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Wie wollen Deutsche wohnen? : Das Gäste-WC muss sein

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Wie möchten die Deutschen wohnen? Nur 5 Prozent sehnen sich nach einer Villa mit Pool Bild: Reuters

Die deutschen Wohnwünsche und die Wirklichkeit liegen oft gar nicht so weit auseinander. Beim Standort ist das allerdings ganz anders - trendig, zentral und im Grünen wäre ideal.

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          Träume, denkt man immer, sind so unterschiedlich wie die Köpfe derjenigen, durch die sie spuken. Fordert man daher 2000 Bundesbürger dazu auf, sich ihr Traumhaus auszumalen, müssten 2000 sehr eigenwillige Immobilien dabei herauskommen: die Villa mit Pool, das Bauernhaus mit üppigem Obstgarten, eine riesige Altbauwohnung mit Flügeltüren, oder eine mehrgeschossige moderne Designerwohnung.

          Tatsächlich aber fallen die Träume der meisten sehr viel bescheidener aus: 130 Quadratmeter stellt sich der Durchschnittsdeutsche vor, helle Räume und ein ganz klassisches Einfamilienhaus mit Garten. Letzteres hat jeder Dritte vor dem inneren Auge, wenn er vom Eigenheim träumt. An eine Villa denken dabei nur fünf Prozent, von Lofts oder Maisonettewohnungen träumen gerade einmal zwei Prozent, ergab eine Umfrage des Immobilienfinanzierers Interhyp. Klingt alles realistisch.

          Nur bei der Frage des Standorts wird es etwas surreal: Jeder Fünfte sieht sich in einer Wohnsiedlung am Stadtrand, genauso viele abgelegen im Haus am See, doch im Prinzip würden zwar fast alle gern naturnah leben, aber dennoch Läden und Szenecafés direkt nebenan haben, frei nach Tucholsky: „Ja, das möchste: eine Villa im Grünen mit großer Terrasse; vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße“. Beim Traum vom Stadtleben mitten auf dem Land aber klafft zwischen Wunsch und Realisierbarkeit die größte Lücke.

          Für 9 von 10 ist der Keller unverzichtbar

          Dabei ist die Frage, wo und wie wir wohnen wollen, beileibe keine geringe. Im Gegenteil, sie ist sogar existenziell: Für 97 Prozent der Deutschen ist Wohnen das Zweitwichtigste im Leben, direkt hinter der Gesundheit und noch vor guten Freundschaften, so ergab eine Umfrage von TNS Emnid. Freizeit, Urlaub und Autobesitz rangieren erst weit dahinter. Freunde kann man haben, gut wohnen aber muss man, so lässt sich diese Aussage zusammenfassen.

          Doch wie sieht gutes Wohnen aus? Drei von vier Deutschen brauchen dazu einen Garten oder einen Balkon. Genauso viele wünschen sich ein Gäste-WC. Noch wichtiger ist uns allerdings ein Raum, an den man beim Thema Lebensqualität nicht unbedingt zuerst gedacht hätte: die schicke Einbauküche.

          Die gehört für 81 Prozent der Befragten unbedingt zur guten Wohnung. Allerdings nicht überall in gleichem Maße: Während vier von fünf Münchenern die Einbauküche extrem wichtig ist, gehört sie nur für drei von fünf Kölner unbedingt zum Inventar. Die meisten modernen Exemplare besitzen übrigens die Frankfurter. 91 Prozent der Deutschen möchten außerdem nicht ohne Keller leben, doch nur jedem Zweiten ist wichtig, dass dieser auch zum Werkraum taugt.

          Luxus muss nicht, aber großzügig darf es sein

          Auf andere Luxusutensilien dagegen können die meisten mehr und mehr verzichten: Große Flure gelten als Platzverschwendung und sind „out“. Kamin und Fußbodenheizung finden auch nur noch 58 Prozent der Befragten wichtig, vor drei Jahren waren es noch knapp 70 Prozent. Bei der Frage, welcher Fußbodenbelag es denn sein soll, scheiden sich die Geister: Während München knapp zur Hälfte bereits auf Holzfußboden lebt und sich zu 71 Prozent auch Parkett im Traumhaus wünscht, wollen das nur 41 Prozent der Stuttgarter.

          Jeder macht es sich auf seine Weise gemütlich, schließlich ist Behaglichkeit beim Wohnen für 77 Prozent der Bundesbürger oberstes Gebot und damit doppelt so wichtig wie die Frage: Sind meine Räume großzügig genug? Das kann man nun als Trend zum Nestbau werten und als neue Bescheidenheit. Oder als Einsicht in die geänderten Bedingungen am Immobilienmarkt. Gerade in Großstädten sind die Mieten und Kaufpreise zuletzt so stark gestiegen, dass viele hier denken werden: Großzügigkeit? Die kann ich mir beim Wohnen ohnehin nicht mehr leisten.

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