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Chelsea Flower Show : Blühende Phantasie

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Florale Haute Couture: Ob Garten – oder Blütenpracht – was sich auf der Chelsea Flower Show lässig gibt, folgt stets einem strengen Entwurf. Bild: Reuters

Auf der großen Gartenschau in London liebt man es natürlich: Der Fingerhut passt sich im grünen Ensemble gut an – doch er bekommt nun verstärkt Konkurrenz von Farnen.

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          Wenn es eine Universalpflanze gibt, die in jeden Garten passt, ist es der Fingerhut. Kaum ein Schaugarten der alljährlichen Chelsea Flower Show in London kommt ohne ihn aus. So auch in diesem Jahr. Mal steht er verwunschen unter Birken, mal romantisch zwischen Rosen und Clematis oder als eleganter Akzent zwischen Formschnitt-Gehölzen.

          „Fingerhut ist in Chelsea immer populär“, sagt Mary Baker. „Denn er blüht zuverlässig um diese Jahreszeit und ist markant.“ Die Gärtnerin hat Erfahrung. Sie und ihr Mann betreuen in ihrer „Botanic Nursery“ die nationale Kollektion der Fingerhüte in Großbritannien. Doch die Zuverlässigkeit allein erklärt nicht die Beliebtheit der Pflanze, die in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist. Vor allem die Vielseitigkeit der foxgloves, wie sie im Englischen heißen, scheint eine Rolle zu spielen: Mal sehen sie wild aus, wie frisch aus dem Wald – das sind vor allem die zweijährigen Fingerhüte, die sich selbst versamen und ihren Platz im Garten suchen, erklärt Mary Baker.

          Mal sind sie aber auch pompös aufgeplustert, haben besonders große Blüten und tragen Sortennamen wie „Candy Mountain“. Das sind die Hybriden, die zwar steril sind, dafür aber als Stauden bis zu vier Jahre alt werden und viele Monate am Stück blühen. Bei solchen Namen und entsprechenden Anmutungen graust es allen, die den naturalistischen Stil bevorzugen. Diese Hingucker sind jedoch ideal für jene, die auf Blütenpracht ohne Wenn und Aber setzen.

          Natur als Vorbild für Gärten

          Was ein schöner Garten ist, bleibt Ansichtssache. Doch wird die Bandbreite dessen, was als Garten zu verstehen ist, immer größer. Längst ist es nicht mehr nur eine Anordnung von Rasen, Blumen, Sträuchern und Bäumen oder auch Gemüsereihen. Sogenannte Präriebeete und Matrixbepflanzungen geben seit Jahren eine andere Richtung vor, hier darf es kunterbunt gemischt zugehen. Geblickt wird, mit ästhetischem Auge, auf die Kombination von Pflanzen, die gut miteinander auskommen. Gerne wird die Natur als Vorbild zitiert, allerdings meist ohne zu vertiefen, um welche Natur es sich dabei handeln soll. Denn fast alles, was heute darunter verstanden wird, ist menschengemacht.

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          Ein Garten ist immer natürlich, denn die Pflanzen, die in ihm leben, tun das, was ihre Natur ist: Sie wachsen – oder eben nicht, wenn es ihnen am Standort nicht gefällt. Ein Garten ist aber immer auch ein Stück Kultur, denn wären hier nicht menschliche Hände kultivierend am Werke, so wäre es kein Garten, sondern Land. Seit die Natur – verstanden als selbständige Kraft und interessantes Zufallselement – immer mehr in die Gärten eingeladen wird, verwischen die Grenzen. Gärtner und Gartendesigner nehmen sich zurück, spielen mit dem Versamen von Pflanzen, dem knorrigen Wachstum mancher Gehölze, der Ästhetik des Abgestorbenen.

          So auch bei der Chelsea Flower Show. Seit einigen Jahren berufen sich die Designer auf Landschaften, die sie in ihren Gärten zitieren. Je gekonnter dies geschieht, desto überzeugter ist das Publikum – und die Jury, die die Gärten nach einem strengen Punktesystem beurteilt. Das Abbild eines verwilderten Felsengartens, das Designer Dan Pearson im vergangenen Jahr nach Chelsea zauberte, wurde zum besten Garten der ganzen Show gekürt. Auf der diesjährigen Schau traten mehrere Designer in seine Fußstapfen.

          Egal wohin der Trend geht, ohne den Fingerhut geht auf der Gartenschau nichts.
          Egal wohin der Trend geht, ohne den Fingerhut geht auf der Gartenschau nichts. : Bild: Ina Sperl

          James Basson, in Südfrankreich arbeitender Brite, erschuf ein Stückchen Provence, die vor allem in der heißen Mittagssonne täuschend echt wirkte: den Randstreifen eines Lavendelfeldes, das in ein Wäldchen übergeht. Aus kargem steinigen Boden sprießen Gräser und Mohn, alles, was auch tatsächlich vor Ort wachsen würde. Ein gerupft aussehender Mandelbaum und mehrere junge Eichen spenden Schatten, und irgendwo unter Bäumen steht auch Gelber Fingerhut. Weiße Schneckenhäuser, typisch für die Provence, runden – scheinbar achtlos verteilt – das naturalistische Bild ab.

          „Farne liegen definitiv im Trend“

          Cleve West, bekannt für seine hervorragenden und regelmäßig mit Gold ausgezeichneten Gärten, interpretiert das Thema Felsen neu. Seinen Entwurf lehnt er an die Landschaft Exmoors an, in der er seine Teenager-Jahre verbrachte. Als Abbildung will er seinen Garten jedoch keinesfalls verstanden wissen, eher ein „Feiern seiner Erinnerungen“ an diese Gegend – daher erlaubt er sich auch die künstlerische Freiheit, Pflanzen zusammenzustellen, wie es ihm gefällt, vom Porzellanblümchen bis zur Flaum-Eiche. West zeigt, wie sich Felsen, zum Teil mit Vogeltränken-Mulden versehen, auch in den etwas kleineren Garten integrieren lassen, umspielt von der Draht-Schmiele und dem Pyrenäen-Storchschnabel. Als Fingerhut hat er die Wildform Digitalis grandiflora gewählt. Im Schatten einer Eiche, an einem feuchten Standort, wachsen Hirschzungen- und Wurmfarn.

          Der Schaugarten des Designers Cleve West trifft den Nerv der Zeit.
          Der Schaugarten des Designers Cleve West trifft den Nerv der Zeit. : Bild: Ina Sperl

          Damit treibt West einen weiteren Chelsea-Trend voran: Farne rücken zunehmend in den Blick der gärtnerisch interessierten Öffentlichkeit. Sie wachsen in Ecken, die im Garten bisher oft unbeachtet blieben, tauchen daher immer wieder auf, wenn nach einer passenden Pflanze für einen solchen schattigen Standort gesucht wird. So widmet sich ein Stand im großen Ausstellerzelt, Bowdens, den Pflanzensammlern der Viktorianischen Zeit, in der Farne besonders hoch im Kurs standen.

          Etliche Spezies sind ausgestellt, die Dick Hayward, Farn-Sammler der heutigen Zeit, pflegt und vermehrt: von großen glattlaubige Exemplaren bis zu silbrigen mit weichen, feinen Wedeln. „Farne liegen definitiv im Trend“, bestätigt Peter Lillington von der Gärtnerei Wynford Farm Plants, der seine Exemplare aus den Wildpflanzen zieht, die er an seiner Farm gefunden hat. „Sie sehen urweltlich aus, skulptural und machen sich gut als Unterpflanzung.“ Archaisch, wenn sich im Frühjahr die Wedel aus der Erde schieben, natürlich anmutend, aber auch architektonisch und als ideale Ergänzung im modern-minimalistischen Garten könnten sie das Pendant zum Fingerhut sein. Ein Trend, den im Blick zu behalten lohnt.

          Die wichtigsten drei Chelsea-Trends

          Blüten „Es gibt wieder mehr Blüten“, hat nicht nur Fernsehgärtner Monty Don in diesem Jahr festgestellt. Nach Jahren voller Wiesenkerbel und anderer feiner Dolden ging es in dieser Saison auf der Chelsea Flower Show wieder bunt in den Schaugärten zu – vor allem bei Diarmuid Gavin, dessen Cottage-Beete mit rosa Rosen, weißem Fingerhut, blauem Storchschnabel und orangefarbenen Steppenkerzen so appetitlich aussehen wie ein Bonbongeschäft. Dezentere Lieblingskombination mehrerer Designer: Geum „Mai Tai“ und Zittergras (Brizia media).

          Mehrstämmige Gehölze Mehrstämmiges und Nadelgehölze geben Struktur. Für naturalistisch gestaltete Gärten bieten sich mehrstämmige junge Bäume wie Birken oder Eichen an. Weißdorn wird in diesem Jahr von vielen Designern gerne verwendet – nicht nur seiner Anmutung, sondern der weißen Blüten wegen, die im Frühjahr Insekten anziehen, und der roten Früchte im Sommer. Aber auch Kiefern erleben ein Comeback: Lange Zeit waren sie kaum in Schaugärten zu finden, fügen sich aber optimal in Bepflanzungen für trockene Standorte ein.

          Wasser und Stein Die Verbindung von Wasser und Stein ist eine glückliche: ob leise plätschernder Wasserfall aus warm wirkendem Sandstein wie bei Cleve West oder dekoratives Bächlein in einem klaren steinernen Bett wie im Garten von Jo Thompson. Dezent und auf leises Glucksen reduziert ist ein Bachlauf zwischen Kieseln im Garten von James Basson, was sich auch im kleinen Garten umsetzen lässt. Große Elemente wie Felsen wirken am besten kontrastreich kombiniert mit feinen Pflanzen.

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