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Bauen auf dem Wasser : Schwimmende Holländer

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„Erdgeschoss“ halb im Wasser: Häuser in Ijburg Bilderstrecke
„Erdgeschoss“ halb im Wasser: Häuser in Ijburg :

Schwimmende Hochhäuser mit treibenden Gärten

Das klingt nach einer Idee aus einem James-Bond-Film, das ist Olthuis klar. Aber er entwirft inzwischen ganze Stadtteile und schwimmende Golfplätze, die mitten ins Wasser gebaut werden, nicht nur für Utrecht und Westland, auch für China, die Malediven und Dubai. Im Grunde seien ja auch Kreuzfahrtschiffe nichts anderes als schwimmende Städte für Tausende Bewohner, sagt er, und auch Bohrinseln treiben wie Korken auf dem Meer. Dieselben Technologien nutzen Städtebauer für die Amphibienhäuser. „Wir vergrößern nur den Werkzeugkasten“, so nennt Olthuis das, „bisher gab es nur sehr einfache Wasserhäuser, wir versuchen sie größer zu machen, zu schwimmenden Appartementkomplexen und Hochhäusern mit treibenden Gärten.“

Olthuis ist bei weitem nicht der Einzige, der daran feilt. Die Technische Universität Delft bildet ganze Architektengenerationen zu Wasserstadtplanern aus, etliche Universitäten forschen zum Thema Flutschutz und Wassermanagement, und die Delta-Kommission der Regierung pumpt jedes Jahr mindestens 1,2 Milliarden Euro in den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis. Bereits 2005 wies das Bauministerium Probegebiete an Flüssen und Deichen aus, wo Planer und Architekten experimentieren können, wie es sich am besten auf dem Wasser lebt.

Die Architekten setzen Häuser auf Schwimmelemente, das sind oft Fundamente aus Styropor, die mit Spezialbeton ausgegossen und umhüllt werden. Oder Betonwannen, die innen hohl sind und Auftrieb haben. Angekettet werden die Fundamentplatten an Stahlpfähle, die tief in den Fluss- oder Polderboden eingelassen werden. Sie ermöglichen, dass das Haus wie an einer Leiter bis zu 8 Meter auf- oder absteigt, aber nicht wegschwimmt. Die Gebäude selbst sind Konstruktionen aus Holz, viel Glas und Metall, sehen aus wie moderne Fertighäuser, wie futuristische Designkomplexe oder Frachtcontainer mit Panoramafenstern. Die Zuleitungen für Gas und Strom werden ebenfalls flexibel verlegt und sind in die Anlegestege eingelassen.

Neues Stadtviertel für 48.000 Menschen

Eine der größten Siedlungen von Schwimmhäusern treibt bereits in IJburg, am östlichen Rand von Amsterdam. Auf sieben künstlich aufgeschütteten Sandinseln entsteht derzeit ein komplett neues Stadtviertel, in dem schon bald 48.000 Menschen wohnen sollen. Direkt am Meer, 20 Minuten vom verwinkelten und überfüllten Zentrum entfernt.

Dort liegt auch die 10.000 Quadratmeter große „schwimmende Nachbarschaft“, die 55 Treib-Häuser und 20 Pfahlbauten von Architektin Marlies Rohmer. Aus der Nähe wirken die zwei- und vierstöckigen Kuben wie normale, schicke Wohnhäuser, von denen manche eben auf Stelzen stehen. Als aber die Hafenschlepper zum ersten Mal die Boxen an ihre Ankerplätze zogen, fragten sich viele Beobachter, ob das nun schwimmende Häuser seien oder eher zu groß geratene Hausboote. „Es sind Hybride“, findet Marlies Rohmer selbst.

Die kleinsten Wasserwohnungen sind 100 Quadratmeter groß, haben 10 Quadratmeter Dachterrasse und sind vermietet. Die größeren mit bis zu 156 Quadratmetern auf drei Ebenen und 20 Quadratmeter Freiluftfläche sind Eigenheime. Bei allen sind Meerblick, ein Parkplatz im Parkhaus am Deich sowie ein Ankerplatz fürs Boot inklusive. Was die Käufer immer wieder fragen, bevor sie sich für ein Haus entscheiden: Sind die Häuser wasserdicht? Natürlich. Und bekommt man für die Behausungen überhaupt einen Immobilienkredit, obwohl sie mobil sind? Auch das. Die meisten Bewohner in IJburg wollen aber gar nicht mehr ablegen, auch wenn sie könnten. Sie sagen, es sei so ruhig und still hier, man spüre die Elemente viel mehr.

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