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Möbel-Replikate : Klassiker zum Schnäppchenpreis

  • -Aktualisiert am

Oft kopiert: Plastic Chairs von Charles und Ray Eames. Bild: Hersteller

Gutes Design für alle? Der Markt für billige Designermöbel blüht, doch durch ein neues Gesetz könnte bald Schluss damit sein.

          9 Min.

          Es klingt nach einem wahren Schnäppchen: der DAW Esstisch von Charles Eames für nur 295 statt 369 Euro, online angeboten auf einer Seite, die Designklassiker zum Outletpreis verheißt. Das Angebot verspricht ein edles Untergestell aus Metall und Buchenholz. Schnelle Lieferung, Rückgabe kostenlos. Nur einen Haken gibt es: Diesen Tisch hat Charles Eames nie entworfen. Kenner wissen, dass das „A“ in „DAW“ für „Armchair“ steht.

          Die günstige Offerte für einen vermeintlichen Möbelklassiker ist kein Einzelfall. Ob Wagenfeld-Leuchte oder Tolix-Stuhl – gleich nach was man sucht, im Internet finden sich unzählige Anbieter, die die oft sehr teuren Stücke zum vergleichsweise Spottpreis offerieren.

          Für Hersteller Vitra, der in Europa die Rechte an den Eames-Möbeln hält, ist es schwer, gegen solche Angebote vorzugehen. „Wenn jemand einen Original-Entwurf nimmt und ihn verändert oder verunstaltet, können wir kaum etwas unternehmen“, klagt Designchef Eckart Maise. Allerdings würden potentielle Käufer grobe Abweichungen wie im Fall des „DAW“ Esstisches in der Regel erkennen, ist er sich sicher.

          Die günstigste Ausführung von Arne Jacobsens „Swan Chair“ kostet als lizenziertes Original gut 3000 Euro. Niedrigere Angebote im Netz sollten stutzig machen.

          Schwierig wird es hingegen, wenn der einzige Unterschied zum Original der Preis zu sein scheint. Wenn etwa der Eames Lounge Chair nur 800 Euro kostet, der „Egg Chair“ von Arne Jacobsen nur 750 Euro – Möbel, die im Original aber für um die 5600 Euro zu haben sind. Stühle von Hans J. Wegner, sonst ab 430 Euro bis 2500 Euro, verkaufen manche Online-Shops schon für 175 Euro. Wirklich „billig“ sind auch diese Nachbauten nicht, aber sie kosten eben nur einen Bruchteil des Originalpreises.

          „Re-Editionen“ der Klassiker

          Die Unternehmen, die in Deutschland heute rechtmäßig Originalmöbel anbieten, handeln zwar auch ausschließlich mit Nachbauten oder sogenannten „Re-Editionen“ der Klassiker. Sie tun dies allerdings mit Autorisierung des Designers oder seiner Erben. In Deutschland und fast allen EU-Ländern sind die Werke eines Schöpfers bis 70 Jahre nach dessen Tod urheberrechtlich geschützt. Der Verkauf dieser Klassikern ohne Lizenz ist hierzulande verboten. In England – und bis vor kurzem auch in Italien – ist die Rechtslage noch anders. Während in Italien lange Zeit der Grundsatz galt, dass alles, was Form und Funktion vereine, nicht urheberrechtlich geschützt werden könne, existiert dieser Schutz in England – nur wesentlich kürzer als im Rest Europas. Das Urheberrecht erlischt in England 25 Jahre nach dem ein solches Produkt erstmals auf den Markt kam. Ein Beispiel: Die Entwürfe von Charles und Ray Eames sind in der übrigen EU bis ins Jahr 2058 geschützt, weil Ray Eames 1988 starb. In England ist aber der Lounge Chair seit 1981 nicht mehr geschützt, weil er schon vor mehr als 25 Jahren (1956) auf den Markt kam.

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