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Museum Insel Hombroich : Wo das Ungeplante wachsen kann

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Die Landschaft ist hier mehr als nur Rahmen für die Kunst. Bild: Ina Sperl

Kunst und Natur – ist das ein Widerspruch? Im Museum Insel Hombroich sind sie untrennbar verbunden. Ein Besuch im Idyll.

          5 Min.

          Mit weiten Schwingen gleiten die Gänse durch die Luft, sanft landen sie auf dem Wasser. Die Korbweiden am Ufer strecken ihre kahlen Zweige in den Himmel. Amseln finden letzte Früchte am Schlehdorn. Friedlich ist es in dieser Auenlandschaft. Nur ab und zu betreten Menschen die Bildfläche. Gehen über die schmalen Wege, fast auf Tuchfühlung mit Disteln, Weißdorn und Hagebutten. Sie lassen die Landschaft auf sich wirken, oder sie streben dem nächsten Gebäude entgegen. Denn die Backsteinbauten, die sich lose auf dem Gelände verteilen, sind der Kunst gewidmet. Der Bildhauer Erwin Heerich hat sie entworfen, sie sind eher als begehbare Skulpturen zu verstehen denn als Bauten. Drinnen erwarten die Besucher Werke von Hans Arp, Kurt Schwitters und Yves Klein, aber auch Matisse und Rembrandt - in direkter Nachbarschaft mit Khmer-Kunst aus Kambodscha und Feder-Umhängen aus Peru.

          Der Maler Gotthard Graubner, der bis zu seinem Tod 2013 hier lebte, hat nicht nur selbst viele Bilder beigesteuert. Er hat auch das Gesamtkunstwerk geschaffen, indem er die Kunst in den Räumen arrangierte. Anatol Herzfeld, Beuys-Schüler und in Hombroich lebender und arbeitender Künstler, ist mit seinen Skulpturen mitten in der Landschaft präsent - etwa mit dem „Parlament“, bei dem Stühle aus rostigem Stahl einen riesigen Kreis an einer Eiche bilden.

          Doch ist die Landschaft hier mehr als der bloße Rahmen für die Kunst. „Kunst parallel zur Natur“ war der Grundgedanke des Düsseldorfer Kunstsammlers Karl-Heinrich Müller, der die Insel Hombroich 1987 als Museum eröffnete. Zwar bringen Bäume, Sträucher und weiche Gräser die streng geometrischen Pavillons gut zur Geltung. Doch soll keines dem anderen übergeordnet sein.

          „Es ist Fake, was wir hier machen“

          Müller, 2007 verstorben, ruht auf dem Gelände unter Linden. Er hatte eine eher verklärende Vorstellung von Natur: Natur als etwas Erhabenes, in das nicht eingegriffen werden darf. Vor allem aber hatte er eine Vision. Und so kommt es, dass sich hier, südwestlich von Düsseldorf, ein kleines Arkadien findet in einer Landschaft, die sonst weitgehend vom Braunkohleabbau geprägt ist. Nur etwa 20 Kilometer entfernt liegt Garzweiler, der größte Tagebau der Region, dem mehrere Dörfer weichen mussten. Die weißen Wolkenberge, die aus den mächtigen Kühltürmen der Kraftwerke steigen, bestimmen den Horizont.

          Leicht war es nicht zu erschaffen, das Idyll. Lange hatte Müller nach einem passenden Ort für sein Museum gesucht und es schließlich in unmittelbarer Nähe seines Heimatortes Düsseldorf gefunden. Ein verwilderter Park um ein Herrenhaus aus dem frühen 19. Jahrhundert war von Äckern und Feldern umgeben. Einst gab es Auen am Flüsschen Erft, das hier die Landschaft durchzieht. Doch der Kohlebau ließ das Grundwasser sinken, das Land wurde trocken. Der von Müller beauftragte Landschaftsarchitekt Bernhard Korte legte in den 1980er Jahren nicht nur den Park um das Herrenhaus wieder frei. Er erschuf auch die Auenlandschaft neu, später gestaltete er weiter zugekaufte Flächen und eine erhöhte Terrasse. Was die Besucher nicht sehen, ist das Pumpsystem, das das Wasser an die richtigen Stellen bringt. Die „Renaturierung“ ist eine technisch erzeugte Illusion. Hier geht es nicht um Ökologie, sondern um das Erschaffen eines Bildes.

          „Es ist Fake, was wir hier machen“, sagt auch Gärtner Klaus Fischedick. „Wir bilden die Natur ab, stellen sie aus.“ Eine Natur, die im Grunde eine alte Kulturlandschaft ist, die es ohne menschliches Zutun hier so nie gegeben hätte mit ihren Wiesen und Kopfweiden. Für die Tiere macht das keinen Unterschied. Wasservögel, Füchse und Nutrias haben über die Jahre allein hergefunden, auch Rehe lassen sich auf dem Gelände blicken. Sollten Menschen sich getäuscht fühlen, spielt das für die Insel Hombroich keine Rolle. Der Mensch steht hier nicht im Mittelpunkt. Einen Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen gleichermaßen wollte Müller erschaffen. Das ist der Leitgedanke, an dem sich alles gärtnerische Eingreifen orientiert.

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