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Der Mond im Film : Die große Lehre

„Moon“ (2009): Das Spielfilmdebüt von Duncan Jones könnte ein Schulbeispiel sein für künftige Raumfahrtgenerationen. Bild: akg-images / Album / Xingu Films

Vom Hinterfragen unseres Selbst hin zum Ausbrechen aus den Klammern alter Sitten: Eine kurze Geschichte der Filmexpeditionen zum Mond zeigt, was die Menschheit noch lernen muss.

          Ein Rudel bärtiger Umhangträger mit Schultütenmützen lässt sich in einem Gewölbe am hohen Fenster, vor dem ein Teleskop aufgebaut ist, von einem der ihren, der an einer Tafel steht, eine Mondreise erklären. Junge Frauen, teils mit Wagenradhüten, bedienen die Käuze oder sitzen wie Schülerinnen still. Der Mann malt neben eine Erde eine Rakete an die Tafel und verbindet diese mithilfe einer gestrichelten Linie mit dem rechts oben auf derselben Tafel abgebildeten Mond.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Tumult ist die Folge, Spott, man wirft die Hände in die Höhe und hopst herum. Der Instrukteur schlüpft in etwas Praktischeres, dann verlässt das ganze Personal die Hogwarts-Kulisse. In der nächsten Szene wird eine industrielle Fertigungsstätte inspiziert: Kraftvolle Arbeiter bauen eine vorn spitz zulaufende Gewehrkugel von etwa Kleinbusgröße zusammen, hämmern und schrauben. Der Langbart führt seine Kollegen aufs Dach, von wo aus man auf eine Industrielandschaft voller Schlote hinuntersieht und auf einen Startplatz.

          Der wird nun näher gezeigt: An einem Mauerrand steht eine Kanone mit sehr langem Lauf, deren Zündung ein militärisch kostümierter Herr mit Säbel befiehlt. Das Geschoss saust durch die Luft; aus großer Entfernung sehen wir den Mond, ein bleiches Harlekingesicht mit schwarz geschminkten Lippen. Das Raumschiff trifft ihn ins Auge - eine der berühmtesten Einstellungen der Filmgeschichte.

          Schon immer ein Ort voller Mythen

          Der Oberzausel und etwa ein halbes Dutzend seiner Kollegen kraxeln aus dem Gefährt. Der Mond zeigt ihnen, was er für Vulkane hat. Ein Komet fliegt quer durchs obere Bilddrittel. Die Astronauten legen sich schlafen, woraufhin der große Wagen, Phoebe, die Zwillinge und der alte Herr Saturn über ihnen aufleuchten und das Geschehene gestisch und mimisch kommentieren. Schneekonfetti schwebt vom Himmel. Die weitgereisten Herrschaften wachen auf und klettern ins Mondinnere, wo eine Landschaft aus Pilzen, Schwämmen und verwandtem Gewucher auf sie wartet.

          Einer pflanzt seinen Regenschirm in die Erde, der sofort organisch wird und wächst, während ein Mondmännchen erscheint, das auf Händen gehen kann, sich aber bei einem heftigen Notwehrschlag, der es trifft, sofort in Rauch auflöst. Mehr Mondkerle treten auf, Krabben-und-Knochen-Menschen. Sie sind mit Speeren bewaffnet, nehmen die Astronauten gefangen und zerren sie vor ihren König, der auf seinem Thron ganz außer sich gerät, dann aber vom Obergelehrten der Mondexpedition gepackt, zu Boden geschleudert und in einer Qualm-Explosion vernichtet wird.

          Die Abenteurer rennen zurück zu ihrem Raumschiff, das am Rand einer Klippe hängt, klettern hinein, aber bevor es kippen und vom Mond fallen kann, klammert sich eins der Mondwesen hinten an. Das Raumschiff stürzt durchs All bis ins irdische Meer, wo es von Marine oder Küstenwacht geborgen wird.

          Am Ende stehen ein Denkmal für den Oberforscher und eine festliche Parade in Paris, auf der der gefangene Mondmensch am Seil zu allgemeinem Gejohle und Getobe vorgeführt wird wie ein unterworfener Barbarenkönig auf einem Triumphzug in Rom.

          © imdb
          „Le Voyage dans la Lune“ ist ein Film des Regisseurs Georges Méliès aus dem Jahr 1902.

          Eine Angelegenheit für Spieler

          Der ganze Schwachsinn heißt „Voyage dans la lune“ (1902) und ist der erste Welterfolg der Kinogeschichte. Das heißt: mit seinen knapp 16 Minuten in verschiedenen Versionen der erste Film, der von Frankreich bis Amerika gleichermaßen bekannt und gefeiert wurde. Urheber des Films ist der Franzose Georges Méliès, der dieses Werk und viele andere, kürzere, einfachere ähnlicher Art vornehmlich in seinem Theater gezeigt hat, einer Spielstätte für Zauberkunst und sonst wie Verblüffendes.

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