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Crowdfunding : Aus Luft und Liebe gebaut

Ohne Grenzen: Die leichtgewichtigen Module könnten bis zum Himmel wachsen. Bild: virtua73 - Fotolia

Ein Regalsystem, das auch als Hocker oder Tisch dienen kann, drinnen und draußen einsetzbar ist und obendrein nur ein paar hundert Gramm wiegt – das war die Idee zu „Build“. Ein Stuttgarter Unternehmen machte daraus das erfolgreichste Möbel-Crowdfunding-Projekt der Welt.

          Das Ziel waren 100.000 Dollar. Am Ende kamen sogar 110.885 Dollar zusammen. Und das für ein Produkt, das noch nicht einmal auf dem Markt war und überwiegend aus Luft besteht. Doch die Idee, ein Möbelstück in Serie herzustellen, das nicht nur ein modulares Regalsystem ist, sondern auch Raumteiler, Hocker und Tisch sowie Transport wie Aufbewahrungskiste sein kann, das drinnen und draußen einsetzbar ist, das total stabil ist und doch nur ein paar hundert Gramm wiegt, war so überzeugend, dass Tausende Kunden „Build“ vorbestellten und zugleich vorfinanzierten.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Crowdfunding, also Schwarmfinanzierung, ist in Deutschland noch nicht so bekannt, in Amerika aber eine fast schon verbreitete Form des Geld-Einsammelns, um neue Projekte von zum Beispiel Künstlern bis hin zu Startup-Unternehmen auf den Weg zu bringen. Darum auch warb das Stuttgarter Unternehmen Movisi auf der amerikanischen Crowdfunding-Internetseite Indiegogo für sein Produkt. Der Erfolg gibt Natascha Stojanovic recht: „Build“ ist das mit Abstand erfolgreichste Möbel-Crowdfunding-Projekt auf der ganzen Welt. „Noch im Oktober“, sagt die Geschäftsführerin von Movisi, „kommt unser Regalsystem auf den Markt.“ In Amerika, Deutschland und auch im Rest der Welt. Die Produktion ist gesichert, denn mit den 100.000 Dollar kann Movisi die beiden Aluminiumformen kaufen, mit denen die Regalteile künftig seriell in Form gebracht werden.

          „Sie können es bedenkenlos essen“

          „Build“ besteht zu 100 Prozent aus Arpro, aus expandiertem Polypropylen (EPP). Der gehärtete Kunststoffschaum enthält 95 Prozent Luft. Damit erklärt sich, warum ein Modul, das 52 Zentimeter lang und 38,5 Zentimeter breit ist, nur etwa 700 Gramm wiegt. Eingesetzt wird EPP vor allem in der Automobilindustrie, es findet sich zum Beispiel in Stoßstangen. Das Material verformt sich unter Druck zwar, geht aber auch immer wieder in seine alte Form zurück. Wie auch alle anderen Möbel von Movisi, die unter anderen von Karim Rashid, Peter Marigold, Frederik Van Heereveld und Antoine Phelouzat stammen, ist das modulare Regalsystem zu 100 Prozent recyclebar und schadstofffrei. „Sie können es sogar bedenkenlos essen“, sagt Stojanovic. Auf Dauer gesund wäre das aber wohl nicht. Und wo täte man dann seine Bücher hin?

          Der Name „Build“ verrät eine der Grundideen hinter dem Möbel, das die Briten Jack Godfrey Wood und Tom Ballhatchet entworfen haben: Es lässt sich beliebig aufbauen, die organische Form fügt sich in endlose Waben zusammen. „The Sky’s The Limit“, lautet ein Slogan für „Build“. Dabei können die einzelnen Teile so ineinander gefügt werden, dass die Böden immer horizontal sind und den gleichen Abstand zueinander haben. Für Halt sorgen Kunststoffklammern, mit denen sich die Teile auf der Rückseite verbinden lassen. Die Module (eines für 49 Euro) gibt es in einer geschlossenen oder offenen Variante.

          Besonders getüftelt haben die „Build“-Bauer an der Oberfläche ihres Produkts. EPP erinnert unbehandelt an Styropor mit seiner billig aussehenden Kügelchenoptik. Um diesen Eindruck zu vermeiden, wird die Oberfläche nun geätzt. Das gibt dem Material einen geradezu edlen Touch. Fast könnte man meinen, dem Kunststoff sei eine gegerbte Lederhaut übergezogen worden.

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