat man die Technik im Griff. Am Ende jedenfalls steht ein virtueller Stuhl gleichberechtigt neben einem echten im Bild. „Seit zwanzig Jahren“, kommentiert Christian Zöllner von der Visualisierungsagentur Bloomimages in Hamburg, „reden alle davon, dass Augmented Reality anwendungsreif sei, doch lange passierte wenig. Jetzt scheint es eine Technik für jedermann zu werden.“

          Was soll wohin?

          Funktioniert die Technik auch gut, ein Knackpunkt von „Pair“ ist die Auswahl der Möbel. Alle gewählten Modelle kann man im Prinzip mit einem Klick im Internet bestellen. Doch stellt „Pair“ nur zu amerikanischen Online-Shops durch, so dass man nicht einmal Möbel des deutschen Herstellers Vitra erwerben kann. Die Verknüpfung von Interior-Design mit realen Produkten, was eigentlich der wahr gewordene Traum eines jeden Produzenten sein müsste, entpuppt sich als die Schwachstelle in allen getesteten Apps. Es klappt einfach nicht.

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