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Möbel-Replikate : Klassiker zum Schnäppchenpreis

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So boomt der Markt für unlizenzierte Nachbauten vor allem in Großbritannien. Früher, sagt Maise, seien die fünf, sechs wichtigsten Entwürfe plagiiert worden, heute werde alles wahllos kopiert. „Die Kopisten wissen ja nicht, was sich gut verkauft und was nicht.“ Manchen Kunden ist es egal, ob sie ein Plagiat erwerben oder ein Original. Entsprechend dem Ausspruch von Le Corbusier: „Ein Stuhl ist nie ein Kunstwerk, ein Stuhl hat keine Seele; ein Stuhl ist ein Gegenstand, auf den man sich setzt.“ Bei einigen kommt noch die Genugtuung dazu, den großen Herstellern ein Schnippchen geschlagen zu haben, gerade bei vermeintlich unaufwendig produzierten Möbeln, die nicht länger nur dem Hausstand der Eliten vorbehalten sein sollen. Fast schon symbolisch, dass ausgerechnet Aldi in England jetzt zwei Eames Chairs für 39,99 im Angebot hatte.

Gutes Design zu erschwinglichen Preisen

Vitra-Designchef Maise allerdings glaubt, dass die meisten Kunden einem Irrtum erliegen und annehmen, sie besäßen ein Original. Zumal die Internetseiten der Anbieter professionell gemacht sind. Oft werben sie mit großen Preisnachlässen und dem Leitbild, „gutes Design für jeden erschwinglich zu machen“. Da stehen dann Sätze wie: „Das Geheimnis unserer Organisation ist, dass wir die Produkte direkt bei den Herstellern einkaufen.“ So spare man sich das Geld für „teure Ausstellungsräume“ und könne „zu jeder Zeit das beste Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten.“

Wer als Kunde in Deutschland sogenannte Replikate kauft, macht sich nicht strafbar. Wird allerdings die Lieferung vom Zoll beschlagnahmt, kann sie vernichtet werden. Denn der Spediteur verletzt mit der Einfuhr deutsches Urheberrecht, ihm drohen Geldstrafen oder bis zu drei Jahre Freiheitsentzug. Ein Spediteur aus dem süddeutschen Raum wurde 2012 wegen Beihilfe zur gewerbsmäßigen unerlaubten Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, der Fall ging bis zum Europäischen Gerichtshof. Wer gewerblich Replikate kauft, wird – je nach Land – auch vom Gesetz belangt. Im Herbst musste ein norwegischer Restaurantbesitzer 100 Kopien von Hans Wegners „Round Chair“ vernichten lassen, die er im Internet bestellt hatte. 2013 hatte ein Genfer Geschäftsmann 24 Corbusier-Fälschungen gekauft, die vom Zoll zerstört wurden. Auch wer privat ein Replikat verkauft, kann belangt werden, sofern er es wieder verkauft oder auf dem Papier selbst als Spediteur agiert – eine Methode, die viele englische Anbieter ihren unwissenden Kunden nahelegen.

„Ein Kampf gegen viele Fliegen“

Die meisten Klassiker, also ältere Entwürfe, die ein hohes Maß an gestalterischer Qualität aufweisen, sind durch das Urheberrecht geschützt. Jüngere Stücke sind durch Designrechte geschützt, oder es greift das Wettbewerbsrecht. Wenn es um bekannte Namen geht, bemühen Hersteller auch mal das Markenrecht. Vitra gibt für derlei Anstrengungen gegen „Anbieter, die das geistige Eigentum gewerbsmäßig aushöhlen“, nach eigenen Angaben jedes Jahr einen sechs- bis siebenstelligen Betrag aus. Es sei, sagt Maise, „ein Kampf gegen viele Fliegen“.

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