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Spontane Reise durch Europa : Take the long way home!

  • -Aktualisiert am

Marcus
Wir taten alles, damit unsere Kinder auch merkten, dass sie wirklich in London waren. Wir gingen zu Harrod's, wo wir in der Spielwarenabteilung eine Art magnetischen Sand entdeckten, der auf geheimnisvolle Weise zusammenhielt und auseinanderfiel und dabei ein angenehmes Gefühl auf der Haut hinterließ. Minutenlang standen wir vor der Kiste und steckten unsere Hände hinein. Wir fuhren mit dem Taxi die Sensationen ab, Big Ben, Tower of London, London Eye, Buckingham Palace, Piccadilly Circus, und aßen einen fabelhaften Apple Crumble im Café der Kirche St Martin-in-the-Fields.

London Westminster

Wir spazierten durch Notting Hill, das die Kinder – und ehrlich gesagt auch wir – bisher nur aus dem gleichnamigen Film kannten. Da standen an einer Ecke tatsächlich ein paar Studenten mit Pappmasken von Hugh Grant und Julia Roberts, die man aufsetzen konnte, um sich als falscher Star vor echter Kulisse fotografieren zu lassen, was Alexa und ich natürlich sofort machten. Zum Schluss fuhren wir quer durch die Stadt zum Victoria-Park, einer schönen Anlage mit alten Bäumen und einem kleinen, in Beton eingefassten Teich, auf dem Schwäne leben, die man füttern kann. Uns befiel eine angenehme Müdigkeit.

Im Pavillon am Seeufer bestellten wir, bevor wir zum Flughafen mussten, ein letztes Mal Tee und Scones und spielten eine Art Mensch ärgere Dich nicht, das unser Sohn in einem Regal entdeckt hatte. Zwei Tage lang waren wir durch London geschossen, als könnten wir etwas verpassen. Jetzt, am Ende des Besuchs, in diesem Pavillon im Park, war es, als seien wir keine Touristen, sondern Einheimische, die ein entspanntes Wochenende in ihrer Stadt verbringen. Als wir das nächste Mal auf die Uhr sahen, war es für den langen Weg zum Flughafen bereits überraschend spät.

Alexa
Natürlich haben wir uns beeilt, zum Flughafen zu kommen, was nicht wirklich gut geklappt hat, weil die Straßen in London um die Feierabendzeit ziemlich dicht waren und wir auch noch unser Gepäck aus dem Hotel holen mussten. Sehr lange standen wir an einer Stelle vor einem hübschen Townhouse und guckten hilflos aus den Taxifenstern, weshalb wir uns irgendwann entschlossen, mit der Regionalbahn zum Flughafen zu fahren. Das klappte nicht unbedingt besser, da mehrere Züge nacheinander ausfielen. Mir hat das nicht allzu viel ausgemacht, da ich grundsätzlich nicht gern fliege.

Ich leide unter Flugangst, und für mich ist eine Reise eigentlich immer erst im Nachhinein entspannend, wenn ich wieder gelandet bin und weiß, dass alles gut gegangen ist. Doch plötzlich, als klar war, dass wir unseren Flieger verpassen, wurde ich so richtig fröhlich. Ich machte Scherze auf dem regnerischen, zugigen, überfüllten Bahnsteig, während Marcus versuchte, uns doch noch in einen Flieger am Abend einzubuchen, was nicht möglich war. Ich geriet richtig in Hochstimmung – denn nichts zwang uns, am nächsten Tag wieder zu Hause zu sein. Es waren Herbstferien, also keine Schule.

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