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Architekt Ole Scheeren : In anderen Sphären

In diesem Jahr wird neben der Verbotenen Stadt das Guardian Art Center fertig, die neue Zentrale des wichtigsten chinesischen Kunstauktionshauses Bild: GUARDIAN ART CENTER BY OLE SCHEEREN © BURO-OS

In Asien ist Ole Scheeren zum wichtigsten deutschen Architekten einer neuen Generation geworden. Jetzt hinterlässt er auch hier seine Spuren. Ein Besuch in seinem Berliner Büro.

          7 Min.

          Wer einen Termin im Büro des Architekten Ole Scheeren hat, kann durchaus einen Augenblick brauchen, um zu verstehen, dass dieser Raum wirklich sein Büro ist. Fenster zu zwei Seiten und eine Wand mit Glas hinaus zu den Mitarbeitern. Keine Bücher oder Aktenordner. Keine Regale oder Schränke. Nicht einmal ein Festnetzcomputer oder ein Telefon. Nur ein paar Kabelstränge ragen aus der Holzoberfläche des Tisches hervor, der auch nicht aussieht wie ein Schreibtisch, eher wie ein Konferenztisch.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ringsherum Stühle. Am Rand stehen so viele kleine Wasserflaschen, dass ein Mensch tagelang hier bleiben könnte, ohne durstig zu werden. Es ist also eigentlich ganz einfach zu verstehen, dass dieser Raum als Ole Scheerens Büro taugt: Er kann hier voll da sein oder ganz weit weg - und trotzdem arbeiten. Es ist gewissermaßen seine Lebenshaltung.

          Großprojekte auf verschiedenen Kontinenten

          Ole Scheeren, 46 Jahre alt, ist im Monat auf drei Kontinenten unterwegs. "Es ist ein System: Asien, Europa, die Vereinigten Staaten, das geht in regelmäßigem Rhythmus, eine Woche pro Kontinent, im Durchschnitt ein bis zwei Städte", sagt er und nimmt an seinem riesigen Schreibtisch Platz. Nicht an der Ecke, an der er arbeitet, mit dem Gesicht zur Tür, sondern gegenüber, dort, wo auch seine Besucher sitzen. Das Wasser trinkt er direkt aus der Flasche.

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          Irgendein Projekt hat Ole Scheeren an jedem dieser Orte. In Vancouver baut er seit zwei Jahren an einem Wohnturm, der sich nicht nur 150 Meter in den Himmel streckt, sondern auch ab einer gewissen Höhe mit Modulen breit macht. Für die amerikanische Delikatessenkette Dean & DeLuca hat er im Dezember auf der Design Miami ein neues Konzept vorgestellt, das in die Bestellung von zum Beispiel Wildem Reis mit Lachs eine bessere Struktur bringen soll. In Asien werden dieses Jahr noch drei seiner Großprojekte fertig. Auf keinem anderen Kontinent hat Ole Scheeren in den vergangenen 25 Jahren so deutliche Spuren hinterlassen. Ausgerechnet in Asien ist Scheeren zum wichtigsten deutschen Architekten einer neuen Generation geworden.

          Chinas Veränderung hautnah miterlebt

          Es könnte daran liegen, dass er überhaupt erst dort zu sich gefunden hat - in China. Mit 20 Jahren war er das erste Mal da, reiste dreieinhalb Monate lang mit dem Rucksack durch das Land. "Damals gab es fast keine Autos, alle 20 Minuten kam vielleicht eins vorbei, der Rest waren Fahrräder und Fußgänger." Wie sich das Land seitdem verändert hat, das hat Scheeren hautnah mitbekommen, daran hat er ja selbst gearbeitet. Die Zeit damals, das war noch vor dem Beginn der Modernisierung. "Der Anfang war die Jahrtausendwende."

          Die Zeit, als China der Welthandelsorganisation (WTO) beitrat, Peking sich für die Olympischen Spiele bewarb, als sich das Straßenbild langsam veränderte und das Auto zum Statussymbol wurde. "Irgendwann kam nur noch einmal alle 20 Minuten jemand auf einem Fahrrad vorbei."

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