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Untergrund im Bad : Anstoß zur Bodenreform

Von Format: Fliesen aus Feinsteinzeug setzen sich durch, denn der Wunderstoff kann mit unterschiedlichster Optik aufwarten. Bild: Mutina

Im Badezimmer liegt eine neue Vielfalt: Zwar herrscht noch die Fliese, aber auch Holz, Naturstein und Beton sind in die Nasszelle eingezogen. Sie verleihen dem Bad Wärme und Industriecharme.

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          Eine Chaiselongue, gegenüber vom Waschbecken postiert, macht das Bad noch nicht zum Wohnzimmer. Denn wer von dort aus auf die kaltweißen Baumarktfliesen an der Wand gegenüber blickt, fühlt sich an den letzten Krankenhausaufenthalt erinnert und entspannt nicht – sondern beeilt sich. Dafür, ob das Bad zum erweiterten Wohnraum wird, sind nicht in erster Linie Möbel und Objekte entscheidend, sondern Wand und Boden: Behaglich sollen die Oberflächen sein, nicht mehr nur zweckmäßig.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch trotz aller Wohnlichkeit bleibt das Bad Nasszelle, wo Wasser an die Wand spritzt und auch einmal auf dem Boden stehenbleibt. Das Zimmer wird feucht und trocknet, es wird geheizt und kühlt wieder ab. Das verlangt den Materialien einiges ab. Zudem sollen sie nicht nur schön aussehen, sondern sich auch gut anfühlen. Denn der Badnutzer ist die meiste Zeit nackt, läuft barfuß und kommt dadurch viel direkter in Kontakt mit den Oberflächen als in Wohnzimmer oder Küche, wo den Körper noch mindestens eine Stoffschicht umhüllt.

          „Einen Bodenbelag kann man nicht über ein Bild aussuchen. Den muss man anfassen“, sagt Stephan Krischer vom Kölner Badstudio Ultramarin. Die Sehnsucht nach mehr Behaglichkeit hat dazu geführt, dass Materialien ins Bad eingezogen sind, die dort früher nicht eingesetzt wurden: Holz zum Beispiel, Tapeten oder auch Leder und Textilien. Doch trotz aller Vielfalt kommen in Deutschland immer noch in erster Linie Fliesen auf den Boden. Wer bei dem Wort erst einmal zusammenzuckt und an die traurigen Keramikquadrate seiner Kindheit denkt, der sei beruhigt: Sie existieren in den dunklen Ecken der Fliesenmärkte zwar noch immer, aber daneben auch noch Tausende andere Möglichkeiten.

          Feinsteinzeug: Ein Wunderstoff für's Bad

          Die Fliesen von heute bestehen zum Großteil aus Feinsteinzeug, einem Material, das unter hohem Druck gepresst, bei bis zu 1300 Grad gebrannt und über eine besonders niedrige Wasseraufnahme von weniger als 0,5 Prozent verfügt. Dieser Wunderstoff kann fast alles: aussehen wir Naturstein, eine reliefartige Struktur bekommen, mondän glänzen oder sich matt im Hintergrund halten, und das alles in Formaten von felsengroß bis mosaiksteinklein. Kein Wunder, dass die unendlichen Möglichkeiten auch immer mehr bekannte Designer reizen, sich mit der Fliese zu beschäftigen. Für den italienischen Hersteller Mutina haben schon viele große Namen entworfen – von Patricia Urquiola über Konstantin Grcic bis zu den Gebrüdern Bouroullec. Überhaupt, die Italiener. „Die interessantesten Hersteller kommen meiner Ansicht nach aus Italien“, sagt Krischer. Sie seien technisch extrem gut, was sich vor allem in den vielfältigen Oberflächenstrukturen zeige. Auch der Hersteller Brix stammt von dort. Brix stellt nicht nur die Micromosaiksteinchen im Maße 5 mal 5 Millimeter her, wohl die kleinsten Fliesen der Welt, sondern auch Fliesen mit Oberflächen aus Schiefer oder Sandstein.

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