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Berühmtes Buswrack : Raus aus der Wildnis

  • -Aktualisiert am

Nach McCandless Tod wurde das Wrack zur gefährlichen Touristenattraktion Bild: EPA

Jon Krakauers Buch „Into the Wild“ löste einen Hype aus, seitdem pilgerten viele Abenteurer zu Alaskas berühmtesten Bus-Wrack. Einige starben dabei. Nun ist der Bus abtransportiert worden.

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          Die Todesmeldung war anfangs nur eine Randnotiz in der Zeitung. „Noch weiß man nichts über die Identität des Mannes“, meldete die Nachrichtenagentur AP, als im Spätsommer 1992 ein Leichnam in einem verlassenen Bus auf dem Stampede Trail in Alaska, einem trostlosen Stück Hinterland in der Nähe von Denali, gefunden wurde. „Aber sein Tagebuch erzählt die Geschichte eines verzweifelten Überlebenskampfes.“

          Es war die Geschichte von Christopher McCandless, einem Mann Anfang 20, der sein gut situiertes Elternhaus an der amerikanischen Ostküste verließ, um im Geiste Tolstois und Thoreaus ohne die Lasten des Wohlstands – und weitgehend ohne Hilfsmittel – zu leben. Seine Odyssee in der Wildnis Alaskas wurde später mit dem Buch „Into the Wild“ von Jon Krakauer zum Bestseller. Es machte McCandless postum zum wohl berühmtesten Aussteiger der Welt und für viele Abenteurer zur Projektionsfigur ihrer Träume. 2007 wurde sein Schicksal von Sean Penn verfilmt.

          Hunderte verirrten sich bei der Suche nach dem „magischen Bus“

          Unter Bewohnern der Gegend war McCandless nicht wohlgelitten, galt als naiv und selbstmörderisch. Hinzu kam, dass der Bus, in dem er die letzten 113 Tage vor seinem einsamen Hungertod verbrachte, unzählige Schaulustige anzog. Doch vielen fehlte es am Respekt vor der Wildnis. Zwei Frauen ertranken beim Versuch, den „magischen Bus“ zu erreichen (2010 und 2019), mehr als ein Dutzend Abenteurer musste allein seit 2007 gerettet werden. Hunderte haben sich in all den Jahren verirrt und verletzt.

          Der Bus sei nun an einen „sicheren Ort“ gebracht worden, hieß es von den Behörden.
          Der Bus sei nun an einen „sicheren Ort“ gebracht worden, hieß es von den Behörden. : Bild: dpa

          Im März hatte sich die Bezirksversammlung von Denali deshalb einstimmig für den Abtransport des Wracks ausgesprochen – aus Gründen der allgemeinen Sicherheit. Der Bus, Baujahr 1946, war ursprünglich von der Stadt Fairbanks im Linienverkehr genutzt worden und kam 1960 in die Wildnis, um Mitarbeiter während des Baus einer Zufahrtsstraße zu beherbergen.

          Am Donnerstag wurde er von zwölf Nationalgardisten, unter ihnen Piloten, Flugingenieure und Mechaniker, im Rahmen einer Ausbildungsmission abtransportiert. Mit einem Schwerlasthubschrauber vom Typ Chinook CH-47 flogen sie den Bus zu einer Kiesgrube, wo er auf einen Anhänger verladen und an einen „sicheren Ort“ gebracht wurde. Sein Verbleib ist unbekannt. Die Schwester von Christopher McCandless sagte der „New York Times“, sie sei „bestürzt“ über die Nachricht gewesen. „Dennoch bin ich überzeugt, dass die Beteiligten aus bester Absicht gehandelt haben.“ Ein Koffer mit Memorabilia aus dem Bus wurde der Familie übergeben.

          Krakauer sagte der „Washington Post“, er hätte sich gewünscht, dass der Bus an Ort und Stelle hätte bleiben können. Er habe einst selbst sein Leben riskiert, um den Bus zu finden. Damals fand er Bücher und die Zahnbürste von McCandless vor, auf einem Herd lag eine Jeans zum Trocknen. Er fühle sich mitverantwortlich für die Unfälle vieler Abenteuer. „Ich habe das Buch geschrieben, das alles ruiniert hat.“

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