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Denkmalschutz in den Bergen : Schätze im Hochgebirge

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Denkmal und Schutz: Ansicht auf das Brandenburger Haus, die höchstgelegene Hütte des Deutschen Alpenvereins Bild: Deutscher Alpenverein

Die Schutzhütten in den Alpen stehen nun selbst unter Schutz: Seit Jahrzehnten nicht verändert, sind sie wertvolle Dokumente der Architektur geworden.

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          Fünf schweißtreibende Stunden liegen hinter uns. Am Vormittag sind wir in dem kleinen Dorf Vent im hintersten Ötztal aufgebrochen. Gemütlich ging es erst an einem felsigen Hang entlang und in sanfter Steigung bis zum Hochjoch Hospiz und dann etwas steiler den Berg hinauf. Jetzt stehen wir am Rand eines riesigen Gletschers.

          Ein kalter Wind pfeift über das Hochplateau, die Wolken hängen tief. Wir binden uns die Klettergurte um die Hüften und legen die Steigeisen an. Eine Stunde werden wir mit einem Seil verbunden und im Schneetreiben quer über die von Spalten durchzogenen Kesselwandferner unterwegs sein, bis wir unser Ziel erreichen: das Brandenburger Haus, auf 3277 Meter die höchstgelegene Hütte des Deutschen Alpenvereins (DAV) und seit kurzem denkmalgeschützt.

          Ein „majestätisches Gletscherschloss“

          Das Brandenburger Haus sei eines „der wenigen unverfälscht erhaltenen Beispiele für den Typus einer im Hochgebirge errichteten Schutzhütte, die die Erschließung der Ötztaler Alpen für den Bergtourismus dokumentiert“, heißt es im Bescheid des Bundesdenkmalamtes in Wien. Weil Bauen im Hochgebirge trotz Hubschraubern auch heute noch schwierig ist, steht die Hütte seit ihrer Errichtung weitgehend unverändert oberhalb des Kesselwandferners.

          Ein Großteil der Kastenfenster ist original erhalten, zwei Stühle, in deren Lehne die Namen der Spender eingeschnitzt sind, die Holzvertäfelung in der Gaststube und auch die Ausstattung der Zimmer in den Obergeschossräumen. Das alles zusammen macht das Brandenburger Haus zu einem denkmalpflegerischen Schatzkästchen. Touristiker beschreiben das Brandenburger Haus blumig als „majestätisches Gletscherschloss“.

          Auf uns wirkt die Hütte wie eine aus Bruchsteinen erbaute Burg, die Wind und Wetter trotzt, vier Stockwerke hoch, mit Satteldach, außen herum Gletscher, die in den vergangenen hundert Jahren deutlich an Mächtigkeit verloren haben, und Berge, die noch immer in ihrer schlichten Schönheit in den Himmel ragen wie vor hundert Jahren und deren Namen weithin bekannt sind: Weißkugel, Similaun, Wildspitze.

          Geschichte in den Bergen: eröffnet am 15. August 1909

          Mit den Bauarbeiten für die Hütte wurde 1905 begonnen. Ein mühsames Unterfangen war das damals. Steine gab es um den Bauplatz herum genug. Aber Zement, Teerpappe, Bauholz, Werkzeug, Verpflegung für die Bauarbeiter, sogar die schweren Balken für den Dachstuhl - alles musste auf dem Rücken von Männern hinaufgetragen werden.

          Damit nicht genug. Das extreme Wetter unterbrach auch im Sommer immer wieder die Bauarbeiten. Der Schnee, der während des Baus in den Keller der Hütte fiel, bildete eine Art Gletscher, dessen Reste erst 1983 beseitigt werden konnten. Der Dachstuhl, der abgebunden auf dem Kesselwandferner lag, wurde von einem Wintersturm hinweggefegt. Eröffnet wurde das Brandenburger Haus schließlich am 15. August 1909.

          In den Alpen gibt es nur wenige Schutzhütten, die unter Denkmalschutz stehen. In Südtirol sind es zwei. Im schweizerischen Kanton Uri, wo es insgesamt 28 Berghütten gibt, sind drei als schutzwürdig erfasst, und weitere sieben unterliegen einem besonderen Schutzstatut, wie Artur Bucher erklärt, der Kantonale Denkmalpfleger von Uri. So groß wie in Tirol ist der Eifer der Denkmalpfleger derzeit aber nirgends.

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