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Home Staging : Die Haus-Herausputzer

  • -Aktualisiert am

Wohnlich, aber nicht aufdringlich: Home Stager schaffen mit wenigen Objekten eine gute Atmosphäre. Bild: ddp Images

Bei leeren Räumen versagt Wohnungssuchenden oft die Phantasie. Home Staging hilft der Vorstellungskraft auf die Sprünge. Beispielhaft möblierte Wohnungen lassen sich nicht nur teurer verkaufen - sie verraten auch viel über Wohnpsychologie.

          Stellen Sie sich einen vollkommen leeren Raum mit 40 Quadratmetern vor. Eine große Fensterfront an der Stirnseite, der Rest lässt sich frei gestalten. Wie würden Sie ihn einrichten? Wenn Sie jetzt sagen „Puh, schwierig“, dann geht es Ihnen wie den allermeisten Menschen. Sie fühlen sich bei der Frage überfordert.

          Unser Kopf ist nämlich ein seltsames Ding: Lässt man ihm zu viel Freiraum, kommt er damit nicht klar und stellt die Arbeit ein. Genauso schwer fällt es ihm aber, wenn man ihm zu viele Fakten und Gegebenheiten vorsetzt. Dann fühlt er sich eingeengt und versagt ebenfalls den Dienst. Deshalb tun sich viele Immobilienkäufer und Mietinteressenten unglaublich schwer bei der Wohnungsbesichtigung.

          Denn entweder sehen sie dabei nackte, leere Räume - und können sich überhaupt nicht vorstellen, was alles hineinpasst, geschweige denn, wie die wohl mit ihren eigenen Möbeln wirken würden. Oder sie betreten bewohntes Gebiet und konzentrieren sich auf eigentlich Nebensächliches: die merkwürdigen Bilder des jetzigen Bewohners an der Wand, das stillose Regal, die krude Buchauswahl im Schrank. Sie stören sich an vielen Details, aber achten dabei gar nicht mehr auf die Wohnung selbst.

          Das Ergebnis ist in beiden Fällen dasselbe: Hier wohnen? Ach nein, lieber nicht, denkt der Suchende. Er übersieht oft völlig, welches Potential tatsächlich in einer Wohnung steckt und was man daraus hätte machen können. Das wiederum versteht der Verkäufer oft nicht, zumal dann, wenn seine Wohnung alle formalen Voraussetzungen des Suchenden perfekt erfüllt und er vielleicht selbst jahrelang zufrieden darin gelebt hat.

          Reine Psychologie

          Es gibt aber eine Zunft, die es beiden Seiten leichter macht zueinanderzufinden, indem sie nämlich dem Kopf des Wohnungssuchenden auf die Sprünge hilft: Home-Staging-Experten machen genau das. Und selbst, wenn man gar nicht umziehen möchte und bereits gut wohnt, kann man von ihnen einiges lernen.

          Die Arbeit von sogenannten Home Stagern ist im Grunde nichts anderes als reine Psychologie. Sie richten Wohnungen so her, dass man von ihnen nicht gleich abgeschreckt oder überfordert wird, sondern dass sich darin möglichst viele Menschen wohlfühlen. Sie schaffen ein gutes Raumgefühl und geben dem Besucher eine Idee für die ideale Raumaufteilung.

          Manchmal reichen dazu nur ein paar Handgriffe und wenige Möbel und Dekorationsobjekte. Manchmal gestalten sie auch großflächig um, bis ein Raum zum perfekten Showroom wird, den man bei Besichtigungen herzeigen kann. Ist das nun alles nur Kulissenschieberei, oder braucht man solche Dienste wirklich? Spüren Wohnungssucher nicht auch so, ob ein Raum für die eigenen Bedürfnisse taugt?

          „Nur 20 Prozent können sich Räume anders vorstellen“

          „Selten“, sagt Wohnpsychologin Barbara Perfahl, vor allem wenn ein Raum bereits eingerichtet ist, fällt es uns schwer. Denn 80 Prozent der Menschen, die eine Wohnung betreten, könnten sich gedanklich eben nicht von den vorhandenen Einrichtungsgegenständen lösen: „Nur 20 Prozent von uns können sich ein Zimmer anders vorstellen, als sie es sehen. Das hat mit der räumlichen Vorstellung zu tun. Man muss dazu in der Lage sein, den Raum im Geiste zu drehen und sich in eine andere Perspektive zu versetzen.“

          Wie leicht oder schwer man sich dabei tut, weiß jeder, der bereits Intelligenztests gemacht hat. Dort gibt es Aufgaben, bei denen man komplizierte räumliche Gebilde im Geiste um 90 Grad drehen oder in eine Richtung kippen soll - und dann ankreuzen muss, welche Ansicht dabei herauskommt. Vor allem Piloten haben dieses räumliche Vorstellungsvermögen, Designer ebenso, die allermeisten anderen von uns haben ihre Probleme damit.

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