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Farbige Haustüren : Ein buntes Kleid für den Eingang

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Die Haustür verrät viel über denjenigen, der dahinter wohnt. Bild: SZ Photo

Heute müssen edle Türen vor allem schlicht sein. Dabei waren die Öffnungen in der Moderne bunt. Warum nicht wieder mehr Farbe wagen?

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          Ist sie noch draußen oder ist sie schon drinnen? Eine Haustür kann vieles über die Menschen verraten, die dahinter wohnen. Oder die ein bestimmtes Haus einmal gebaut haben. Schnörkel und Zierrat gehörten zum Beispiel vor mehr als einem Jahrhundert noch an jedes bourgeoise Portal. Die Tür, womöglich mit verzierten Scheiben, zeugte von Status. Heute dagegen kann eine Eingangstür nicht eben glatt und reduziert genug sein. Als elegant gilt, schaut man sich einmal neu gebaute Ein- oder Mehrfamilienhäuser genau an, offenbar das, wohinter man sich diskret verbergen kann: Es sind eher dunkle Haustüren, weitgehend ohne Glas, also ohne Einblick, dafür dreifach gesichert gegen ungebetene Gäste von außen oder gegen Zugluft.

          „Bunt“ ist gar kein Thema für Bauherren und Planer, so scheint es. Farbige Türen und Fenster? Eher etwas für Landhäuser, zu verspielt und niedlich für großstädtische Coolness. Als urbaner Trend gelten alle Varianten von Anthrazit oder, sofern die Tür aus Holz ist, ein dunkler, satter Naturton. Das mutet hochwertig und gleichzeitig nachhaltig und modern an.

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          Dabei war es doch gerade die Moderne, die vor einem Jahrhundert Farbe in die Stadt gebracht hat - allem voran bunte Haustüren. Vom Jahr 1913 an verwirklichte der Architekt Bruno Taut erstmals in der Berliner Gartenstadt Falkenberg seine Ideen, mit Farben und Farbspielen ein Gesamtkunstwerk zu errichten. Jede Haustür übernahm ihre eigene Rolle. Kurz darauf war Taut in Magdeburg tätig. Eine kleine Straße birgt dort bis heute das Programm von damals im Namen: Im „Bunten Weg“ stehen Genossenschaftshäuser, so gelb und rot gestrichen wie die gesamte Siedlung „Reform“. An ihren schmalen und eigentlich eher bescheidenen Eingängen drehen die Häuschen, farblich gesehen, dann auch richtig auf.

          Jede Tür, heute sorgsam saniert, ist ein Statement, eine Kombination aus Blau und Grün, Gelb und Rot oder aus grünen und roten Farbfeldern und so fort. 21 verschiedene Kombinationen gab es damals für die immer gleiche Tür mit ihren immer gleichen Kassetten – Taut ließ die Farben auf den einfachen Bauelementen tanzen. Genauso setzte er seine Ideen Mitte der zwanziger Jahre auch in der Hauptstadt um: In der wegweisenden Hufeisen- und der Onkel-Tom-Siedlung sollte das Wohnen für die Massen in den neuen Großsiedlungen durch solche Individualisierungen wie die Farbenspiele auf Türen und Fenstern etwas menschlicher werden.

          „Wir sollten wieder mehr Taut wagen, es würde helfen“

          Doch sind Tauts Ideen noch aktuell? Was haben die schön sanierten, als Weltkulturerbe geschützten Taut-Siedlungen mit unserem aktuellen Neubaugeschehen und dem Stil unserer heutigen Hauseingänge und Haustüren zu tun? „Wir sollten wieder mehr Taut wagen, es würde helfen“, wirft da sofort der Berliner Architekt Winfried Brenne ein. „Farbe ist solch ein günstiger Informationsträger. Man kann mit einfachen Mitteln viel für eine gute Baukultur bewirken“, sagt der Planer. Seit Jahrzehnten befasst er sich mit dem Tautschen Erbe, er hat bei vielen Sanierungen der Siedlungen die Regie geführt. Brennes Credo: Angesichts der riesigen Wohnungsbauprogramme, die derzeit in Deutschland bewältigt werden müssen, seien die Farbenlehren von einst aktueller denn je. Sie könnten helfen, neue Siedlungen qualitätvoller zu gestalten, als dieses sonst der Fall ist.

          Mut zur Farbe beweisen die Bewohner dieses Doppelhauses in einer Berliner Wohnsiedlung. Bilderstrecke

          Man sollte Großprojekte zum Beispiel mit hölzernen, ökologisch korrekten Bauelementen ausstatten, selbst wenn die Kosten niedrig bleiben müssen. Allein die schiere Zahl der Serienbauteile helfe dabei. Vor einem Jahrhundert ließ Bruno Taut alle hölzernen Türrahmen und Türblätter mehrfarbig nach seinen Konzepten lackieren, ebenso die Fenster und Fensterrahmen. Das geschah von Hand und erst vor Ort, auf der Baustelle, Strich für Strich mit dem Pinsel. Heute dagegen könnte alles fix und fertig aus einer Fabrik angeliefert werden, in welcher Farbvariation auch immer. Alles lässt sich vorher programmieren.

          Und erst die positiven psychologischen Effekte, die eine hochwertigere Architektur für alle jene bringe, die später darin lebten! Darauf hofft jedenfalls Winfried Brenne. Für den erfahrenen Planer sind Holztüren immer noch die beständigsten Türen. Sie hätten klare Vorteile gegenüber Bauteilen aus Aluminium, ganz zu schweigen von Kunststoffmodellen. „Man kann Holz immer wieder gut reparieren“, sagt Brenne. Eine Tür sei schließlich ein stark beanspruchtes Bauteil. „Holztüren sind die zukunftsfähigsten“, ist er überzeugt.

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