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Deutsche Eigenheit : Buddha im Baumarkt

  • -Aktualisiert am

Immer mehr Buddhas zieren deutsche Gärten. Bild: Gundula Werger

Gartenzwerge sind out, heute stehen Buddhas als Hingucker in deutschen Gärten. Ist das postkoloniales Erbe oder einfach paranormal?

          5 Min.

          Zu Buddha kann man sitzend finden, so versuchen es die meisten, mit gefalteten Händen, oder mit einer Hand auf der Erde, um Verbundenheit auszudrücken. Man kann auch liegen, das ist weniger anstrengend, aber beklemmend, weil man dabei an die Position von Sterbenden denken soll. Stehen geht auch. Oder man rollt sich zu einer Kugel zusammen und weint dabei. Falls vorhanden, kann man auch seinen Bauch umarmen oder sich einen Gymnastikball unter das Meditationsshirt stecken – und Tränen lachen. Irgendwann kommt dann die Erleuchtung. Doch selbst bei Siddhartha Gautama hat das Jahre gedauert bis er Buddha wurde.

          Schneller findet man zu Buddha in deutschen Baumärkten. Dort sind sie in großer Zahl im Angebot, in vielfältigen Materialien von Polyresin bis Naturstein, UV- und frostbeständig und in allen oben genannten Positionen. Buddha, der Erleuchtete, geht gut über die Ladentheke. Wer kauft so was? Die Verkäufer beteuern, dass die Käufer ganz normal aussehen, jedenfalls nicht wie Buddhisten. Aber was qualifiziert einen Baumarkt zu einem solchen Angebot? Nicht einmal in Lateinamerika, wo man christliche Devotionalien kiloweise und gern auch aus Plastik erwerben kann, findet man sie in Baumärkten. Wissen denn die Verkäufer, worauf sie sich da einlassen, wenn sie Erleuchtung statt Beleuchtung feilbieten?

          Den Gartenzwerg verdrängt

          Bei Rasendünger kann man den Kunden immerhin warnen, dass es an den Füßen brennt, wenn man den Rasen nach dem Düngen barfuß betritt. Der Rasendünger steht in einer Vitrine, weil er giftig ist. Doch kein deutscher Baumarkt-Fachverkäufer kann vorhersagen, was geschieht, wenn ein Buddha auf dem Rasen steht. Ein Buddha wird im Baumarkt ohne Beipackzettel verkauft, als hätte er keine Nebenwirkungen. Als ginge es hier nicht um die Befreiung der geknechteten Seele. Manchen Baumärkten scheint das unheimlich zu sein. Jedenfalls tun sie so, als würden sie gar keine Buddhas verkaufen. „Bauhaus“ verspricht in seiner Werbung, Gartenfiguren machten jeden Garten einzigartig. Ist Buddha eine Gartenfigur? Jedenfalls kann man ihn unter der Rubrik kaufen. Weiter steht dort: „Mit Gartenfiguren wird Ihr Garten in jedem Fall zum Hingucker für Ihre Gäste, und Sie können all die possierlichen Vögel, Engel oder Zwerge auch in Ruhe von Ihrem Liegestuhl aus betrachten.“ Doch Zwerge sind hier gar nicht im Angebot, dafür aber ein meditierender Frosch. Und eben Buddhas, vom Teelichthalter für 3,99 bis zum Steinkopf für knapp 50 Euro. Als Hingucker. Buddhisten schauen eher angewidert weg. Denn abgeschlagene Buddha-Köpfe kamen zur Kaiserzeit als Trophäen nach Deutschland. Irgendwo blieb dann eine kopflose Statue zurück. Heute sind es zwar nur serienmäßig hergestellte Kopien von Buddhas Kopf, doch ein postkolonialer Touch ist geblieben. In der Öffentlichkeit stört das kaum jemanden. Dabei wurde noch vor zehn Jahren die Inszenierung einer Mozart-Oper in der Hauptstadt vom Spielplan genommen, weil dort göttliche Köpfe rollten. Geköpft wurden Poseidon, Mohammed, Jesus und Buddha. Allerdings war nicht der geköpfte Buddha der Grund, warum die Inszenierung nicht mehr gezeigt werden sollte. Und so haben heute eben auch die Baumärkte keine Angst vor Racheakten.

          Im buddhistischen Devotionalien-Fachhandel gibt es nur Köpfe mit Statuen dran. Die günstigeren Buddhas sind übrigens kaum teurer als im Baumarkt. Das Versandhaus „Klang und Stille“ etwa verschickt seine Statuen sogar mit Augenbinde. Erst im neuen Zuhause wird sie abgenommen. Was Buddha in Baumärkten dagegen alles sehen muss, ist kaum zu beschreiben. Eine Sprecherin der Deutschen Buddhistischen Union berichtet von ihrem Einsatz gegen Buddhaköpfe auf Badematten, Klodeckeln oder Taschentuchspendern. Für gläubige Buddhisten sind manche Ecken in Baumärkten der schiere Frevel. Wer also kauft den Kitsch – und warum?

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