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Schau „California Dreams“ : If You’re Going to Bonn

Freiheit auf Knopfdruck: LGBTQ-Buttons verkünden in der Ausstellung „California Dreams“ die bunte Welt von San Francisco. Bild: dpa

Goldrausch, Golden Gate Bridge, Hippie-Generation und die Schwulenbewegung: Die Ausstellung „California Dreams“ in der Bundeskunsthalle in Bonn beleuchtet die Vielseitigkeit des Sehnsuchtsortes San Francisco.

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          „Es ist merkwürdig, aber von jedem, der verschwindet, heißt es, er sei hinterher in San Francisco gesehen worden„: Das Zitat von Oscar Wilde hat Armistead Maupin seinen „Stadtgeschichten“ vorangestellt, der Herzenslektüre vieler San-Francisco-Freunde. Die Stadt an der amerikanischen Westküste ist ein Sehnsuchtsort, der Phantasien und Hoffnungen beflügelt, der Träume weckt von einem besseren Leben: materiell, künstlerisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich, technologisch.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Es ist ein Ort, von dem fast jeder ein Bild im Kopf hat, und bei fast jedem ist es ein anderes Bild, geprägt von Filmen, Büchern, Musik oder Fernsehen, von Erzählungen und Erfahrungen. Die Ausstellung „California Dreams“ in der Bundeskunsthalle in Bonn will den vielen Gesichtern der viertgrößten kalifornischen Stadt gerecht werden: mit Goldrausch, Großem Erdbeben und Golden Gate Bridge, mit Hippie-Generation, Schwulenbewegung und Silicon-Valley-Pionieren.

          Ein Sehnsuchtsort

          Ihr Leitmotiv ist die Migration. In einem chronologisch arrangierten Rundgang durch vier Jahrhunderte Stadtgeschichte wird offensichtlich, wie stark die Einwanderer immer wieder ihr neues Zuhause beeinflusst und verändert haben. Dabei bleiben die dunklen Seiten der verschiedenen Phasen der Zuwanderung aus Ost und West nicht außen vor – die Fremdenfeindlichkeit, die zum Beispiel asiatischen Migranten entgegenschlug, das immense Leid, das die verdrängte indigene Bevölkerung erfuhr, die unerbittliche Internierung japanischer und japanischstämmiger Einwohner im Zweiten Weltkrieg, während deren Väter oder Brüder in der amerikanischen Armee kämpften. Große Geschichte wird in kleinen Geschichten aufgefächert und auf diese Weise lebendig gemacht.

          „Regenbogenfahne“ von Gilbert Baker ist in der Ausstellung „California Dreams: San Francisco – ein Porträt“ in der Bundeskunsthalle zu sehen. Bilderstrecke

          Obwohl San Francisco später auch für viele Hippies zu einem persönlichen Endpunkt wurde und obwohl das Leben dort inzwischen durch den Zustrom der Topverdiener aus der Tech-Industrie für viele unerschwinglich geworden ist – der Charakter als Sehnsuchtsort hat sich erhalten. Wie auch der liberale Geist der Stadt. Das zeigten jüngst wieder die Kontroversen um den Status als „Sanctuary City“, der illegalen Einwanderern Schutz gewährt, und den die Stadt gegen alle Angriffe und Einschüchterungsversuche des Präsidenten Donald Trump behauptet hat. Armistead Maupin hat es bestimmt gefreut.

          Die Ausstellung "California Dreams: San Francisco – ein Porträt" in der Bundeskunsthalle in Bonn läuft noch bis zum 12. Januar 2020.

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