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Derek Jarman : Der Garten als Therapie

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Viel Metall, viel Treibholz

„Ich pflanze nichts Neues“, sagt Keith Collins. Er mache eher das Gegenteil von Gärtnern: „Ich entferne Dinge, entblöße den Garten, leere ihn.“ Dabei geht es nicht nur um Pflanzen, die sich unerwünscht ansiedeln, Disteln zum Beispiel. Auch die Gespinste des Goldafter-Schmetterlings, dessen Raupen Pflanzen zerstören und starke allergische Reaktionen auslösen können, vernichtet er. Aber Collins muss auch Dinge entfernen von Menschen, die meinen, den Garten mitgestalten zu dürfen. Ein rostiges Fahrrad haben Besucher immer wieder vom Strand heraufgetragen, bis er es endgültig im Meer versenkte.

Viel Metall, das Jarman selbst integriert hat, ist inzwischen verrostet, sagt Collins. „Das ersetze ich.“ Bei Treibholz ist es schwieriger: War es in den 1980ern problemlos am Strand zu finden, kommt es heute kaum noch vor. Collins denkt darüber nach, hölzerne Elemente, die für den Garten wichtig sind, aus Eichenholz zu rekonstruieren. „Ich will sie nicht einfach zerfallen lassen.“ Noch gut erhalten ist das Gedicht „The sunne rising“ von John Donne, das Jarman aus Holzbuchstaben an der südlichen Hauswand anbringen ließ.

„Es hat ein Jahr gebraucht, bis ich verstanden habe, worum es im Garten geht“, sagt Collins. Denn der ist ein Gesamtkunstwerk und hat viel mehr zu bieten, als Besucher nach ein, zwei Stunden ahnen können. Vor allem finden sich Referenzen zur Umgebung: „Am Strand verläuft alles horizontal, der Wasserspiegel, die Kiesbänke. Im Garten hat Jarman bewusst alles um 90 Grad gedreht, vertikale Elemente eingesetzt“, erläutert Collins. Auch sei alles nach einem Plan angelegt, der sich am Tetraktys-Konzept orientiert, einem gleichseitigen Dreieck, das aus zehn Punkten besteht und das seit der Antike für Harmonie steht. „Der Garten ist so vielschichtig, sicherlich gibt es noch vieles, das ich gar nicht entdeckt habe.“ Einige Jahre hat Collins in Prospect Cottage gelebt und als Fischer gearbeitet. Auf die Dauer fehlte ihm jedoch die intellektuelle Stimulation, jetzt hat er auch eine Wohnung in London. „Im Winter ist es hier schon sehr dunkel und isoliert. Dann leuchtet nur das Kernkraftwerk, und man würde sich wünschen, dass es wenigstens ab und zu mal in einer anderen Farbe als Gelb strahlt.“

Das Kraftwerk als Nachbar

Collins bietet Tee und Kekse an, das Trinkwasser stammt aus Flaschen. Kürzlich hat man Tritium im Grundwasser gefunden, erzählt er. Aus Küchen- und Wohnzimmerfenster ist der nur 1500 Meter entfernte Reaktor nicht zu übersehen. Wie kann man hier leben? Mit dem Atomkraftwerk habe er keine Probleme, sagt Collins. Jedes Jahr erhält er, wie alle Anwohner, einen Kalender des Reaktorbetreibers, auf dessen Rückseite Informationen für den Notfall vermerkt sind.

Wären das Kraftwerk nicht und das Naturschutzgebiet, in dem es steht, wäre alles zugebaut, sagt Collins. Dann wäre Dungeness keine Kieswüste mit einzelnen Häusern, sondern ein dicht besiedeltes Küstengebiet. Doch auch so lassen sich viele Menschen nicht abschrecken, sich anzusiedeln.

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