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Kohls Chauffeur : Der getreue Eckhard

Seebers Frau Hilde, mit der er drei Kinder hat, war in all der Zeit zu Hause. Aber die heute Sechsundsiebzigjährige hatte eine Schicksalsgenossin: Hannelore Kohl, die Ehefrau des Bundeskanzlers. Sie war den Seebers Ende der siebziger Jahre bei ihrem Hauskauf behilflich gewesen, indem sie, wie Hilde Seeber sagt, „darauf achtete, dass der Bankkredit Hand und Fuß“ hat. Etwa zu der Zeit wurde bei den Kohls auch die Stelle der Haushälterin frei. Eckhard Seeber schlug vor, seine Frau könne das übergangsweise machen. Dass daraus gut 30 Jahre wurden, hatte nicht zuletzt mit Hannelore Kohl zu tun. Hilde Seeber hat für sie nur gute Worte übrig. Auch in dieser Beziehung herrschte Klarheit darüber, wer Chef und wer Angestellter ist. Aber Hannelore Kohl gehörte nicht zu der Sorte Mensch, die das ständig dokumentieren muss. Sie suchte auch den privaten Kontakt. So unternahmen die beiden Frauen aus Anlass von Hilde Seebers fünfzigstem Geburtstag und auf Einladung von Hannelore Kohl eine mehrtägige Reise nach Paris.

Der jähe Abschied von Kohl

2001 war es Hilde Seeber, die Hannelore Kohl tot in ihrem Bett fand. Die Frau des Kanzlers, die schwer unter ihrer Lichtallergie litt, hatte sich das Leben genommen. Sieben Jahre später, 2008, war es Eckhard Seeber, der Helmut Kohl nach seinem schweren Sturz ins Krankenhaus fuhr. Es war die letzte gemeinsame Fahrt.

Seeber zeigt uns ein Foto aus dem Jahr 2005. Der Altkanzler, noch vital, habe ihm bei der Gelegenheit gesagt: Selbst wenn das Kanzleramt irgendwann einmal sagen werde, jetzt sei es vorbei mit der Bezahlung eines eigenen Fahrers, dann werde er seinen „Ecki“ eben privat finanzieren. Drei Jahre später, als Kohl sich in der Reha von seinem Sturz erholte, verlangte seine heutige Ehefrau die Autoschlüssel von Seeber. Seine Dienste würden nun nicht mehr benötigt. Zum jähen Abschied von seiner Lebensaufgabe empfing Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn und seine Frau eine halbe Stunde zum Kaffee im Kanzleramt. Das fanden die Eheleute Seeber sehr nett. Aber ein Trost war es nicht.

Die letzte Begegnung mit Helmut Kohl

Eckhard Seeber ist ein anständiger Mann. Manch anderer, der so viele berühmte Leute trifft, so viele Geheimnisse kennt, führt Tagebuch und schreibt irgendwann ein Enthüllungsbuch, wenigstens seine Memoiren. Seeber hat das nicht getan. Als er sich 2012 in der Zeitschrift „Bunte“ darüber beklagte, dass man ihn nicht mehr zu Helmut Kohl lasse, wollte er keinen Skandal provozieren, obwohl er unmissverständlich klar machte, in wem er den Verantwortlichen oder besser: die Verantwortliche für seinen Schmerz und die Entfremdung von seinem so hoch geschätzten früheren Chef sah. Er hoffte vielmehr auf eine Reaktion von „drüben“. Aber die blieb aus.

Die Seebers zeigen uns noch ein weiteres Foto, es stammt aus dem Jahr 2010, vom Empfang der Stadt Ludwigshafen und des Landes Rheinland-Pfalz zum 80. Geburtstag des Altkanzlers. Die Einladung dazu kam nicht von „drüben“, sondern von der Oberbürgermeisterin. Das Foto zeigt Hilde und Eckhard Seeber, wie sie dem im Rollstuhl sitzenden alten Mann die Hand reichen. Er lächelt, angestrengt zwar, aber doch. Das war die letzte Begegnung. Die Seebers haben sich mittlerweile damit abgefunden, dass es dabei vermutlich bleiben wird. Geholfen hat ihnen, dass „Ecki“ wieder als Chauffeur arbeitet - für den Enkel des Freiherrn.

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