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Ausstellung von Georg Thumbach : Die Spur der Späne

Kämpfen mit der Arbeit

Nur wer sein Material durchdrungen hat, kann souverän damit umgehen: Das Wissen um die Beschaffenheit der Werkstoffe sowie handwerkliche Perfektion sind wesentliche Bestandteile von Thumbachs Werk. Die picobello sortierten Regale zeigen, dass hier einer langfristig denkt. In sieben Reihen stehen in verschraubten Gläsern selbst gesammelte gesiebte Erden, die als Basis für Pigmente dienen. Sorgsam beschriftet findet man „Escheasche gesiebt“, „Lagerfeuerreste“, Erde aus Roussillon in Südfrankreich, aus Kroatien, Kreide von den Klippen bei Dover, aber auch heimisches Erdreich vom Untersberg, vom Schneibstein oder vom Großen Arber („unterhalb vom Wirtshaus“) oder von einem „Acker nach Katzham, links am Berg, 1995“ - Jahrgangserde sozusagen.

Der Maler muss aufs Bild: Das Format mit mehr als fünf Meter Seitenlänge füllt das Atelier beinahe aus.

Auch wenn Thumbach seine Arbeiten penibel vorbereitet, hat er doch lernen müssen, dass es Tage gibt, an denen nichts gelingen will. An solchen Tagen macht er höchstens Ausbesserungsarbeiten an verstreuten Stellen im Bild, an denen ihn die innere Logik nicht zufriedenstellt. So auch bei seinem neuen Streich, den er von Mitte Mai an in Jena im Rahmen seiner Ausstellung „Ins Holz“ zeigen wird. Das Format mit mehr als fünf Meter Seitenlänge füllt das Atelier beinahe aus, der Maler muss auf dem Bild knien oder hocken. „Es gefällt mir, auf der Arbeit herumzugehen“, sagt er und steigt wieder auf die Galerie, um von oben den Gesamteindruck zu kontrollieren. „Mit der Stelle habe ich gekämpft. Seit ich frei arbeite, werden die Dinge runder.“ Das liege an der Bewegung des Armes. Zu einem geraden Stamm müsse er sich regelrecht zwingen.

Statik aufeinander gestürzter Stämme

Die Hände in Einweghandschuhen, zieht er mit dem Finger Linien nach, verändert einen Schatten, prüft, ob die Statik der aufeinander gestürzten Stämme in der Wirklichkeit funktionieren könnte. Einerseits lässt er Äste weg, die es draußen geben könnte, an anderen Stellen entscheidet er sich für schwarze Linien, die einen expressiven Gestus ins Bild setzen, den man im Unterholz nicht vermuten würde. Seine Erfahrung mit Naturbeobachtung habe ihn gelehrt, „dass es letztlich in der Formensprache der Natur alles gibt“. So pendelt der künstlerische Prozess zwischen freiem Hin und Her und Kontrolle - und offenbart am Ende eine Bildtiefe, die sich bei den Großformaten erst mit gebührendem Abstand zur Bildfläche entfaltet.

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Das große Tafelbild entsteht auf mehreren Spanplatten, weil Papier in diesem Format zu stark arbeitet. Die Holzplatte ist nicht nur stabil, sie hat trotz der weißen Grundierung auch eine unterschiedliche Farbigkeit. Die Tusche in den klassischen Farben Terra di Siena und Indigo hat er mit Acrylbinder versetzt, ein eher seltener Ausbruch an Farbgebung. Der Schattenwurf des Geästs geht von einem Lichteinfall von rechts oben aus, weder zu kalt noch zu warm soll das Bild wirken. Der Betrachter soll entscheiden, ob ihm dieses Unterholz heimelig oder frostig gegenübertritt. Schon deswegen gibt Thumbach seinen Arbeiten so gut wie nie einen Titel. Er wolle die Betrachter nicht bevormunden. „Nenne ich es ,Sonnenuntergang', denkt sich jeder: Aha, so hat er das gemeint.“

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