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Wohnen in Köln : Kalk – steh auf!

Vielseitiges Kalk: In der Trimbornstraße gibt es noch ein paar wenige schöne Altbauten.

„Kalk ist im Moment einer der spannendsten Stadtteile Kölns“, sagt auch Roland Kampmeyer - und meint es völlig anders als Martina Höfflin. Als Immobilienmakler ist Kampmeyer auf den Raum Köln spezialisiert und hat sich mit seiner jährlichen Analyse des lokalen Marktes einen Namen gemacht. Dafür werten er und seine Kollegen gemeinsam mit dem Institut für innovatives Bauen eigene Zahlen, Daten von Online-Plattformen, Zeitungsanzeigen und Daten der Kommune aus. „Die Qualität des Stadtteils ist zwar noch nicht jedem bewusst“, sagt Kampmeyer. „Weil sie aber von immer mehr Menschen erkannt wird, bewegen sich die Mieten schon heute auf das Kölner Durchschnittsniveau zu. Wer Eigentum kaufen will, kann hier vielleicht noch ein Schnäppchen machen. Aber wie lange noch?“

Die Wohnlage sei „einfach zu gut“, um Kalk längerfristig ungünstiger zu bewerten als andere Stadtteile. „Rechtsrheinisch zu wohnen bekommt für die junge, mobile Mittelschicht ein immer besseres Image.“ Nicht zuletzt, weil viele Berufspendler zum Deutzer ICE-Bahnhof oder zum Köln-Bonner Flughafen müssen. Gleichzeitig liege Kalk sehr zentral. Zwei S-Bahn-Stationen vom Dom entfernt; selbst zu Fuß ist die Innenstadt in 30 Gehminuten erreichbar. „Zugegeben, die soziale Durchmischung ist noch nicht wie in den beliebtesten Kölner Vierteln“, sagt Kampmeyer. Aber das werde sich in den nächsten 10 Jahren ändern. Innerhalb der migrantischen Bevölkerung wohnen schon heute viele Menschen mit Aufsteigerkarrieren in Kalk. Passend zum Namen des Stadtteils: „Kalk!“ heißt auf Türkisch: „Steh auf!“

Potential gibt es vor allem im Neubau - etwa auf den alten Industrieflächen des Bezirks. Auf dem ehemaligen Gelände der Chemiefabrik Kalk (CFK) ist schon vor Jahren ein erstes Neubaugebiet entstanden. Dort stehen heute ein Einkaufszentrum, ein kleiner Park und eine Menge Eigentumswohnungen. Viele Kölner empfinden das Areal aber als misslungen: „Die Architektur ist eintönig, der Shopping-Tempel langweilig, die Grünfläche zu klein“, sagt Boris Sieverts, der sich an der Spitze einer Bürgerinitiative für den Stadtteil engagiert - unter anderem um einen geplanten Hubschrauberlandeplatz direkt neben den Neubauwohnungen zu verhindern. Das Gelände habe „keinen Charme“, es erinnere an ein Gewerbegebiet.

Neues Kalk: Auf dem ehemaligen Gelände einer Chemiefabrik stehen nun Eigentumswohnungen.

Für das Ehepaar Eva Wulfert und Karim Haisel zählten andere Argumente. 2012, als ihre Tochter zwei Jahre alt wurde, war ihre 60-Quadratmeter-Wohnung in Deutz auf einmal viel zu eng. Charme hin oder her - im Kalker Neubaugebiet bekamen sie vier Zimmer auf 110 Quadratmetern mit kleinem Garten für damals 240 000 Euro. „Das war ein Schnäppchen“, sagt Wulfert. „Heute würden wir etwa 100 000 Euro mehr für einen identischen Neubau hier in der Nachbarschaft bezahlen.“ Die Nähe zum Deutzer Bahnhof ist eines von Wulferts wichtigsten Argumenten: Beruflich muss sie jeden Tag mit dem Zug nach Neuss, wo sie in der Softwareentwicklung arbeitet. Ihr Mann muss zwar nicht pendeln, in Kalk fühlt sich aber auch er sehr wohl. 1993 aus Marokko eingewandert, schätzt er den Multikulti-Charakter im Stadtteil. „Kalk ist nicht so Schickimicki, nicht so geradlinig, nicht so angepasst“, sagt Eva Wulfert. „Das gefällt uns beiden.“ Trotzdem hat sie viele Freunde, die ihre Entscheidung überhaupt nicht verstehen. „Selbst meine Arbeitskollegen in Neuss haben die Nase gerümpft. Und als hier auf der Straße einmal unser Auto aufgebrochen wurde, sagte der Polizist eiskalt: Nun ja, was kaufen Sie sich auch eine Wohnung in Kalk?“

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