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Ausstellung von Georg Thumbach : Die Spur der Späne

Als es vor zwei Jahren fertig wurde, geschah etwas Denkwürdiges: Thumbach hatte plötzlich nicht mehr das Bedürfnis, für seine Bilder in die Natur gehen zu müssen. Im geschützten Atelierraum verspürte er eine neue Art innerer Freiheit. „Es haben sich so viele Bilder angestaut im Kopf, mein Speicher von draußen ist voll, ich kann jede Linie verwerten.“ Also begann er, seine Motive frei zu malen. Und es ist nicht einfach zu entscheiden, welche in oder nach der Natur entstanden sind.

Vom krummen Ast zum freien Kern

Akademisch kommt Georg Thumbach aus einem guten Stall. An der Münchner Akademie der Bildenden Künste studierte er zunächst bei Fridhelm Klein, dann bei Ben Willikens, dessen Meisterschüler und Assistent im Fach Bildhauerei er war. Er habe einen Lehrer gewollt, sagt er im Rückblick, „der mir was zum Beißen gibt“ - beißen im Sinn von durchbeißen. „Wenn Sie in meiner Klasse sind, müssen Sie Nikolaus Lang kennen“, das sei so ein typischer Satz Willikens' gewesen. Der warnte ihn auch vor Wegen, die andere schon beschritten hatten.

Ein Blick ins tiefe Unterholz: Georg Thumbach erforscht in seinen Arbeiten die Erscheinungsformen des Materials.

Einen Fichtenbalken bearbeitete er so lange, bis davon nur noch ein krummer Ast aus dem freigelegten Kern stehen blieb. Aber so hatte schon Guiseppe Penone gearbeitet, der italienische Documenta-Teilnehmer, ein Vertreter der Arte Povera. Thumbach brach die Versuche sofort ab. „Ich setze mich nicht dem Vorwurf aus, dass ich plagiiere“, sagt er. Aber wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, zieht er es durch. Sein Weg ins Holz ist kein Holzweg.

Die vielen Facetten des Holzes

Denn sein Lieblingswerkstoff hat viele Facetten. Es gibt ihn etwa als Grobspanplatte, neudeutsch OSB für oriented structure board. Deren Herstellungsprozess beginnt mit einem Zerstörungswerk: Holz wird zerspant und dann mit Kleber unter hohem Druck in eine andere Form gebracht. Diese preisgünstige Version der Spanplatte ist für Innenausbau wie Außeneinsatz geeignet, sogar bei Öko-Bauweise kommt sie zum Einsatz. Ihre lebhafte Optik hat schon Möbeldesigner inspiriert - und Thumbach auch, der einen ganz eigenen Blick auf diese Platten geworfen hat. Er sieht in ihnen zunächst eine Vorgabe und ein Informationsangebot: Wohin führt die Spur die Späne? Wohin lenken sie den Blick des Betrachters? Ist ihr Verlauf ein Störfaktor oder eine Bereicherung?

Mit solchen Augenfragen blickt der Künstler auf das kreuzquere Spangewitter - und greift zunächst zum Pinsel, um auf dem tohuwabösen Untergrund seine eigenen Linien zu setzen. Düstere Wälder sind so entstanden, erdfarben, schlammkrustig. Und wie um zu beweisen, dass es auch anders geht, hat Thumbach das gleiche Material mit der Stichsäge bearbeitet und dem gemachten Chaos der Platte seine eigene Ordnung entlockt. Er legt die Linien frei, die ihm die Platte offenbart, ein geheimnisvolles Muster, orientalischen Arabesken ähnlich, mit lebhaften Schatteneffekten, wenn die Platte mit Abstand zur Wand gehängt wird.

Und dann gibt es noch einen dritten Weg, in dem die zuvor freigelegten Leerstellen in der Platte mit teilweise nur millimeterkleinen Holzschnipseln gefüllt werden - im Stil einer Intarsienarbeit. Dabei kommt Räuchereiche zum Einsatz, deren dunkler Farbton mit dem hell- bis mittelbraunen Spangeflecht kontrastiert. Auch Räuchereiche ist behandelte Natur, sie wird mit Ammoniak begast. Das Holz wird dunkler, seine Widerstandsfähigkeit nimmt zu.

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