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Osterbräuche der Sorben : Ostern zwischen Spree und Elbe

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In heidnischer Zeit war das Osterwasserholen ein Fruchtbarkeitskult – ähnlich wie das Ostersingen der jungen Frauen, das der Krabat beobachtet hat. In vorchristlicher Zeit hatten die jungen Frauen die Felder, Wiesen und Flure umschritten und dabei ihre Hymnen gesungen. So sollten die Felder fruchtbar und empfänglich für die Saat gemacht werden. Das Ostersingen sieht heute natürlich anders aus: Die Frauen singen in der Kirche und sie singen christliche Choräle, auf Sorbisch. Das ist vor allem noch in der evangelischen Niederlausitz verbreitet. Im brandenburgischen Dissen-Striesow singen die Frauen am Karfreitag in der Fachwerkkirche. Die Frauen tragen dabei lange grüne Röcke, darüber eine schwarze Schürze, ein weißes Schultertuch, eine schwarze Polka-Jacke und eine weiße Haube. Es ist eine Halbtrauer-Tracht, Hell und Dunkel stehen für Trauer und Hoffnung. Davon singen die Frauen: Vom Schmerz und Leid Christi, aber auch von der überströmenden Freude über die Auferstehung.

Ostergrüße in Frack und Zylinder

Was das Ostersingen für die evangelischen Sorben in Brandenburg ist, das ist das Osterreiten für die katholischen in der Gegend um Bautzen. Dort waren es in alten Zeiten die Männer, die die Flure zu Pferde umritten und die Felder segneten. Heute reiten sie von einer Ortschaft zur anderen und überbringen einander christliche Ostergrüße. So reitet eine Männergruppe von Bautzen nach Radibor, die Radiborer reiten nach Storcha, und die Leute aus Storcha wieder nach Radibor. Für die Prozession ziehen die Männer Gehröcke und Zylinder an wie im 19. Jahrhundert. Sie singen und beten den Rosenkranz auf dem Pferd.

Sorbische Osterreiter in Frack und Zylinder verkünden die Auferstehung Christi.

Gemeinsam haben alle Sorben die Bräuche des Osterfeuers und der Ostereierverzierung. Wenn man am Abend vor Ostersonntag auf den Landstraßen zwischen Cottbus und Bautzen fährt, sieht man überall in der Ferne Lichttupfer: die Osterfeuer brennen. Die Feuer sollten ursprünglich eine reinigende Wirkung haben, den Unrat des Winters verbrennen. Die Sorben glauben, sie hätten das Osterfeuer erfunden.

Das kunstvoll gekratzte Osterei

Das Ostereierverzieren ist eine typische Beschäftigung für die ruhige Zeit in der Karwoche. Die Paten machen dann Hühner-, Enten- und Schwaneneier zu kleinen Kunstwerken für ihre Patenkinder. Es gibt das Eierkratzen – zunächst wird Farbe aufgebracht und dann die Muster mit einer Nadel eingeritzt. Bei der Wachs-Reserve-Technik zeichnen die Frauen Muster mit Wachs auf das Ei. Danach werden die Eier gefärbt, die Farbe kommt an die gewachsten Stellen nicht heran. Die Stellen sollen eine weiße Musterung ergeben. Es folgen mehrere Gänge in verschiedenen Farb-Bädern. Nach jeder Färbung wird das Wachsmuster weiterentwickelt – so entsteht zum Schluss, nach dem Abschmelzen des Wachses, ein mehrfarbiges Osterei. Wie überall auf der Welt hat das Ei auch bei den Sorben als Symbol von Fruchtbarkeit und neuem Leben eine lange Geschichte. Das belegen Ausgrabungen. Schon in frühmittelalterlichen Gräbern finden sich bemalte Toneier als Beigaben – in vielen slawischen Kulturen von Brandenburg bis in die Gegend um Kiew. Sie heißen daher auch Kiewer Ostereier.

Die Paten fertigen in der Karwoche Hühner-, Enten- und Schwaneneier zu Kunstwerken für ihre Patenkinder.

Für die sorbischen Kinder sind die gekochten, verzierten Eier, die sie von ihren Paten bekommen, ein schönes Spielzeug. Beim „Waleien“ lassen die Kinder die Eier eine schiefe Bahn hinunterrollen. Wer es schafft, das Ei so geschickt rollen zu lassen, dass es im Ziel das Ei eines anderen trifft, darf beide Eier behalten.

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