https://www.faz.net/-hrx-8yi8f

Ausstellung von Georg Thumbach : Die Spur der Späne

Die unterschiedlichen Effekte des Holz nutzen

Nur bei einigen Skulpturen lässt er sich zu einem Titel hinreißen. „Schmetterling“ heißt ein übermannshoher Bretterfächer, „90/90“ eine aus dem Kernholz von Eichen gefertigte Skulptur. Hinter „Waldbrand“ verbergen sich auf Nut und Feder geschnittene handelsübliche Fichtenbretter, die Thumbach unter Einsatz eines Bunsenbrenners an den Jahreslinien entlang abgefackelt hat. Der Effekt von verkohltem neben lasiertem Holz ist verblüffend, vor allem weil die Trennlinie zwischen den beiden Aggregatzuständen - die er durch Abdecken mit feuchtem Sand erzielt hat - exakt verläuft.

Werkbank, Werkzeug und Materialsammlung im Atelier des Künstlers. Hier wird Holz bearbeitet.

Das Gehobelte neben dem Verbrannten in einem zeitlichen Zusammenhang mit Wachstum und Vergehen, als würde zusammengehören, was nicht zusammengehören kann. So entsteht ein plastisches Bild, dessen Risse dem Künstler die notwendigen Informationen liefern: Das Material spricht. Ein Arbeitstag pro Brett - vier Wochen später ist aus 28 Einzelteilen ein dynamisches, abwechselnd kohleschwarzes und fichtenhelles Tafelbild entstanden. Die Frage, ob diese Technik schon einmal angewendet wurde, berührt eine Linie, hinter der das Tabu lauert: „Wenn ich wüsste, dass es wer gemacht hat, hätte ich es nicht gemacht.“

Was nicht geht, wird gehend gemacht

In der Ecke steht ein aus dunkelbraunen Siebdruckplatten zusammengeschraubter Holzquader, der mithilfe einer ausklappbaren Stütze auf Kante gestellt werden kann. Blickt man von oben durch die runde Sichtöffnung in den Guckkasten, sieht man am Boden des Gehäuses ein typisches Unterholzmotiv - aber hier ist es aus einer schwarzen Metallplatte gelasert. Je nach Untergrund und Lichtverhältnissen wechselt das Bild die Farbe.

Erstwählerlexikon

Warum lohnt es sich immer, zur Wahl zu gehen? Was machen Abgeordnete eigentlich den ganzen Tag? Und was ist der Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme? FAZ.NET erklärt, was man wissen muss.

Genannt hat er die Arbeit „Standpunkt“, zustande kam sie, weil der Künstler hartnäckig blieb in seiner Suche nach einem Unternehmen, das sich in der Lage sah, ein dermaßen filigranes Gewirr aus dem Metall zu schneiden. Nach vielen Absagen fand sich im Bayerischen Wald eine Firma, die sich das zutraute. Wenn etwas nicht geht, wird es gehend gemacht, sagt man in Bayern. So gehen die Wege des Georg Thumbach, und er geht sie mit Gottvertrauen in die eigene Kraft und möglichst aufrecht. Einen Namen hat er sich mittlerweile gemacht, Galerien in München und im australischen Perth vertreten ihn.

Mit seinen Dickichten hat er ein Ziel vor Augen, das ins paradoxe Herz der Malerei zielt: Er möchte in die Tiefe der Fläche eindringen. „Mir geht es um das Suchen der Tiefe“, sagt er, prüft noch einmal das Gesagte und bestätigt es: „Ja. Doch. Schon.“ Sich selbst in der Kunstgeschichte zu verorten, in der er sich gut auskennt, das gestattet ihm die Bescheidenheit nicht.

Aber einmal spricht er doch über einen Maler, dem er sich nah fühlt - Mark Rothko, den abstrakten Expressionisten und Pionier der Farbfeldmalerei. Der habe auch in die Tiefe der Fläche gewollt. "Es ist halt ein Weg." Man darf sich darauf verlassen, dass er entlang dieses Weges noch viele Funde machen wird. Im Herbst will er wieder in der Natur malen im nahen Bayerwald. „Eigentlich braucht man das nicht", sagt Georg Thumbach und fährt sich mit der Hand über den rasierten Charakterkopf. „Aber ich offenbar doch."

Weitere Themen

Von Katie Holmes bis Wolfgang Joop Video-Seite öffnen

Beriner Fashion Week : Von Katie Holmes bis Wolfgang Joop

Auf der Fashion Week in Berlin lassen die Modedesigner ihre neusten Kollektionen auf dem Laufsteg präsentieren. Die Bandbreite der Stile ist groß, von Katie Holmes bis Wolfang Joop findet hier jeder seinen Geschmack.

Topmeldungen

Ein Lob für die Impeachment-Anklage: Der republikanische Senator Lindsey Graham.

Impeachment-Prozess : Lob aus republikanischem Munde

Die Ankläger Donald Trumps im Amtsenthebungsverfahren machen ihre Sache so gut, dass ihnen sogar einer der wichtigsten Unterstützer Trumps Anerkennung zollt.
Helene Fischer in Düsseldorf

F.A.S. exklusiv : Aufstand der Stars

Die großen Plattenfirmen in Deutschland bekommen Ärger. Manager zahlreicher Rock-, Pop- und Schlagerstars wollen, dass die Musiker stärker an den sprudelnden Einnahmen aus dem Musikstreaming beteiligt werden.
Amazon in  Staten Island

Onlinehandel : Wer hat Angst vor Amazon?

Der Internethändler gewinnt Marktanteile – während die deutschen Einzelhändler ums Überleben kämpfen. Aufgeben wollen sie aber nicht, im Gegenteil.
In diesem Haus in Starnberg wurden die Leichen gefunden.

Mord statt Suizid in Starnberg : „Passt das zu den Spuren?“

Nach dem gewaltsamen Tod einer Familie in Starnberg hat die Polizei zwei Verdächtige festgenommen. Ein 19 Jahre alter Bekannter des getöteten Sohnes hat das Verbrechen gestanden. Wie kam die Polizei ihm auf die Spur?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.