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Spontane Reise durch Europa : Take the long way home!

  • -Aktualisiert am
Einen Flug zu verpassen kann bei Flugangst durchaus ein Segen sein.

Da wurde ich total spontan und schlug vor, dass wir doch mit dem Eurostar durch den Tunnel fahren könnten und von dort aus weiter nach Berlin. So kompliziert konnte das ja nicht sein. Marcus, der jetzt die Faxen dicke hatte mit dem windigen Bahnsteig, den Koffern, der Aussichtslosigkeit, noch einen Flieger zu bekommen, fand meine Idee zumindest interessant. Außerdem konnte er jetzt in seinem Handy was Neues recherchieren.

Es dauerte nicht lange, schon rief er: „Los! Beeilt euch, Leute! Wenn wir den letzten Eurostar noch kriegen wollen, müssen wir rennen!“ Das taten wir! Ich war so stolz auf meine Kinder, wie sie mit all unseren Koffern und Taschen sprinten konnten. Absolut entschlossen und einsatzbereit. Keine halbe Stunde später hetzten wir durch die Sicherheitskontrolle und sprangen in den rettenden Super-Zug, von dem Marcus meinte, es sei der richtige. Mit brennenden Lungen, begeistertem Grinsen, total aufgepeitscht, keuchten wir auf unseren Sitzen, weil in diesem Augenblick ein echtes Abenteuer mit ungewissem Ausgang begann.

Marcus
Es ist wirklich ein erhebendes Gefühl zu verreisen, aber wenn man denkt, man kommt nicht mehr nach Hause, verkrampft man plötzlich. Ich war im Paparettet-uns-Modus, als ginge es nur darum, irgendwie rauszukommen aus London. Aber jetzt waren wir auf dem sicheren Heimweg, auch wenn der erst mal unter dem Ärmelkanal hindurch nach Brüssel führen würde. Hinter den Fenstern lag die mauerdicke Schwärze des Tunnels, und wir hatten uns gerade in der Sitzgruppe eingerichtet, als die Ansage kam, dass wir in einer halben Stunde in Paris eintreffen würden. „Wieso Paris“, fragte Alexa, „fahren wir nicht nach Brüssel?“

Unverhofft den Eiffelturm in Paris zu besichtigen, dürfte vor allem für die Kinder eine große Freude gewesen sein.

Ich antwortete schnell: „Ist bestimmt nur ein Zwischenhalt.“ So als sei das ein Bummelzug von Berlin nach Neubrandenburg und nicht der Eurostar. Dann sah ich auf der Fahrkarte, dass wir tatsächlich nach Paris fuhren. Nur nach Paris. Um nach Brüssel zu kommen, hätten wir einen anderen Zug nehmen müssen. Das hatte ich am Schalter übersehen. „Paris!“, riefen die Kinder, „wir fahren nach Paris! Ist das nicht Wahnsinn?“ Und das war es auch.

Alexa
Als wir mit unseren Koffern aus dem Gare du Nord traten, war es kurz vor Mitternacht. Paris lag vor uns, wie man es sich vorstellt. Rote und pinkfarbene Lichter blinkten vor dunklem Nachthimmel. Autohupen. Es war ein Fest. Einziges Problem: Wir hatten kein Hotel. Daher nahmen wir den kürzesten Weg, schräg über den Bahnhofsvorplatz, zum Mercure. Das Etablissement kam uns herrschaftlich vor. Wie die Kinder im Mary-Poppins-Film, als sie die Phantasiewelt ihres Kindermädchens betreten, betraten wir mit leuchtenden Augen die Hotellobby.

Van Goghs Sonnenblumen sind ein Teil der Wesenserfassung des Künstlers auf der Familienreise.

Der Concierge führte uns über eine Hintertreppe zum letzten freien Zimmer und ließ uns eintreten, als hätte er es die ganze Zeit für uns freigehalten. Darin stand ein einziges riesiges Bett, der Blick ging auf eine Brandschutzmauer. Unter anderen Umständen hätte ich es übertrieben gefunden, zu viert in einem Bett zu schlafen. Doch jetzt, mitten in der Nacht, waren wir alle nur dankbar. Ich besonders, denn nun ging noch ein Wunsch von mir in Erfüllung, um nicht zu sagen: mehrere Wünsche. Ich war in Paris. Mit meiner Familie. Wir würden den Eiffelturm besichtigen und das Musée d'Orsay besuchen, um dort das berühmte Selbstporträt von Vincent van Gogh zu bestaunen, nach dem seine Wachsfigur bei Madame Tussauds angefertigt worden war.

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