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Spontane Reise durch Europa : Take the long way home!

  • -Aktualisiert am
In Amsterdam

Mit einem Mal erkannte ich den tieferen Sinn dieser Reise. Ich sollte Vincent van Goghs Wesen erfassen und gleichzeitig meinen Kindern die Welt zeigen. Selbstverständlich schritten wir am nächsten Tag auch noch im goldenen Schein der Gewölbe von Notre-Dame herum, bis wir am frühen Nachmittag nach Brüssel aufbrachen, von wo es nur ein Katzensprung nach Zundert war, zum Geburtshaus Vincent van Goghs.

Marcus
Ich schätzte die Chancen, in Paris eine Autovermietung zu finden, die uns einen Wagen überlässt, mit dem wir über mehrere Landesgrenzen nach Berlin fahren dürfen, als gering ein. Aber ich wollte nicht der Spielverderber sein, darum sagte ich meiner Familie nichts. Während uns die Leute in der ersten Autovermietung noch ansahen, als würden wir fragen, ob wir ihr Auto nicht gleich behalten könnten, waren sie in der zweiten Station froh, uns zu sehen. Sie hatten tatsächlich einen Kleinbus da, eher ein Lieferwagen mit Sitzen, der nach Berlin überführt werden musste.

Langsam begann ich zu glauben, was Alexa schon die ganze Zeit sagte: dass wir auf unserer Reise das Glück an unserer Seite hatten. Es bewahrte uns zwar nicht davor, auf dem Pariser Autobahnstadtring die Orientierung zu verlieren und ihn im Berufsverkehr zwei Mal zu umkreisen, aber nach einer kurzen Nacht in einem Hotel in Brüssel parkten wir unseren Lieferwagen am Mittag allen Ernstes in Zundert.

Einer Stadt, in der, einschließlich der Pommes, die wir auf dem Markt aßen, alles schwer und dunkel wirkte, obwohl sich das Museum, zu dem das Haus der van Goghs umgebaut worden war, die größte Mühe gab, alles freundlich aussehen zu lassen. Im Museumsshop kauften wir eine Flasche mit trauriger Brabanter Erde, als würden wir damit genauer verstehen, woher van Gogh kam, und fuhren weiter nach Amsterdam.

Alexa
Amsterdam habe ich schon als junges Mädchen geliebt. Doch das Van-Gogh-Museum kannte ich noch nicht. Und als nunmehr größter Fan des Malers war ich berauscht von den Originalen, die dort an den Wänden hingen. Ich fasste Mut, dass mein Roman mit dem auferstandenen van Gogh ebenfalls ein Meisterwerk werden könnte, gleichzeitig war ich hingerissen, was für tolle Eltern Marcus und ich waren. Wie aus dem Nichts bescherten wir unseren Kindern eine großartige Bildungsreise, durchquerten halb Europa, als sei es keine große Sache, aßen viel Fast Food, kauften Erinnerungsstücke im Museumsshop.

Marcus und ich bekamen uns auch nur ab und zu in die Wolle, wenn Marcus am Steuer nach der langen Fahrt die Augendeckel zuklappten. Aber das war ja auch normal. Als wir schließlich nachts in Berlin ankamen, war es so, als hätten wir eine Reise zum Mond unternommen und Unglaubliches erlebt. Nur war leider niemand auf der Straße, dem wir davon aufgeregt hätten erzählen können. Nun denn, einiges davon sollte in meinen Roman fließen und ein paar der Reisequittungen in meine Steuerabrechnung. Kleiner Scherz.

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